Flutkatastrophe im Himalaya:Drei vermisste Deutsche in Tibet - neue Warnungen
Nach der tödlichen Flutkatastrophe im Himalaya gelten drei Deutsche als vermisst. Nepals Katastrophenschutz mahnt, sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten.
Während die Angehörigen von Vermissten in Nepal auf ein Lebenszeichen warten, arbeiten die Einsatzkräfte weiter. Nun fordern Experten bessere Flutwarnungen.
30.08.2026 | 2:33 minErstmals seit der Flutkatastrophe im Himalaya-Gebirge im Grenzgebiet zu Nepal haben chinesische Behörden Details zu den auf ihrer Seite vermissten Ausländern bekanntgegeben. Unter den 261 Vermissten seien auch drei Deutsche, teilten Vertreter der Autonomen Region Tibet mit.
Hunderte Tote und Tausende Vermisste
Die Zahl der Toten steigt unterdessen unaufhörlich. In Nepal wurden nach jüngsten Angaben der Polizei 788 Leichen entdeckt. Die Katastrophenschutzbehörde sprach von 781 Toten.
China gab die Zahl der Toten in Tibet weiter mit 16 an, womit die Gesamtzahl auf bis zu 800 Todesopfer anstieg. Mehr als 3.000 Menschen werden auf beiden Seiten insgesamt noch vermisst, darunter Hunderte Ausländer.
Nach der Sturzflut im Himalaya warnt Geomorphologe Prof. Dr. Nils Hovius vor weiteren Ereignissen. Der Klimawandel mache die Bergregion "immer instabiler".
30.08.2026 | 5:33 minVermisste Deutsche: Unklarheit über weitere Details
Ob sich die Zahl der vermissten Deutschen im Katastrophengebiet in Nepal und Tibet im Zuge der jüngsten Angaben aus China insgesamt erhöht hat oder ob es Dopplungen bei den Angaben der Behörden beider Seiten gibt, war zunächst unklar. Unter anderem befand sich eine Reisegruppe mit einem nepalesischen Veranstalter am Unglückstag noch in Tibet, um den Grenzübergang Gyirong zurück nach Nepal zu überqueren, wie ein Reiseveranstalter auf Anfrage gesagt hatte.
Das Auswärtige Amt hatte bislang von einer hohen einstelligen Zahl an vermissten Deutschen in der Region gesprochen. In Nepal galten noch acht Deutsche als vermisst, wie Nepals Tourismusbehörde kurz nach der Flutkatastrophe mitgeteilt hatte.
Am dritten Tag nach der Flutkatastrophe im Himalaya ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Die Rettungsarbeiten gestalten sich wegen des vielen Schlamms schwierig.
29.08.2026 | 2:14 minDie in Tibet vermissten Ausländer stammten aus insgesamt 23 Ländern, die meisten aus Nepal, wie die Behördenvertreter sagten. Weitere Vermisste kamen unter anderem aus den USA (18), Großbritannien (15) und einzelne jeweils aus Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden.
Ein geistesgegenwärtiger Schulleiter in Nepal hat durch eine sofortige Evakuierung rund 900 Schülerinnen und Schülern das Leben gerettet. Zudem konnte er Schulbusse mit Hunderten weiteren Kindern auf dem Weg zur Schule rechtzeitig umdirigieren. "Ich erfuhr durch Anrufe von der Flutwelle etwa 15 Minuten, bevor sie unsere Schule tatsächlich traf", sagte Rajenda Dawadi, Leiter der Sekundarschule in dem Ort Trishuli Baraar der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hatten die BBC und die britische Zeitung "Daily Mail" von der Rettung berichtet.
Die 900 Kinder in der Schule flüchteten demnach zu Fuß und einige mit einem Bus. Kurzzeitig sei Panik ausgebrochen. Eine in Ohnmacht gefallene Schülerin wurde mit einem Moped in Sicherheit gebracht. "Hätten wir die Entscheidung zur Flucht zehn Minuten später getroffen, könnten wir alle - einschließlich der Schüler und mir - heute nicht mehr mit Ihnen sprechen", zitierte die BBC den Schulleiter.
Quelle: dpa
Situation vor Ort noch immer angespannt
Die Lage in der Krisenregion bleibt am vierten Tag nach dem Unglück angespannt. Am Morgen (Ortszeit) warnte der nepalesische Katastrophenschutz die Menschen in den Regionen Rasuwa, Nuwakot und Dhading vor einer möglichen Flut im Fluss Bhotekoshi. Die Menschen wurden aufgerufen, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten.
Ein Augenzeuge berichtete, dass in der Region Battar im Bezirk Nuwakot viele Menschen die Berge hinaufliefen, um an sichere Orte zu gelangen. Die Geröll- und Schlammmassen am Mittwoch hatten sich auch durch den Bhotekoshi ihren Weg gebahnt und weitreichende Zerstörung angerichtet.
Die Bergungsarbeiten nach der Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China gestalten sich schwierig. ZDF-Korrespondent Dara Hassanzadeh berichtet aus Kathmandu.
29.08.2026 | 1:19 minAuch China geht von Gletscherabbruch aus
Als Auslöser der Sturzflut hielten Experten bislang einen Abbruch an einem Gletscher für wahrscheinlich. Chinas Behörden stellten nun fest, dass am vergangenen Mittwoch um 10:52 Uhr (Ortszeit / 4:52 Uhr MESZ) auf nepalesischem Gebiet am Südhang des Gipfels Langtang Lirung Eis und Gestein in rund 5.200 Meter Höhe abgebrochen waren.
Unter Berufung auf Ergebnisse von Experten des Bergforschungsinstituts in Chengdu stürzten die Gesteinsmassen bis auf etwa 4.000 Meter Höhe ab und lösten eine Lawine aus. Zwischen dem Abbruch und dem Auftreffen der Lawine am Grenzübergang Gyirong in Tibet vergingen den Angaben zufolge zwischen sechs und sieben Minuten. Die Sturzflut habe 27 Gebäude dem Erdboden gleich gemacht, hieß es weiter. Die Behördenvertreter verwiesen auf die Instabilität der Gletscher als langfristige Folge der Klimaerwärmung.
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