Wirtschaft und Spritpreis betroffen:Niedrigwasser im Rhein: Pegel teils weiter auf Tiefststand
Die Pegelstände im Rhein bleiben teilweise weiter auf niedrigstem Niveau. Wirtschaftsforscher sehen jetzt sogar das Wirtschaftswachstum gefährdert.
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft könnte Niedrigwasser auf deutschen Flüssen Transport und Produktion belasten. Am Donnerstag berät Bundesverkehrsminister Bilger über die Lage.
04.08.2026 | 0:26 minAufgrund anhaltender Hitze und Trockenheit haben die Pegelstände am Rhein an einigen Orten neue Tiefststände erreicht.
Am Pegel Kaub wurden Dienstagfrüh nur noch 24 Zentimeter gemessen, womit der bisher niedrigste bekannte Wasserstand im Jahr 2018 noch um einen Zentimeter unterschritten wurde, wie aus den von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes veröffentlichten Pegelwerten hervorging.
Auch in Köln und Duisburg-Ruhrort lagen die Rheinpegel am Dienstagmorgen unter den bisherigen Tiefstmarken. In Düsseldorf erreichte der Pegel das Niveau des bisherigen Tiefstpunktes von 2018. Den Vorhersagen zufolge könnten die Pegel am Rhein in den kommenden Tagen wegen ausbleibender Niederschläge noch weiter sinken. Auch in anderen Flüssen wie der Donau gibt es Niedrigwasser.
Verursacht wird das Niedrigwasser durch die lang anhaltende Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands. Auch einzelne Gewitter oder Unwetter ändern die Lage nicht wesentlich. Durch den fortschreitenden Klimawandel steigt laut wissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrscheinlichkeit solcher Extremwetterlagen.
Quelle: dpa
"Wenig Wasser bedeutet höhere Kosten", so ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller. Der historisch niedrige Pegelstand des Rheins gefährde die Lieferketten der Industrie.
03.08.2026 | 1:32 minNiedrigwasser "ungewöhnlich früh" im Jahr
Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurden die Niedrigwassermarken in vielen Gewässerabschnitten in diesem Jahr "ungewöhnlich früh" unterschritten. Generell ist die Fahrrinne beispielsweise im Rhein immer tiefer als der von Pegeln angezeigte Wasserstand, wie ein Sprecher der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Bingen sagte.
Der Nullpunkt der Skala an den meist jahrzehntealten und teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammenden Pegeln "liegt nicht dort, wo der niedrigste Punkt des Gewässers ist". Die Tiefe der Fahrrinne wird dem Sprecher zufolge auch aus anderen Werten berechnet und lag beispielsweise im Rhein bei Köln am Dienstag bei 180 Zentimetern.
IW: Wirtschaftswachstum durch Niedrigwasser in Gefahr
Allerdings können Binnenschiffe aufgrund des geringen Wasserstandes derzeit deutlich weniger Ladung transportieren oder müssen ganz darauf verzichten. Die niedrigen Pegelstände erhöhen somit die Transportkosten für die Wirtschaft und belasten vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind.
Mit nur noch 67 Zentimetern hatte der Rheinpegel in Köln am Wochenende einen neuen Tiefststand erreicht. Der bisherige Rekordwert lag im Jahr 2018 zwei Zentimeter höher.
02.08.2026 | 0:40 minNach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnte das Niedrigwasser sogar das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr zunichte machen. Ein "längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken", sagte IW-Ökonom Thilo Schäfer der "Bild"-Zeitung. Demnach könnte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wegen des Niedrigwassers um 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen als bisher erwartet.
Niedrigwasser hat Auswirkungen auf Tourismus und Spritpreise
Neben den Frachtschiffen machen die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände auf dem Rhein auch dem Tourismus und der Fahrgastschifffahrt zu schaffen. Zahlreiche Fahrten mussten nach Angaben der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH abgesagt werden, einzelne Landungsbrücken am Rhein können von bestimmten Schiffen vorerst nicht angesteuert werden.
Die Fähre zwischen Bonn-Bad Godesberg und Niederdollendorf-Königswinter fährt nicht mehr. Grund dafür ist das Niedrigwasser im Rhein. Normalerweise nutzen am Tag rund 3.000 Autos die Rheinfähre.
03.08.2026 | 1:32 minNach Angaben des Bundeskartellamts führt das Niedrigwasser des Rheins auch zu deutlichen regionalen Preisunterschieden beim Spritpreis. An den Tankstellen betrugen die regionalen Preisdifferenzen im Juli im Schnitt bei E5 bis zu elf Cent pro Liter und bei Diesel bis zu zehn Cent, wie die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe der Behörde am Dienstag in Bonn mitteilte. Dieses "Nord-Süd-Gefälle" dürfte "insbesondere aus unterschiedlichen Kraftstoff-Beschaffungskosten resultieren".
Verkehrsminister beruft Fachkonferenz ein
Angesichts der Situation am Rhein hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für Donnerstag eine Fachkonferenz in Bonn einberufen. Dabei soll über mögliche Maßnahmen zur Bewältigung der Situation beraten werden.
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