Privilegien und Skandale:Wie die britische Monarchie unter Druck gerät
von Hilke Petersen, London
Ex-Prinz Andrew lebte lange auf Kosten der Krone. Und pflegte die Freundschaft zum Sexualstraftäter Epstein. Das und althergebrachte Privilegien schüren Wut gegen das Königshaus.
König Charles muss sich Vorwürfen stellen. Sein Bruder Andrew pflegte enge Kontakte zu Sexualstraftäter Epstein. Der Reichtum der Familie befeuert die Kritik.
05.02.2026 | 29:15 minIm Tower von London bunkern sie die britischen Kronjuwelen. Funkelnde Brillanten, unermesslich teure Edelsteine, die seit Jahrhunderten königliche Häupter und Hälse schmücken.
Die nationale Reichskrone schien den Aktivisten der Gruppe "Take back power" vor kurzem das richtige Ziel zu sein: Sie klatschten Apple Crumble mit Vanillesoße gegen die Vitrine. Und forderten im Handy-Video die Besteuerung der Reichsten im Land. Großbritannien sei "kaputt".
Premier Starmer machte Peter Mendelson trotz seiner Verbindungen zu Sexualstraftäter Epstein zum britischen Botschafter in den USA. Nun kamen neue Details ans Licht, der Druck auf Starmer wächst.
06.02.2026 | 2:16 minDie Verbindung von Andrew zu Epstein kommt noch dazu
Dass die königliche Familie von üblichen steuerlichen Regeln ausgenommen ist, befeuert schon lange den Unmut von Monarchie-Gegnern. Doch die britische Toleranz mit royalen Privilegien wirkt insgesamt überstrapaziert, seit wieder neue Enthüllungen über Andrews Verstrickungen mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein die Runde machen.
Epstein hatte Andrew offenbar weitere Frauenkontakte ermöglicht. Das geht aus jetzt veröffentlichten Dokumenten des US-Justizministeriums hervor. Auch, dass Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson den verurteilten Straftäter nach Geld und wirtschaftlichem Rat fragte.
Trotz Spekulationen um den Epstein-Skandal wird es gegen Prinz Andrew keine strafrechtlichen Ermittlungen geben. Die Londoner Polizei sieht keine Hinweise auf strafbares Verhalten.
14.12.2025 | 0:32 minAndrew Lownie hat über das Anspruchsdenken von Herzog und Herzogin von York ein ganzes Buch geschrieben.
Für die Yorks gibt es kein Zurück mehr. Sie sind am Ende. Und die Monarchie steht an einem Scheideweg. Sie kann sich entweder modernisieren - oder ihre übliche Geheimnistuerei beibehalten.
Andrew Lownie, Autor
Andrew, der "Spesenritter"
Welche Reisen Andrew als sogenannter Handelsbotschafter des Vereinigten Königreichs seit 2001 unternommen hatte, hat der Autor und ehemalige liberale Abgeordnete Norman Baker lange recherchiert. Sein Buch: "Royal Mint, National Debt", sinngemäß: Königliche Gelddruckerei versus Staatsverschuldung.
Andrew sei zehn Jahre lang wie ein Spesenritter durch die Welt gejettet, hatte auch in dieser Rolle mit Epstein kooperiert. Bakers Erkenntnisse: Andrew sei in hohem Maße auf persönliche Geschäftserfolge aus gewesen.
Doch königliches Finanzgebaren zu recherchieren, das gestaltet sich schwierig in Großbritannien. Anfragen nach dem Britischen Freedom of Information Act können nur an Behörden oder Ministerien, nicht aber an die Krone direkt gerichtet werden.
Royale Finanzen sind streng geheim
Informationen zu privaten Vermögen werden nicht beantwortet, da kann das öffentliche Interesse noch so groß sein. So gibt es lediglich Schätzungen zum Reichtum des Königs - 700 Millionen Euro, heißt es.
Es ist sehr schwierig, die Fakten über die königliche Familie offiziell zu ermitteln, da sie das weitgehend geheim halten. Es handelt sich jedenfalls um äußerst erfolgreiche Geschäfte, die Charles und William jedes Jahr Millionen-Einnahmen einbringen.
Norman Baker, Autor
Die Geschäfte von König und Thronfolger, die Baker meint, sind die Herzogtümer Lancaster und Cornwall: Hunderte Quadratkilometer Ländereien mit verpachteten Betrieben, riesigen Küstenstreifen, Immobilien.
Diese Güter werden bewirtschaftet wie Unternehmen, aber ausgenommen von Körperschaftssteuer und vielen verwaltungsrechtlichen Vorschriften.
Die Royals sollen freiwillig Einkommensteuer zahlen, heißt es, wieviel, sagen sie nicht. Die Millionen Pfund, die die Herzogtümer jährlich erwirtschaften, sind privates Einkommen.
Andrew Mountbatten-Windsor, einst Prinz Andrew, wurde nach seinen Verwicklungen in den Epstein-Fall von König Charles III. seiner Titel entzogen. Nun musste er aus der Royal Lodge ausziehen.
04.02.2026 | 2:51 minStaatliches Geld für die Krone
Was der royale Haushalt für seine öffentlichen Ausgaben und Pflichten ausgibt, ist das Geld des Steuerzahlers. Etwa für Reisen und Staatsbankette. Die jährliche Zuwendung nennt sich Souvereign Grant, abgezweigt aus dem sogenannten Crown Estate: Ein wertvolles Portfolio aus Ländereien und Immobilien in besten Lagen.
Derzeit erhält die Krone etwa 150 Millionen Euro, zwölf Prozent des Gewinns aus dem "Crown Estate". Obwohl der König bemüht ist, die Zahl der "working Royals" zu verringern und die Monarchie zu verschlanken, steigen die Zuwendungen seit Jahren. Autor Norman Baker würde sogar noch weitergehen.
Einfach verfahren wie in europäischen Königshäusern: Staatliche Gelder gehen an die Familien von König und Thronfolger. Alle anderen sollen sich einen Job suchen.
Norman Baker, Autor
Royale Profiteure wie Andrew schaden dem Ansehen der Monarchie. Intransparente Finanzen auch. Gut möglich, dass die Windsors in Zukunft zu mehr Rechenschaft gezwungen sein werden.
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