Hungerkrise in Afghanistan: Der tägliche Kampf ums Überleben

Hungerkrise in Afghanistan:Der tägliche Kampf ums Überleben

Dominik Lessmeister | ZDF-Korrespondent in Kiew

von Dominik Lessmeister, Kabul

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Hilfsorganisationen schlagen Alarm. Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban gerät die dramatische humanitäre Lage in Afghanistan zunehmend aus dem Blick der Öffentlichkeit.

Afghanistan, Kabul: Sharifa

Der Hunger in Afghanistan ist groß. "Wir haben sehr schwere Zeiten durchgemacht", berichtet die vierfache Mutter Sharifa.

Quelle: ZDF

Die Hungerkrise in Afghanistan nimmt nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen immer verheerendere Ausmaße an. Nach UN-Schätzungen leben rund 46 Millionen Menschen in dem Land. Rund 17,4 Millionen von ihnen leiden unter akutem Hunger. Das zeigen Zahlen der Deutschen Welthungerhilfe. Viele Länder haben ihre Hilfen für Afghanistan drastisch gekürzt.

Unter den Folgen leidet auch Sharifa: Die vierfache Mutter zeigt, was sie noch an Lebensmitteln hat. Es sind ein paar Kilo Nüsse. Mehr ist es nicht. Der Vorrat an Mehl, um Brot zu backen, ist längst aufgebraucht. Sharifa weiß heute nicht, wie sie ihre vier Kinder satt bekommen soll. "Wir haben kein Mehl oder Reis. Meistens gibt es bei uns nur Tee und Brot. Ein Abendessen gibt es überhaupt nicht", berichtet sie verzweifelt.

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Preise für Grundnahrungsmittel in Afghanistan gestiegen

"Uns stehen in diesem Jahr 85 Prozent weniger Mittel zur Verfügung, und wir haben größte Schwierigkeiten, selbst die am stärksten gefährdeten Menschen zu versorgen - jene, die so gut wie nichts besitzen und ohne internationale Hilfe schlichtweg nicht zurechtkommen würden", berichtet John Aylieff, der Landesvertreter des Welternährungsprogramms der UN für Afghanistan.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres musste das Welternährungsprogramm neun von zehn akut hungernden Menschen in diesem Land abweisen.

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Die Vorräte des Welternährungsprogramms gehen zurück, einige Lagerräume in Kabul sind bereits leer. Zwar gibt es in Afghanistan auf den Märkten Lebensmittel zu kaufen, doch vielen fehlt das Geld, sogar für einfache Dinge wie Brot. Handelsunterbrechungen infolge der Konflikte mit Pakistan und im Nahen Osten hätten zudem die Preise für Grundnahrungsmittel um 20 bis 30 Prozent in die Höhe getrieben.

Afghanistan, Kabul: Leeres Lager

Blick in ein leeres Lager: Die Vorräte des Welternährungsprogramms in Afghanistan schwinden.

Quelle: ZDF

Fast die Hälfte der Minderjährigen ist unterernährt

"Wir sehen viele Mütter, die ihre kleinen Kinder in die Gesundheitszentren bringen. Die Kinder sind bis auf die Knochen abgemagert. Ein hartes Leben. Zu Hause bekommen sie einfach nicht genug zu essen, und leider sind unsere Möglichkeiten, diesen Müttern und Kindern zu helfen, aufgrund drastischer Mittelkürzungen stark eingeschränkt", sagt John Aylieff.

Die Unterernährung habe ein bislang nicht dagewesenes Ausmaß erreicht, warnen die Vereinten Nationen. 47 Prozent der Minderjährigen seien im ersten Quartal dieses Jahres unterernährt gewesen.

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Krankheit verschärft die Existenznot

Für Sharifa und ihre Familie heißt das: Jeden Tag versuchen sie irgendwie, an Geld zu kommen. Der Vater und die Söhne versuchen sich als Tagelöhner, doch oft gibt es keine Arbeit. Hinzu kommt für die Familie, dass eine der Töchter krank ist. Die Familie muss für Medikamente selbst aufkommen.

Wir haben sehr schwere Zeiten durchgemacht. Ich gehe zu den Leuten nach Hause und wasche ihre Sachen. Ich sortiere Bohnen und Rosinen, um Geld für ihre Medikamente zu verdienen.

Sharifa

Gerade wenn ein Familienmitglied erkrankt ist, kann dies Familien in Ländern wie Afghanistan zusätzlich in Existenznöte bringen.

Afghanistan unter den Taliban weitgehend isoliert

Das Welternährungsprogramm hatte zu Beginn des Jahres 900 Millionen Dollar (rund 780 Millionen Euro) benötigt, bisher jedoch nur 130 Millionen Dollar erhalten. Nun braucht die Organisation eigenen Angaben zufolge weitere 540 Millionen Dollar, um die akute Ernährungsunsicherheit in Afghanistan in den nächsten sechs Monaten in den Griff zu bekommen.

Fünf Jahre nach der Machtübernahme haben die Taliban das Land international weitgehend isoliert. Mädchen dürfen nur bis zur sechsten Klasse in die Schule gehen. Frauen werden aus weiten Teilen des öffentlichen Lebens verdrängt. Die Taliban konnten die humanitäre und wirtschaftliche Lage nicht verbessern. Immer mehr Menschen in Afghanistan wissen nicht mehr, wie sie sich und ihre Familien ernähren sollen.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der heute-Sendung am 11.08.2026 um 19:09 Uhr.

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