Gericht sieht Organhandel:Niere in Kenia gekauft: Deutsche Patientin verurteilt
von Jörg Brase
Bei frontal hatte Sabine Fischer-Kugler offen über ihre Nierentransplantation in Kenia gesprochen. Jetzt wurde sie wegen Organhandels zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt.
Sabine Fischer-Kugler hat sich 2024 in Kenia eine Spenderniere einsetzen lassen – vermittelt durch die Agentur MedLead. Wegen Organhandel wurde sie zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt.
23.06.2026 | 2:38 minEs habe ihn an einen bayerischen Viehmarkt erinnert, sagte der Richter am Amtsgericht Weißenburg. Gemeint war der Vertrag, den Sabine Fischer-Kugler mit einer Vermittlungsagentur namens MedLead geschlossen hatte. Die 59-jährige Nierenpatientin hatte einen sechsstelligen Betrag für eine Nierentransplantation in Kenia gezahlt. Weil sie hätte wissen müssen, dass der Spender dafür Geld bekam, wertete das Gericht den Vertrag als Organhandel und verurteilte Fischer-Kugler an diesem Dienstag zu einer Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro.
Vor gut einem Jahr hatte Sabine Fischer-Kugler ganz offen mit ZDF frontal und dem "Spiegel" über ihre Transplantation in Kenia gesprochen - und über ihre Angst, in Deutschland nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zu bekommen. "Die Warteliste wird immer größer und die Wartezeit wird natürlich immer länger," erzählte sie uns damals. Es drohten viele Jahre des Wartens, "und dann hat man als Dialysepatient schon Angst: Wird man das bis dahin überhaupt richtig gut erleben".
Es wirkt seriös und sei angeblich völlig legal: Im Internet bietet die Firma MedLead an, Organtransplantationen im Ausland zu vermitteln. Unter ihren Kunden sind auch deutsche Patienten.
15.04.2025 | 23:16 minIm Internet fand sie die Anzeige einer Firma namens MedLead. Die bot Organtransplantationen im Ausland an, angeblich ganz legal, im Einklang mit den deutschen Transplantationsgesetzen. "Mir war es wichtig, dass in dem Vertrag stand, dass es mir untersagt sei, dem Spender Geld zu geben," sagt Fischer-Kugler, "weil das wäre natürlich der typische Organhandel. Du gibst mir deine Niere, dafür kriegst du von mir Geld. Im Vertrag steht, dass ich das nicht darf, sondern dass alles über die Organisation geregelt wird".
Keinen echten Kontakt mit dem Spender gehabt
Ihren Spender, einen jungen Mann aus Aserbaidschan, traf sie nur kurz im Krankenhaus in Kenia. Sie habe mit ihrem Lebensgefährten kurz diskutiert, ob sie den jungen Mann näher kennenlernen sollte: "Da habe ich gesagt, weißt du was, da machen wir gar nichts. Da kommen wir in nichts hinein. Wir werden den wahrscheinlich nie mehr sehen."
Im Vertrag wird behauptet, der Spender handle aus "altruistischen Motiven", erhalte kein Geld. Dass dies jedoch nicht stimmt, sagte Fischer-Kugler, sei allen klar gewesen.
Frontal berichtete über illegale Organtransplantationen im Ausland, vermittelt übers Internet. Vergangenes Jahr wurde ein mutmaßliches Mitglied des Transplantationsnetzwerks in Russland festgenommen.
21.10.2025 | 1:58 minZDF frontal hatte 2025 zu MedLead recherchiert, gegründet von einem Israeli, der seit Jahren Transplantationen organisiert. Ein lukratives Geschäft mit der Not von Patient*innen und der Armut von Spendern aus Ländern wie Kenia, Aserbaidschan, Indien. Frontal hatte junge kenianische Männer getroffen, die eine ihrer Nieren für nur rund 2.000 Euro an das Krankenhaus in Eldoret verkauft hatten. Angeblich wurden dort die Organe afrikanischer Spender afrikanischen Kunden transplantiert. Weiße KundInnen aus Europa, Israel oder den USA bekamen Organe von Spendern hauptsächlich aus Osteuropa.
Gegen den Firmengründer und seine Geschäftspartner laufen seit Langem internationale Ermittlungen wegen Organhandels. Doch die Hintermänner solcher international agierender Netzwerke zu finden und vor Gericht zu bringen ist schwer. Gegenüber frontal wies MeadLead jeden Vorwurf kategorisch zurück, in Organhandel verwickelt zu sein.
Wer eine neue Niere braucht, muss häufig lange warten. Dabei ist das Organ überlebenswichtig. Was macht das Finden einer passenden Ersatzniere so schwierig und worauf muss man achten?
05.06.2026 | 4:05 minStattdessen wurde nun die MedLead-Kundin Sabine Fischer-Kugler in Deutschland wegen Organhandels verurteilt. Eine milde Strafe zwar, doch für Fischer-Kuglers Anwalt, Mark-Alexander Grimme, nicht gerechtfertigt: "Ich habe eine kranke Frau vertreten, die hier vor Gericht stehen musste, weil sie ganz offen damit umgegangen ist. Weil sie den Kontakt zur Presse gesucht hat. Die keinen Vorsatz hatte. Sondern die tatsächlich daran geglaubt hat, ich mache hier nichts Unrechtes."
In ihrem Schlusswort plädierte Sabine Fischer-Kugler an die Politik. Sie fordert die Widerspruchslösung, damit jeder Organspender wird, der nicht ausdrücklich widerspricht. Dann gebe es mehr Spenderorgane. Dann müsse niemand ins Ausland reisen, um sich dort transplantieren zu lassen.
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