Experten skeptisch:Private Rettungsaktion für Buckelwal gestartet
Um den gestrandeten Wal in der Ostsee zu retten, ist eine riskante Aktion mit schwerem Gerät angelaufen. Experten rechnen jedoch nicht damit, dass das Tier Überlebenschancen hat.
Hoffnung für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal? Eine private Initiative will das Tier bergen. Verfolgen Sie den Rettungsversuch hier im Livestream.
16.04.2026Sechs Helfer nähern sich am Mittag im hüfttiefen Wasser dem bei Wismar gestrandeten Buckelwal. Sie spritzen zunächst mit den Händen Wasser auf das große Tier. Ehe sie sich wieder entfernen, legen sie ein Tuch auf den Wal, das allerdings nur einen kleinen Teil von ihm bedeckt - weitere Tücher werden folgen. Es sind die ersten Schritte einer privaten Rettungsaktion, die zahlreiche Menschen in Deutschland gebannt verfolgen.
Die Details der Pläne sind nicht öffentlich bekannt. Beim Verfolgen der Live-Streams aus großer Distanz bleiben manche Fragezeichen zurück, was die Helfer gerade genau dort machen. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hatten am Mittwoch eine private Rettungsmission genehmigt.
Eine private Initiative will den gestrandeten Buckelwal bergen und in die Nordsee bringen - der Rettungsversuch als 3D-Animation.
16.04.2026 | 0:26 minSchweres Gerät eingetroffen
Demnach soll versucht werden, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.
Das schwere Gerät für den wohl letzten Versuch zur Rettung des gestrandeten Buckelwals kommt um 13:30 Uhr an. Ein Konvoi von mehreren Lastwagen bringt riesige Pontons in den kleinen, von der Polizei gesperrten Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel. Von dort ist der Buckelwal in der Wismarer Bucht kaum noch mit bloßem Auge zu sehen. Aber er liegt dort schon den 17. Tag, schwer krank. Der Versuch, ihn lebend zu retten, ist ein komplexes und gewagtes Unterfangen.
Eine private Initiative hat die Erlaubnis erhalten, doch noch einen Rettungsversuch für den gestrandeten Wal in der Ostsee zu starten. Dabei soll der Wal bis in die Nordsee gezogen werden.
16.04.2026 | 1:25 minPrivate Initiative übernimmt Verantwortung
Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative, die für die Aktion laut Umweltministerium in Schwerin die Verantwortung trägt. Ohne diesen Versuch werde der Wal in jedem Fall sterben, sagte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet."
Hinter dem Konzept stehen neben Gunz die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist.
Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie.
Karin Walter-Mommert, Organisatorin der Rettungsaktion
Sie wüssten, dass der Rettungsversuch letal ausgehen könne. "Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Dann sei das die Natur. "Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen."
Eine Initiative privater Geldgeber will den Buckelwal vor der Insel Poel retten. Bei ZDFheute live erklärt ein Umweltsoziologe, warum das Schicksal des Wals so viele bewegt.
16.04.2026 | 11:42 minBereits am Morgen viele Zuschauer
Etwas näher und in Sichtweite des Wals, rund zwei Kilometer von Kirchdorf entfernt, haben am Kirchseeufer schon früh am Morgen die ersten Kamerateams Position bezogen. Am Anlieger in Kirchdorf, wo es Kaffee, Fischbrötchen und Backfisch gibt, verfolgen viele Menschen das Kommen und Gehen der Journalisten und Polizeiwagen.
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) kommt zweimal am Vormittag vorbei, um Fragen von Journalisten und Bürgern zu beantworten. Der Wal beschäftigt Backhaus seit Wochen. Dass es einen weiteren Rettungsversuch gebe, habe damit zu tun, dass erstmals ein geeignetes ernstzunehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe.
Zuvor sah alles danach aus, dass die Reise des Wals vor der Insel Poel enden würde. Experten hatten erklärt, dem kranken und geschwächten Tier könne nicht sinnvoll geholfen werden. Aber die Situation des Wals hatte zuletzt für starke Emotionen gesorgt. Von Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen Beteiligte war die Rede. Menschen protestierten vor Ort und drangen in einen Sperrbereich ein.
Eine private Initiative bereitet die Bergung des Wals vor. Der Transport soll mit einer Plane und Pontons erfolgen, berichtet ZDF-Reporterin Anne Stadtfeld.
16.04.2026 | 13:13 minExperten bleiben skeptisch
Der Meeresbiologe Boris Culik bewertet den aktuellen Rettungsversuch zwar zunächst als sehr vielversprechend. Dennoch sei es eine andere Frage, ob der Wal dies überlebe, sagte Culik. Denn das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibe bestehen. "Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?"
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich lieber nicht: "Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt", teilte eine Sprecherin auf dpa-Nachfrage mit. Auch eine internationale Walorganisation spricht sich für das Einschläfern des Tieres aus.
Der gestrandete Wal bewegt Menschen bundesweit. Trotz Sperrzone demonstrieren Hunderte für seine Rettung, doch Experten sehen keine Chance. Online eskalieren Emotionen, Fake-Infos und Drohungen.
15.04.2026 | 2:34 minMehr zum Wal
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