Ein Organ gegen Bezahlung:Deutsche Nierenpatientin steht vor Gericht
von Jörg Brase
Gegenüber frontal hatte Sabine Fischer-Kugler offen über ihre Nierentransplantation in Kenia gesprochen. Jetzt muss sie sich wegen Anstiftung zum Organhandel verantworten.
Eine Frau aus Bayern steht wegen der Anstiftung zum Organhandel vor Gericht. 2024 hatte sie sich eine Spenderniere in Kenia einsetzen lassen, vermittelt durch die Agentur Med-Lead.
22.06.2026 | 2:12 minSabine Fischer-Kugler drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Der Vorwurf gegen die 59-jährige Nierenpatientin wiegt schwer. Die ehemalige Versicherungsfachangestellte aus dem bayerischen Gunzenhausen soll zum Organhandel angestiftet haben. So lautet die Anklage des Amtsgerichts Weißenburg, wo heute der Prozess gegen sie beginnt.
Doch stimmt dieser Vorwurf? Vor gut einem Jahr hatte Sabine Fischer-Kugler ganz offen mit frontal und dem Spiegel über ihre Nierentransplantation in Kenia gesprochen - und über ihre Angst, in Deutschland nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zu bekommen. "Die Warteliste wird immer größer und die Wartezeit wird natürlich immer länger," erzählte sie uns damals. Es drohten viele Jahre des Wartens, "und dann hat man als Dialysepatient schon Angst, wird man das bis dahin überhaupt richtig gut erleben".
Firma bietet Organtransplantationen im Ausland an
Im Internet fand sie die Anzeige einer Firma namens MedLead. Die bot Organtransplantationen im Ausland an, angeblich ganz legal, im Einklang mit den deutschen Transplantationsgesetzen. "Mir war es wichtig, dass in dem Vertrag stand, dass ich untersagt bin, dem Spender Geld zu geben," sagt Fischer-Kugler, "weil das wäre natürlich der typische Organhandel. Du gibst mir deine Niere, dafür kriegst du von mir Geld".
Im Vertrag steht, dass ich das nicht darf, sondern dass alles über die Organisation geregelt wird.
Sabine Fischer-Kugler, Nierenpatientin
Es wirkt seriös und sei angeblich völlig legal: Im Internet bietet die Firma MedLead an, Organtransplantationen im Ausland zu vermitteln. Unter ihren Kunden sind auch deutsche Patienten.
15.04.2025 | 23:16 minFischer-Kugler zahlte der Vermittlungsagentur MedLead einen sechsstelligen Betrag, für Reisekosten nach Eldoret in Kenia, Unterbringung in einem 5-Sterne-Hotel, Dialysebehandlung, Operation, Nachsorgeuntersuchung. Ihren Spender, einen jungen Mann aus Aserbaidschan, traf sie nur kurz im Krankenhaus in Kenia. Sie habe mit ihrem Lebensgefährten kurz diskutiert, ob sie den jungen Mann näher kennenlernen sollte:
Da habe ich gesagt, weißt du was, da machen wir gar nichts. Da kommen wir in nichts hinein. Wir werden den wahrscheinlich nie mehr sehen.
Sabine Fischer-Kugler, Nierenpatientin
Lukratives Geschäft mit der Not von Patienten
Dass der Mann aus Aserbaidschan Geld für seine Nierenspende erhalten habe, so Fischer-Kugler, sei allen klar gewesen. Frontal hatte 2025 zu MedLead recherchiert, gegründet von einem Israeli, der seit Jahren Transplantationen organisiert. Ein lukratives Geschäft mit der Not von Patienten und der Armut von Spendern aus Ländern wie Kenia, Aserbaidschan, Indien.
Frontal hatte junge kenianische Männer getroffen, die eine ihrer Nieren für nur rund 2.000 Euro an das Krankenhaus in Eldoret verkauft hatten. Angeblich wurden dort die Organe afrikanischer Spender afrikanischen Kunden transplantiert. Weiße Kunden aus Europa, Israel oder den USA bekamen Organe von Spendern hauptsächlich aus Osteuropa.
Frontal berichtete über illegale Organtransplantationen im Ausland, vermittelt übers Internet. Jetzt wurde ein mutmaßliches Mitglied des Transplantationsnetzwerks in Russland festgenommen.
21.10.2025 | 1:58 minLiegt ein Fall von Organhandel vor?
Gegen den Firmengründer und seine Geschäftspartner laufen seit langem internationale Ermittlungen wegen Organhandels. Doch die Hintermänner solcher international agierender Netzwerke zu finden und vor Gericht zu bringen ist schwer. Stattdessen steht nun die MedLead-Kundin Sabine Fischer-Kugler in Deutschland vor Gericht, die damals durchaus schuldbewusst sagte:
Ich wollte halt diese Niere, und Hauptsache der Vertrag passt. Aber mir ist das klar. Ganz sauber ist das nicht.
Sabine Fischer-Kugler
Nun muss ein deutscher Richter entscheiden, ob der damals unterschriebene Vertrag tatsächlich "passt" oder ob ein Fall von Organhandel vorliegt. Und wenn ja, wer dazu angestiftet hat. Sabine Fischer-Kugler, die schwer kranke Nierenpatientin. Oder die Vermittlungsagentur, die vorgab, den sicheren Weg in ein neues Leben ohne Dialyse bereiten zu können.
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