Nach Einschlag in Koblenz:Jagd auf Meteoritenteile: "Ich habe vielleicht 20 Gramm"
Der Meteoriteneinschlag in Koblenz hat auch Hobby-Forscher mobilisiert. Ein Meteoritenjäger reiste eilig an, um seltene Fragmente des Himmelskörpers zu finden.
Vor allem in Westdeutschland konnten am Sonntagabend viele Menschen einen Meteor beobachten. Teile davon sind in ein Haus eingeschlagen.
09.03.2026 | 1:27 minEinschläge von Meteoriten wie in Koblenz am Sonntagabend beschäftigen nicht nur Wissenschaftler - auch eine weltweite Gemeinschaft von Meteoritenjägern fiebert dem seltenen Phänomen entgegen. In aller Eile brechen diese Begeisterten zu teils langen Reisen zum Ort des Einschlags auf.
In Koblenz etwa gehörte der Franzose Thierry Monter aus der Grenzstadt Thionville zu den Ersten, die sich noch im Dunkeln auf Spurensuche machten. "Zunächst einmal hat man als Meteoritenjäger ein Netzwerk, das man sich über die Jahre aufgebaut hat", erzählt er.
Man hat viele Kontakte, sowohl zu Freunden, anderen Meteoritenjägern als auch zu Wissenschaftlern, Enthusiasten und vielen anderen Menschen.
Thierry Monter, Hobby-Meteoritenjäger
Mindestens drei oder vier Nachrichten habe er zu dem Einschlag in Koblenz erhalten, nur zwei, drei Stunden Fahrzeit entfernt. "Also bin ich in mein Auto gesprungen und kam gegen zwei oder drei Uhr morgens an."
Bei der Polizei seien rund 50 Anrufe wegen des eingeschlagenen Meteoriten eingegangen, sagt ZDF-Reporter Christopher Heinze. Zahlreiche Einsatzkräfte seien am Einschlagsort gewesen.
09.03.2026 | 3:50 minKoblenz: Nächtliche Suche nach Meteoritenteilen am Einschlagsort
Normalerweise starte er vor Ort mit einer Erkundung, das sei eine langwierige Arbeit. "Ich hatte zumindest den Namen der Straße. Also bin ich die ganze Straße abgelaufen und habe mich nach beiden Seiten umgesehen, um zu sehen, ob ich Spuren von zerbrochenen Dachziegeln finden und das Haus identifizieren konnte."
Oft sammelten Feuerwehrleute, Polizisten und Privatleute Meteoritenteile ein, übersähen aber immer etwas, sagt Monter. "Es bleiben Fragmente zurück, es bleiben Teile zurück." Deshalb müsse man schnell sein, ehe Menschen unbedarft auf die Reste des Meteoriten treten und diese beschädigen.
Eine Nachbarin im Stadtteil Güls habe ihm netterweise den Zugang zu einem Hinterhof ermöglicht, um dort nach Fragmenten des Meteoriten zu suchen.
Ich habe wirklich so schnell wie möglich alles gesammelt, was ich konnte, um zu verhindern, dass sie zerstört werden.
Thierry Monter, Hobby-Meteoritenjäger
Meistens machten Meteoritenjäger eine quasi-wissenschaftliche Bestandsaufnahme vor Ort einschließlich Fotos, im Hinterhof aber habe es großes Gedränge und einen Auflauf von Journalisten gegeben, erzählt der Franzose.
Der in Koblenz eingeschlagene Meteorit sei "Urmaterie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems", sagt Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg.
09.03.2026 | 11:42 minWertvolle Fundstücke in Dosen
Seine Fundstücke habe Monter schnell in kleine, geschützte Dosen gepackt. "Es sind sehr, sehr kleine Fragmente. Ich hatte keine Zeit, sie zu wiegen oder irgendetwas zu überprüfen, aber ich habe vielleicht 20 Gramm." Das sei wirklich sehr wenig, aber das mache nichts. "Das macht nichts. Ich bin sehr, sehr glücklich. Es ist ein sehr schöner Meteorit." Gut sei, dass es keinen Regen gegeben habe, der die Fragmente habe in Mitleidenschaft ziehen können.
Mit der Sicherstellung der Teile ist der Einsatz für den Meteoritenjäger aber längst noch nicht zu Ende.
Jetzt werde ich zwei Wochen lang weiter suchen. Und alle Untersuchungen und so weiter führe ich nach meiner Rückkehr zu Hause durch.
Thierry Monter, Hobby-Meteoritenjäger
Dass der 62-Jährige sein Hobby, dem er seit zehn Jahren nachgeht, so spontan mit seinem Beruf vereinbaren kann, ist nur möglich, weil er selbstständig ist. "Ich bin Grafikdesigner. Ich habe meine eigene kleine Kommunikations- und Designagentur und bin selbstständig, ein sogenannter Freiberufler."
Polizei: Elf Gesteinteile gefunden
Inzwischen sind offiziell insgesamt elf Gesteinsteile gefunden worden. Neben dem größten Stein, etwa so groß wie ein Tennisball, seien noch zehn weitere Fragmente in und am Wohnanwesen entdeckt worden, teilte die Polizei in Koblenz mit. Sie hätten ein Gewicht von sechs bis 161 Gramm.
"Laienhaft betrachtet handelt es sich um "Gestein"", teilte die Polizei mit. Eine genauere Einordnung könne nur durch einen Sachverständigen erfolgen. Die Polizei teilte mit, sie suche nicht aktiv nach weiteren Gesteinsteilen.
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