Tropenkrankheiten: Pharmaindustrie setzt auf Produktion in Afrika

Kampf gegen Tropenkrankheiten:WHO-Gipfel fordert Pharma-Engagement in Afrika

Porträt von Susann von Lojewski, ZDF-Auslandsstudioleiterin Nairobi

von Susann von Lojewski

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Millionen Menschen sind von der Krankheit Bilharziose betroffen, die in Deutschland nur wenige kennen. Mit Hilfe einer deutsch-kenianischen Kooperation soll sie ausgerottet werden.

Zwei dunkelhäutige Mitarbeiterinnen in weißem Kittel arbeiten in einem Labor.

Die UN hat in Kenia zum Austausch über eine bessere Medikamentenversorgung in Afrika eingeladen. Im Kampf gegen die Tropenkrankheit Bilharziose sollen Arzneien nun direkt vor Ort produziert werden.

27.04.2026 | 1:39 min

Idyllisch streckt sich der Murago-See durch die ruandische Landschaft. Kinder spielen im Wasser, Frauen waschen ihre Wäsche. Sie wissen nicht, dass sie sich in Gefahr befinden. Denn überall im Schlick schwimmen Larven, die sich in menschliche Haut bohren und sich dort zu Würmern entwickeln können. Diese befallen Organe wie Lunge und Leber.

WHO spricht von 200.000 Opfern pro Jahr

"Bilharziose" nennt sich die Krankheit, die als zweithäufigste Tropenkrankheit nach Malaria gilt. Ohne Behandlung kann sie tödlich sein. Etwa 200.000 Menschen sterben jedes Jahr nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Jacky Mupfasoni und ihr Team fischen mit ihren Netzen kleine Schnecken aus dem See. Die Forscher des Ruanda Medical Center wollen wissen, ob die Tiere Parasiten beherbergen. Denn ohne die Schnecke geht auf dem Übertragungsweg zum Menschen nichts.

Symbolbild:  Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens zeigt ein Fläschchen mit dem Malaria-Impfstoff R21/Matrix-M, bevor sie ihn einem Kind im umfassenden Gesundheitszentrum in Agudama-Epie verabreicht.

Die Impfstoffallianz "Gavi" meldet weniger schwere Malariafälle in Afrika. Es fehle jedoch durch die Kürzungen der Entwicklungs-Hilfe an Geld, um die Erfolge zu sichern, warnt die WHO.

24.04.2026 | 0:27 min

Tropenkrankheit könnte ausgerottet werden

Winzige Eier im See nutzen das Tier als "Wirt", um sich dort zu Larven zu entwickeln. "Hinzu kommt, dass es an den Seen keine Toiletten gibt, wo die Menschen ihre Notdurft verrichten können," erklärt Jacky Mupfasoni. So kommt der Erreger immer wieder zurück ins Wasser.

Bilharziose, auch Schistosomiasis genannt, könnte ausgerottet werden. Wenn sie entsprechend behandelt wird. Doch es fehlt wie so oft an Geld. Zudem kommen die Medikamente aus Indien, der Transport erhöht noch mal die Preise.

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Das Ziel: Medikamente in Afrika produzieren

Doch wieso nicht Medikamente für Afrika auch in Afrika produzieren? Vielen Pharmafirmen ist eine Investition auf dem Kontinent zu riskant. Das deutsche Unternehmen Merck hat es trotzdem gewagt und ist eine Kooperation mit der kenianischen Firma Universal eingegangen. Gemeinsam wollen sie 2028 eine Variante des Medikaments für Kleinkinder auf den Markt bringen.

"Ich halte diese Zusammenarbeit für sehr wichtig," sagt Perviz Dhanani, Geschäftsführer von Universal. "Es ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Geschäftsbeziehungen mit multinationalen Konzernen und einem gestärkten Vertrauen in die Produktion in Afrika."

schlangenbiss-kenia

Tausende Menschen sterben jährlich in Kenia durch Bisse von Giftschlangen - die Gefahr ist real. Betroffene wählen zwischen traditioneller Heilkunst und moderner Medizin.

23.04.2026 | 3:36 min

Etwas Gutes tun - und profitieren

250 Millionen Tabletten gegen Bilharziose hat das Darmstädter Unternehmen Merck bisher schon der UN-Weltgesundheitsorganisation versprochen - unentgeltlich.

Mit seinem Engagement bei Universal erhofft sich Merck jedoch auch einen besseren Eintritt in den afrikanischen Markt. Bisher sind Mercks Anteile noch verschwindend gering, dabei ist der Bedarf riesig. "Doing good for doing well" - so nennen Fachleute das. Heißt: Etwas Gutes tun, damit Unternehmen langfristig auch finanziell profitieren.

Reem Alabali-Radovan bei einer Bundespressekonferenz am 11.12.2024 in Berlin

Für den Kampf gegen die Infektionskrankheiten Aids, Malaria und Tuberkulose hat Entwicklungsministerin Radovan eine Milliarde Euro zugesagt - trotz Kürzungen im Bundeshaushalt.

12.10.2025 | 2:39 min

Deutsche Entwicklungsministerin auf WHO-Gipfel

Das Engagement von Merck könnte ein Beispiel dafür sein, wie deutsche Firmen mit ihrem Know How und ihrer Technologie auf dem Kontinent mit seinen bald 1,6 Milliarden Menschen Fuß fassen. Auf dem regionalen WHO-Gipfel, der heute in Nairobi beginnt, will sich auch die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) dafür einsetzen: "Wir reformieren die deutsche Entwicklungszusammenarbeit grundlegend. Ein zentraler Schwerpunkt ist die engere und systematische Einbindung der Wirtschaft - gerade im Gesundheitsbereich."

Deutschland unterstützt Aufbau von Impfstoffproduktion

Mit über eine Milliarde Euro über zehn Jahre unterstützen Deutschland und andere europäische Länder etwa den Aufbau einer eigenen Impfstoffproduktion in Afrika. Denn bisher kommen nur ein Prozent der Impfstoffe für Afrika auch aus Afrika.

Solange sich niemand an den Aufbau einer eigenen Produktion wagt, sind indische Mittel schlicht günstiger.

"Gute Gesundheitsversorgung ist nicht nur eine Frage von Menschlichkeit, sondern auch kluge Politik. Vorsorge zahlt sich aus - ökonomisch und für unsere Sicherheit. Jeder investierte Euro bringt ein Vielfaches an wirtschaftlichem Nutzen", so Ministerin Radovan.

Es ist eine Politik der kleinen Schritte, doch es ist ein Anfang - hin zu einer Entwicklungspolitik, von der auch deutsche Unternehmen profitieren könnten.

Susann von Lojewski ist Korrespondentin und Studioleiterin im ZDF-Studio in Nairobi.

Über dieses Thema berichteten das ZDF-Morgenmagazin am 27.04.2026 ab 05:30 Uhr sowie die heute-Nachrichten am 27.04.2026 ab 19:00 Uhr.

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