Obduktion steht an:Kadaver von Buckelwal "Timmy" erfolgreich an Land gezogen
Woran starb Buckelwal "Timmy"? Darüber soll jetzt eine Obduktion Aufschluss geben. Vor der dänischen Insel Anholt gelang der zweite Versuch, den Kadaver an Land zu ziehen.
Der aufgeblähte Wal-Kadaver soll an Land gezogen werden.
Quelle: dpaBuckelwal "Timmy" ist wieder an Land: In einem Livestream der Agentur News5 war am Samstagmorgen zu sehen, wie drei Arbeiter dem Kadaver des Wals in der Nordsee vor der dänischen Insel Anholt ein Seil umbanden und ihn mit Hilfe einer Seilwinde an den Strand zogen. Die gesamte Aktion dauerte weniger als eine Stunde.
Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen begleitet in Dänemark seit 25 Jahren Wal-Obduktionen. Er hatte im Vorfeld mit einem starken Verwesungsgeruch gerechnet:
Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken. (...) Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist.
Peter Teglberg Madsen, Wal-Forscher
Außerdem bestehe Ansteckungsgefahr, weshalb an solchen Aktionen möglichst wenige Menschen beteiligt seien.
Die dänischen Behörden haben bestätigt, dass es sich bei dem toten Wal vor einer dänischen Insel um den Wal handelt, der wochenlang in der Ostsee gestrandet war.
16.05.2026 | 1:37 minErster Versuch gescheitert
Mehr als zwei Wochen lang trieb der Kadaver vor der Urlaubsinsel im flachen Wasser. Einmal hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn dann in einen Hafen zu bringen. Der Versuch scheiterte, nun soll das Tier direkt am Strand untersucht werden.
Es gehe vor allem darum, herauszufinden, woran es starb, sagte Madsen - "denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht".
Kann ein toter Wal giftig sein? Der Fall von Buckelwal Timmy vor Dänemarks Küste wirft genau diese Frage auf.
27.05.2026 | 1:18 minWal-Forscher: Rettungsversuch war "reine Tierquälerei"
Der Forscher nimmt derzeit an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte:
Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen.
Peter Teglberg Madsen, Wal-Forscher
Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert. "Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden - das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein." Die Aktion sei "reine Tierquälerei" gewesen.
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal war Anfang Mai nach mehreren Rettungsversuchen in der Nordsee angekommen.
02.05.2026 | 1:38 minDer Wal hatte an der deutschen Ostseeküste immer wieder Flachwasserbereiche aufgesucht - weitergezogen war er mehrfach erst, nachdem sich Menschen genähert hatten. Schließlich lag er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute und Institutionen hatte das Landesumweltministerium geduldet, dass eine private Initiative das Tier abtransportiert und in der Nordsee freisetzt.
Dänen verstehen Aufheben um "Promi-Wal" nicht
Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt mit nur etwa 130 Bewohnern wundern sich viele über das Vorgehen - und noch mehr über das große Interesse an dem "deutschen Promi-Wal", wie ihn hier einige nennen. "Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen", sagte die Dänin Susanna der Deutschen Presse-Agentur.
Für die Einheimischen bedeutet der Kadaver vor allem Ärger, zumal er am beliebtesten und zugänglichsten Strand der Insel liegt. "Wenn er liegenbleibt und noch stärker stinkt, wird das zum Problem für unsere Sommergäste und den Campingplatz", sagte Matthias Vanman, der mit seiner Bekannten Hanne Skov am Hafen in der Sonne saß. Skov verbringt seit über 30 Jahren den Sommer auf dem Campingplatz der Insel unweit vom Strand. Sie meint:
Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt.
Hanne Skov, Camperin auf Anholt
Spurensuche am Wal: Starb er durch Fischernetze?
Die Umweltbehörde warnt Badegäste davor, sich dem verwesenden Wal zu nähern. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Wenn die Arbeiten an dem Tier beginnen, soll der Strand abgesperrt werden. Tierärzte, Behördenvertreter und Experten werden zum Beispiel nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen.
Die meisten Nachbarländer von Deutschland scheinen mit Fällen wie dem gestrandeten Wal und der Debatte um seine Rettung anders umzugehen. Entsprechend fällt die Berichterstattung in Europa aus.
29.04.2026 | 2:06 min"Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt", sagte Wal-Forscher Madsen. Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen.
"Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen", sagte der Experte von der Uni Aarhus. "Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten."
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