Europa trauert gemeinsam:Crans-Montana: Schweiz nimmt Abschied von 40 Toten
Nach dem Inferno von Crans-Montana gedenkt die Schweiz 40 Toten. Präsident Parmelin fordert lückenlose Aufklärung und Konsequenzen. Auch Ministerpräsident Kretschmann ist vor Ort.
Nach der tödlichen Brandkatastrophe in Crans-Montana hat die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der Opfer gedacht. Unterdessen wurde gegen den Barbetreiber U-Haft beantragt.
09.01.2026 | 2:55 minIn einer bewegenden Trauerfeier haben die Schweiz und andere Nationen der 40 Toten der Brandkatastrophe von Crans-Montana gedacht. Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin.
Zugleich forderte das Staatsoberhaupt eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien "ohne Verzögerung und ohne Nachsicht" aufzudecken.
Schweizer Präsident mahnt zu Verantwortung und mehr Sicherheit
"Undenkbar" - mit diesem Wort beschrieb Parmelin in seiner Rede das Inferno. "Undenkbar, weil ein Land, das sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt", sagte der Politiker. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.
Ob die Überlebenden wieder Hoffnung schöpften, hänge auch "von der Fähigkeit unseres Justizsystems ab, Versäumnisse ohne Verzögerungen und Nachsicht ans Licht zu bringen und zu bestrafen". Zugleich äußerte sich Parmelin "gerührt" über die landesweite und internationale Solidarität nach der folgenschweren "Horrornacht".
Nach dem Brand in einer Bar sind alle Opfer identifiziert. Es wurde Anklage gegen die Barbesitzer erhoben, Behörden sollen zudem die Sicherheit nicht ausreichend geprüft haben.
05.01.2026 | 1:53 minDie Trauerfeier fand nicht in Crans-Montana statt, weil der Nobel-Skiort nicht so viel Platz bietet und überdies wegen starken Schneefalls schwer zugänglich war. Für die Menschen dort wurden aber Leinwände aufgestellt, damit sie die Zeremonie live verfolgen konnten. Aus Deutschland war Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angereist. Elf Überlebende werden in deutschen Kliniken behandelt - unter anderem in Hospitälern in Baden-Württemberg.
Augenzeugen: "Bilder waren unerträglich"
Bei der Trauerfeier mit rund 1.000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. "Es war eine apokalyptische Szene", sagte eine junge Frau. "Die Bilder, die sich uns boten, waren unerträglich." Die drei gehörten zu den Menschen, die in einer Bar gegenüber vom Brandort gefeiert hatten.
In der Silvesternacht wurden bei dem Brand in der Bar "Le Constellation" 40 Menschen getötet. Knapp 120 wurden großteils schwer verletzt. Fast alle Todesopfer waren Teenager und junge Erwachsene - die jüngsten waren erst 14 Jahre alt.
Wie gehen die Angehörigen und die Menschen vor Ort mit dieser Tragödie um? Anna-Maria Schuck berichtet über die Stimmung.
02.01.2026 | 0:42 minBei dem Feuer, bei dem laut Ermittlern eine funkensprühende Partyfontäne eine Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar in Brand gesetzt hatte, wurden neben vielen Schweizern auch Dutzende Menschen aus den Nachbarländern Frankreich und Italien getötet und verletzt. Die Brandverletzten werden in mehreren europäischen Ländern behandelt, darunter auch elf in Deutschland, wie es von der deutschen Botschaft in Bern hieß.
Umfangreiche Ermittlungen
Unterdessen laufen die Ermittlungen, in deren Mittelpunkt Jessica und Jacques M., die Betreiber der Bar "Le Constellation", stehen. Am Freitag wurden die M.s erstmals offiziell als Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft befragt. Die Justiz untersucht, ob Sicherheitsbestimmungen in dem Lokal missachtet wurden.
Nach dem verheerenden Feuer in einer Bar in Crans-Montana stellen sich viele Fragen: Wie war die Bar aufgebaut und wie viele Fluchtwege gab es?
02.01.2026 | 0:17 minAuch die Behörden sind mit Vorwürfen konfrontiert. Denn die Gemeinde Crans-Montana hat eingeräumt, dass der Brandschutz der Bar jahrelang nicht kontrolliert worden war, obwohl jährliche Überprüfungen vorgeschrieben sind.
Appell der Jugend: Mehr Leben ins Leben
Die Tragödie nahmen die drei Augenzeugen zum Anlass für einen Appell speziell an die jungen Menschen. "Wir sind eine Generation, die in einer fragilen, manchmal harten, oft ungerechten Welt aufwächst", sagte einer der Jugendlichen. Aber trotz aller Zweifel und Ängste kämpfe die Generation um das, woran sie glaube. Und: "Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag." Denn wichtig sei, nicht unbedingt dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen.
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