Proteste gegen Projekt der Trump-Familie:Albanien: Welche Chancen hat die "Flamingo-Revolution"?
In Albanien entlädt sich bei Protesten gegen ein Bauprojekt der Trump-Familie der Frust über jahrelange mutmaßliche Korruption. Ein Experte sieht die Bewegung als "Bruchpunkt".
Tausende demonstrieren gegen den Bau eines Luxusresorts, an dem Trumps Familie beteiligt sein soll. Warum der Protest eine größere politische Unzufriedenheit zeigt – ZDFheute live.
21.06.2026 | 19:21 minIn Albaniens Hauptstadt Tirana sind wieder Tausende Menschen gegen ein Bauprojekt auf die Straße gegangen, an dem die Familie von US-Präsident Donald Trump beteiligt ist. Der Plan der Investoren: In Zvernec, rund 150 Kilometer südwestlich von Tirana, soll ein Luxus-Urlaubsresort entstehen, das mit Trumps Tochter Ivanka und ihrem Ehemann Jared Kushner in Verbindung steht. Zum Unmut vieler in der Bevölkerung.
Die täglichen Proteste dauern bereits seit Ende Mai an. Hinter der Wut der Demonstrierenden sieht Politologe und Historiker Florian Bieber mehr als nur Ärger über den Bau des Resorts: "Ich glaube, es kommen verschiedene Sachen zusammen", betonte Bieber bei ZDFheute live.
Einerseits die Bedrohung dieses Naturschutzgebietes, andererseits das Gefühl, dass da ein Bauprojekt, ohne die Bevölkerung ausreichend zu informieren, vorangetrieben wird.
Florian Bieber, Politikwissenschaftler
Die Anti-Regierungsproteste in Albanien gehen weiter. Tausende fordern erneut den Rücktritt von Ministerpräsident Rami.
21.06.2026 | 0:22 minFrust über Umweltzerstörung in Albanien
Immer wieder wird die Protestbewegung auch als "Flamingo-Revolution" bezeichnet. Hintergrund: In Zvernec rund 150 Kilometer südwestlich von Tirana soll ein Luxus-Urlaubsresort entstehen, das mit Trumps Tochter Ivanka und ihrem Ehemann Jared Kushner in Verbindung steht. Dem Plan zufolge ist auch die Umwandlung der unbewohnten Insel Sazan in einen glanzvollen Urlaubsort vorgesehen. Die nahe Lagune Vjosa-Narta an der südlichen Adriaküste ist ein bedeutendes Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos.
Der Status dieses Schutzgebietes wurde erst viele Jahre erkämpft und nun teilweise wieder aufgehoben.
Florian Bieber, Politikwissenschaftler
Es handle sich um einen "wichtigen Ort für die Natur in Albanien", so der Experte, "aber natürlich eben auch ein Ort, wo viele Menschen Sorge haben, dass Zerstörung und Korruption möglicherweise die Natur dort zerstören würden".
Der Vorwurf von Korruption und Intransparenz werde immer wieder erhoben, so Bieber: "Es gab nie eine öffentliche Diskussion, es gab keine Baupläne, es gibt keine klare Beratung mit der Bevölkerung, mit Betroffenen."
Albanien: In Tirana versammeln sich Tausende Demonstrierende, um gegen ein geplantes Tourismusprojekt zu protestieren, das mit Jared Kushner in Verbindung steht.
Quelle: action press"Flamingo-Proteste" auch gegen Korruption
Die Demonstrationen sind so auch zu einem Ventil für die Frustration über die wahrgenommene Korruption im Land geworden. Inzwischen wird auch der Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama gefordert. Edi Rama ist seit 2013 im Amt. Sein Stil sei geprägt von Selbstherrlichkeit und "uneingeschränkter Macht im eigenen Land", sagt Bieber.
Bei vielen Bauprojekten im Land in der jüngeren Vergangenheit hatte es Unklarheit gegeben, aus welchen Quellen die Gelder dafür stammten. "Es gab immer wieder den Verdacht, dass es sich dabei um Geldwäsche handelt, von Drogengeldern, von Geschäftsleuten mit sehr dubiosem Hintergrund."
All das verstärke den Eindruck der Bevölkerung, dass "nicht wirklich im Interesse der Bevölkerung, sondern im Interesse eines Mannes, beziehungsweise der Privatinteressen von Wirtschaftstreibenden regiert wird".
... ist Politologe und Historiker. Er ist Professor für Geschichte und Politik Südosteuropas und leitet als Direktor das Zentrum für Südosteuropastudien an der Karl-Franzens-Universität.
In Albanien gehen die Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Rama weiter. Im Fokus steht das geplante Luxus-Bauvorhaben von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Trump.
14.06.2026 | 0:23 minAlbanische Bevölkerung strebt in Richtung der EU
Als potenziellen Verbündeten sehen die Menschen in Albanien die Europäische Union, so der Politikwissenschaftler. Es gebe die Hoffnung, dass Rechtsstaatlichkeit und Demokratie durch einen Beitritt gestärkt werden.
In Albanien ist die Zustimmungsrate für einen EU-Beitritt bei etwa 90 Prozent. Die Bevölkerung ist sich einig darin.
Florian Bieber, Politikwissenschaftler
Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Serbien und Montenegro bemühen sich um einen Beitritt zur Union.
04.06.2026 | 1:51 minPolitologe: "Bruchpunkt in der Geschichte Albaniens"
Der "Flamingo-Revolution" rechnet der Experte eine gute Wahrscheinlichkeit aus, das Luxus-Urlaubsresort der Trump-Familie zu verhindern: "Sie werden wahrscheinlich auch erfolgreich sein, was dieses konkrete Projekt angeht." Bei einem solchen Investitionsprojekt seien Geldgeber angesichts des großen Widerstandes tendenziell zurückhaltend. Anders sei es bei der Forderung nach einem Rücktritt des Ministerpräsidenten:
Sie fordern einen politischen Neuanfang im Land. Und das wird sehr viel schwieriger sein.
Florian Bieber, Politikwissenschaftler
Dafür brauche es auch neue politische Kräfte und eine ganz neue politische Dynamik. "Aber ich würde schon sagen, dass diese Proteste ein Bruchpunkt in der Geschichte Albaniens nach Ende des Kalten Krieges sind", so der Experte: "Und das wird sicherlich auch seine Wirkung haben, selbst wenn die Forderungen nicht alle in den kommenden Wochen und Monaten erfüllt werden."
Das Interview führte ZDFheute live-Moderator Christian Hoch, Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.
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