Grünes Licht für neues Rettungskonzept :Wal soll in Lastkahn durch Nord-Ostsee-Kanal
Für den vor Poel gestrandeten Buckelwal soll ein neuer Rettungsversuch gestartet werden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister duldet das Konzept eines Transports via Lastkahn.
Wie kann der gestrandete Wal gerettet werden? Jetzt hat ein neuer Plan das Go bekommen.
Quelle: dpaIn einer Art stählernem Aquarium soll der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal bis in die Nordsee oder gar bis in den Atlantik geschleppt werden. Dieses neue Konzept der privaten Initiative für einen Transport des Tiers hat nun das Go, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf sagte.
Das Konzept werde geduldet - die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative. Nach Eindruck der beteiligten Kleintierärztinnen sei das Tier transportfähig.
Seit Wochen wird versucht, den gestrandeten Wal zu retten - ohne Erfolg. Die Debatte eskaliert, auch in sozialen Medien. Tierschützer warnen: Die Maßnahmen könnten dem Tier mehr schaden.
24.04.2026 | 2:48 minKleintierärztin ist verantwortlich für Wal
Der Plan sieht vor, den zwölf Tonnen schweren Walbullen mit einer Art Lastkahn, einer sogenannten Barge, zu transportieren. Die an der Aktion beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies sagte, die Initiative gehe davon aus, dass der Transport des Wals mit dem Lastkahn zwischen Dienstag und Mittwoch starten könne.
Derzeit befindet sich die Barge noch nicht vor Poel. Backhaus sagte, es solle am Abend bekanntgegeben werden, wann sie ankommen werde.
Mit einem ähnlichen Kahn (links) könnte der Buckelwal transportiert werden.
Quelle: ImagoRinne soll weitgehend fertig sein
An der benötigten mehr als 100 Meter langen Rinne war bereits gebaggert worden. Sie soll weitgehend fertig sein, hieß es schon am Morgen aus dem Team. Der vier bis sechs Jahre alte Wal soll durch die Rinne auf den absenkbaren Kahn gelotst werden. Das stählerne Becken soll dann von einem Schlepper gezogen in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee starten. Tönnies betonte, das Team warte flehentlich auf die Barge. Das sei ein Riesenkahn.
Für ein Wildtier ist das schon ziemlich komfortabel im Rahmen unserer Möglichkeiten.
Kirsten Tönnies, Kleintierärztin
Tierschutzrechtliche Verantwortung für den Transport haben die beteiligten Kleintierärztinnen, wie Backhaus sagte.
Das Rettungskonzept für den Wal soll erneuert werden. Die Initiative arbeitet Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zufolge unter Hochdruck an dem Plan.
24.04.2026 | 4:33 minHoffen auf steigendes Wasser
Die Barge soll durch den - dafür nach Angaben von Backhaus gesperrten - Nord-Ostsee-Kanal (NOK) gezogen und dann mit dem Schlepper "Robin Hood" von Kiel nach Wismar gebracht werden. In der Werft in Wismar soll das Gefährt dann noch optimiert und mit Sand ausgelegt werden, um die Umgebung für den Wal angenehmer zu machen. Sollte der Wal wirklich in die Barge bewegt werden können, könnte erneut eine Fahrt durch den Kanal anstehen.
Backhaus wollte mit Blick auf die steigenden Wasserstände in der Kirchsee-Bucht nicht ausschließen, dass sich der Wal schon in den frühen Morgenstunden des Sonntags von sich aus auf den Weg macht.
Der gestrandete Buckelwal liegt noch immer in der für ihn künstlich geschaffenen Kuhle vor der Insel Poel. "Es gibt weiterhin Hoffnung für das Tier", so ZDF-Reporter Timm Kruse.
24.04.2026 | 1:52 minSollte der Wal allein wieder losschwimmen, soll ein bereits befestigter Tracker seine weitere Position zeigen. Allerdings gibt es dabei ein gravierendes Problem: Der Tracker funktioniere nicht unter Wasser, sagte Backhaus. Sollte der Wal also abtauchen oder ertrinkend auf den Grund sinken, wäre er wohl nicht mehr zu erfassen. An einer neuen Lösung werde gearbeitet, so der Minister.
Mehr als 50 Tage - davon deutlich mehr als die Hälfte auf Grund
Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf. In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er sie immer wieder gezielt aufgesucht haben könnte, weil er, schwer erkrankt, Ruhe suchte.
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