Doku zur Fußball-WM 1990 in Italien:Lothar Matthäus: "Jeder hat seine Rolle akzeptiert“
Die Fußballweltmeisterschaft 1990 kommt als Doku noch mal in die Kinos. Rekordnationalspieler und Weltmeister Lothar Matthäus blickt wehmütig auf den WM-Sommer in Italien zurück.
Die Dokumentation "Ein Sommer in Italien" blickt auf die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 zurück, bei der Deutschland den Titel holte. Unter anderem mit dabei sind Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Rudi Völler.
16.03.2026 | 1:19 minDie Weltmeisterschaft 1990 in Italien steht für viele für einen unvergessenen Sommer. Voller Nostalgie erinnert sich Lothar Matthäus an ein Turnier, das geprägt war von einem besonderen Teamgeist - und blickt auch mit Wehmut auf prägende Weggefährten zurück. Im ZDFheute-Interview beschreibt Matthäus die besondere Atmosphäre in der Mannschaft - sportlich wie emotional.
ZDFheute: Was ist Ihnen von der WM 1990 besonders in Erinnerung geblieben?
Lothar Matthäus: Das war eine wunderschöne Weltmeisterschaft. Wir waren erfolgreich, wir waren harmonisch, es war einfach ein tolles Miteinander. Ich war sogar ein bisschen überrascht, dass wir uns in sieben Spielen immer als Heimmannschaft fühlen durften, weil wir so viel Unterstützung hatten. Wir haben eine Verpflichtung gespürt gegenüber den Leuten, die nach Italien gekommen sind, und auch denen, die uns zu Hause die Daumen gedrückt haben.
Ich glaube, wir haben Fußball-Deutschland stolz gemacht, nicht nur, weil wir den Titel gewonnen haben, sondern auch mit der Art und Weise, mit der wir da aufgetreten sind.
Die Doku zeigt Deutschlands emotionalen WM‑Triumph 1990 in Italien: legendäre Spiele, Teamgeist und Aufbruchstimmung kurz vor der Wiedervereinigung.
16.03.2026 | 0:54 minZDFheute: Was hat diese Mannschaft so besonders gemacht?
Matthäus: Ganz klar: Wir waren alle in einem Boot und alle sind in die gleiche Richtung. Bei vorherigen Turnieren, da hat jeder mehr an sich gedacht. Und Franz Beckenbauer hat das Team richtig zusammengestellt. Vielleicht waren gar nicht die 22 besten Spieler dabei, aber wir haben einfach vom Charakter so gut zusammengepasst. Es gab wenige Nebenschauplätze.
Jeder hat seine Rolle akzeptiert und seinen Teil beigetragen.
ZDFheute: Welche Geheimnisse aus diesem Sommer in Italien kennen die Fans und die Öffentlichkeit bislang noch nicht?
Matthäus: Alles, was damals in Italien passiert ist, war erlaubt vom Trainer. Und die Spieler haben diese Linie nicht überschritten. Wenn um elf Uhr jeder zu Hause sein sollte, dann hat das keiner ausgenutzt. Das war bei Turnieren vorher anders. Wir aber hatten Vertrauen zueinander - und deswegen war es eine Weltmeisterschaft, bei der alles funktioniert hat und die meines Erachtens nicht zu toppen ist.
ZDFheute: Sie haben enge Weggefährten von damals verloren. Was macht das mit Ihnen?
Matthäus: Das macht mich natürlich wahnsinnig traurig. Und nicht nur mich, ich glaube alle, die dabei waren in Fußball-Deutschland, hätten gerne Franz und Andi Brehme und auch Frank Mill noch unter uns. Alle drei waren für mich unheimlich wichtig, nicht nur bei der Weltmeisterschaft. Franz ist wie ein zweiter Vater zu mir gewesen.
Ich habe von ihm nicht nur Streicheleinheiten bekommen, sondern auch harte Worte. Aber er hatte eigentlich meistens recht, wenn nicht sogar immer.
Und Andi war nicht nur ein Freund oder ein Kollege für mich, er war wie ein Bruder. Bei unserem gemeinsamen größten Erfolg sieben Wochen auf einem Doppelzimmer zu schlafen, da bist du vereint miteinander.
Der frühere Fußballer Frank Mill ist tot. Er starb an den Folgen eines Herzinfarkts. 1990 holte Mill mit der DFB-Elf den WM-Titel. Mill wurde 67 Jahre alt.
05.08.2025 | 0:27 minDas hat uns bis zu seinem Tod verbunden. Und so fühle ich das bis heute.
Andreas Brehme und Lothar Matthäus strecken am 8. Juli den Weltmeisterpokal in die Höhe, nach einem 1:0 gegen Argentinien.
Quelle: IMAGO / Sportfoto RudelZDFheute: Eine Schlüsselszene war der Elfmeter im Finale. Wie erinnern Sie sich daran?
Matthäus: Mir ist in der ersten Halbzeit ein Schuh kaputt gegangen. Deshalb habe ich in der Halbzeitpause neue Schuhe angezogen. Aber die waren eine Größe größer. Ich dachte mir, du fühlst dich ja gar nicht sicher, du hast neue Schuhe an.
Und Andi Brehme wusste natürlich Bescheid. Nachdem er den Elfmeter verwandelt hat, war das rückblickend die beste und wichtigste Entscheidung in meiner Karriere, weil wir Weltmeister geworden sind. Und das zeigt auch: Keiner hat an sich gedacht, wir haben uns alle gemeinsam gefreut - dieser Zusammenhalt hat uns als Mannschaft geprägt und erfolgreich gemacht.
Elfmeterschütze Andreas Brehme und Stürmer Jürgen Klinsmann jubeln im WM-Finale 1990.
Quelle: dpaMatthäus: Ich zähle die deutsche Mannschaft im Endeffekt zum erweiterten Favoritenkreis.
Ich würde sagen, Deutschland kommt ins Halbfinale.
Und wer im Halbfinale ist, darf vom Finale träumen und wer im Finale steht, der darf auch vom Titel träumen. Es ist ein langer und ein schwieriger Weg. Aber Träume können wahr werden.
Das Interview führte Moritz Neuß aus dem ZDF-Landesstudio Bayern.
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