Hohe Explosionsgefahr bei Buckelwal:"Timmy könnte mit einem großen Knall in die Luft fliegen"
Der tote Buckelwal "Timmy" an der dänischen Küste könnte laut Experten zur Gefahr werden: Durch Fäulnisgase baut sich im Kadaver immer mehr Druck auf - es droht eine Explosion.
Der tote Buckelwal liegt aufgebläht vor der dänischen Insel Anholt.
Quelle: dpaBei dem an der dänischen Küste liegenden toten Buckelwal besteht laut Experten zufolge inzwischen eine hohe Explosionsgefahr. "Der Druck im Innern baut sich immer weiter auf, und irgendwann könnte das Tier mit einem großen Knall in die Luft fliegen", sagt der Walforscher Fabian Ritter der dpa. "Eine solche Situation ist schon fast abzusehen."
Doch woher kommt die Explosionsgefahr? "Wenn ein Tier stirbt, beginnen sofort Verwesungsprozesse im Körper", erläutert die Biologin Anja Gallus vom Deutschen Meeresmuseum. Währenddessen vermehren sich Bakterien, und bei der Zersetzung des organischen Materials entstehen unter anderem Faulgase, die den Leib aufblähen. Normalerweise würden kalte Luft oder kaltes Wasser den Körper kühlen und die Bakterienbildung etwas eindämmen.
Die dänischen Behörden haben bestätigt, dass es sich bei dem toten Wal vor einer dänischen Insel um den Wal handelt, der wochenlang in der Ostsee gestrandet war.
16.05.2026 | 1:37 minExperte: Gefahr hätte verhindert werden können - jetzt zu riskant
Derartige Fälle seien laut Ritter bereits wiederholt dokumentiert worden - etwa als in Thailand ein Pottwal beim Transport zur Obduktion in einer Stadt explodiert sei.
In diesem Regen aus Blut, Partikeln und Fäulnisgasen möchte man nicht gestanden haben.
Fabian Ritter, Walforscher
Abwenden ließe sich eine solche Explosionsgefahr, wenn man den aufgeblähten Kadaver gezielt punktieren oder aufschneiden würde, meint der Meeresbiologe. Allerdings hätte ein solcher Eingriff früh erfolgen sollen, jetzt wäre er bereits riskant. Und wegen der dicken Haut und der darunterliegenden Speckschicht bräuchte man dazu gewöhnlich eine Lanze oder ein großes scharfes Messer.
"Timmys" Kehlsack ballonartig aufgebläht
Bilder von dem als "Timmy" bekannten Buckelwal zeigten jedoch, dass hier vor allem der Kehlsack ballonartig aufgebläht sei. Dessen Haut sei wie bei einer Ziehharmonika gefaltet und extrem elastisch und könne sich aufdehnen wie ein Ballon. "Das wäre wahrscheinlich die beste Stelle für einen gezielten Schnitt. Aber auch der wäre nicht ganz ungefährlich."
Möglicherweise, so Ritter, könnte sich die Lage auch ganz unspektakulär entspannen: In dem Gewebe könnte sich ein natürlicher Riss bilden, so dass die Gase ohne Explosion entweichen könnten.
Backhaus: Wal war "ein Jüngling, der sich verirrt hat"
Derweil hat Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) die umstrittene Rettungsaktion verteidigt und mit einer persönlichen Bindung begründet. "Ich habe verantwortungsbewusst gehandelt", sagte er dem "Stern" laut Meldung vom Samstag.
Was wir in Deutschland versucht haben, war einmalig: einen jungen Wal zu retten, ihm seine Freiheit zu schenken.
Till Backhaus (SPD), Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister
Er habe eine "emotionale Bindung zu dem Wal" gehabt, sagte Backhaus, er sei mehrfach bei ihm gewesen und habe ihm in die Augen geschaut.
Er war ein junger Wal, ein Jüngling, der sich verirrt hat. Er hatte Hilfe verdient. Er hatte sein Leben noch vor sich.
Till Backhaus (SPD), Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister
Zugleich habe er sich verantwortlich gefühlt, sagte der Minister: "Gucken Sie mal nach Schleswig-Holstein. Wer von der Regierung war denn da wie oft vor Ort? Wir als Landesregierung haben uns gekümmert. Ich habe mich gekümmert."
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