Über Social Media: Wie Kinder für Straftaten rekrutiert werden

Verbrechen auf Bestellung:Wie Kinder für Straftaten rekrutiert werden

von Karolin Huhn und Christian Weber

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Ein Taschengeld für Botengänge im Drogenmilieu, 1.500 Euro für einen Auftragsmord: Kriminelle rekrutieren gezielt Minderjährige über Social Media. Wie groß ist das Problem?

Junger Mensch mit Hoodie und Kappe zielt mit einer Pistole. Im Hintergrund Chat-Nachricht mit Emojis.

Ein 15-Jähriger soll für 1.500 Euro einen Mordauftrag übernommen haben. Die ZDF-Recherche zeigt: Kriminelle rekrutieren über die sozialen Medien zunehmend Minderjährige für Straftaten.

27.05.2026 | 28:29 min

Frankfurt am 5. August 2025. Ein 15-jähriger Niederländer zündet eine Kugelbombe in einem Café. Einen Tag später wird der Minderjährige festgenommen. Es stellt sich heraus, dass er gezielt über die sozialen Netzwerke angeworben wurde. Die Belohnung: 1.500 Euro.

270.000 Tatverdächtige unter 18 Jahren

Die Tat ist kein Einzelfall. Rund 270.000 minderjährige Tatverdächtige unter 18 Jahren registrierte das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr. "Wir haben allein in Schweden über 550 Straftaten, die wir diesem Phänomenbereich zuordnen. In Deutschland hat das noch nicht die Dimension, aber wir sehen hier eine Zunahme von Fällen", sagt Jan Engels, Kriminalhauptkommissar des Bundeskriminalamts.

Wer hinter der Rekrutierung steckt, ist nicht leicht herauszufinden. Streetworker Kevin Petersen aus Husum hört seit anderthalb Jahren immer häufiger von solchen Fällen. Er arbeitet bei der Diakonie und weiß, warum sich Jugendliche auf das gefährliche Spiel einlassen: Als Belohnung winkten "Freundschaft, Geld, Sachgegenstände". Der Sozialarbeiter weiß auch, wo die Anwerbung hauptsächlich stattfindet: "Über TikTok oder Instagram".

Jochen Breyer steht neben einer futuristisch gekleideten Frau. Im Hintergrund zeigt eine projizierte Hand auf den Zuschauer.

Likes, Wut und Milliardenprofite: Jochen Breyer blickt hinter die Macht der Algorithmen und zeigt, wie Social Media Politik, Kinder und Gesellschaft beeinflusst.

26.05.2026 | 43:46 min

Geld für Straftaten statt Nebenjobs

Die ZDF-Reporter von "Die Spur" starten ein Experiment: Gemeinsam mit dem Cybersecurity-Experten Timo Stark werden Fake-Profile auf Snapchat, Instagram und TikTok erstellt. Fiktiv macht sich ein 14-Jähriger aus Berlin auf die Suche nach einem Nebenjob.

Stark ist seit mehr als 20 Jahren auf digitale Forensik und die Analyse illegaler Online-Strukturen spezialisiert. Mit #geldverdienen, #taschengeld, #schnellesgeld kommen schnell Kontakte zustande. Die Kommunikation verlagert sich rasch in verschlüsselte Messengerdienste wie Telegram. Nach nur einer Stunde erhält das Team den ersten Auftrag: 80 bis 100 Euro für die Nutzung des eigenen Bankkontos für mutmaßlich illegale Transfers.

Eine Person tippt mit behandschuhten Händen auf einer beleuchteten Laptop-Tastatur.

Cyberkriminalität bleibt in Deutschland ein Problem. Laut Umfrage war in den vergangenen zwölf Monaten mehr als jeder zehnte Deutsche mindestens einmal betroffen.

11.05.2026 | 0:14 min

Vom Taschengeld zum größeren Geschäft

Stark weiß, wie solche Anwerbungen funktionieren:

Ich muss diverse Aufträge abgeschlossen haben, nur dann kriege ich größere Aufträge. Das ist wie in einem Computerspiel.

Timo Stark, Cybersecurity-Experte

Für das ZDF-Team heißt das konkret: Game over, denn es geht um echte Straftaten.

Bei der Recherche taucht aber auch ein Gewaltvideo auf, in dem ein Minderjähriger von mutmaßlich anderen Jugendlichen misshandelt wird. Kommentare geben einen Hinweis darauf, dass Rekrutierung hier ebenfalls eine Rolle spielt. Eine Netzwerkanalyse auf Instagram und Snapchat führt schließlich zu einem auffälligen Profil: Ein Nutzer präsentiert sich offen mit Bargeld, Drogen und Waffen.

Junge - von hinten zu sehen -  mit Kopfhörer am Computer

Über Soziale Medien ist es einfach, Videos und Foren extremistischer Gruppen zu finden, einmal angeklickt, servieren Algorithmen immer wieder ähnliche Inhalte.

18.02.2025 | 27:52 min

Insider: "Wir handeln mit Drogen, mit Waffen"

Der Insider berichtet in einem verdeckt geführten Interview: "Wir handeln mit Drogen, wir handeln mit Waffen." Der nach eigenen Angaben 19-Jährige behauptet, Gründer einer kriminellen Gruppierung mit über 60 Mitgliedern zu sein. Vor der Kamera gibt er zu, Jugendliche unter 18 Jahren für Straftaten zu rekrutieren. Der Strafverfolgung habe er sich nach eigenen Angaben immer wieder durch Flucht entzogen.

Bei uns ist einer drin, der ist zwölf.

Insider der Szene

Klar ist: Gegen ihn wurde wegen Drogenbesitz und Körperverletzung wiederholt ermittelt - mittlerweile sitzt er in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Rekrutierer gibt tiefe Einblicke: 5.000 Euro für einen Auftragsmord und ein System, in dem Minderjährige sich durch immer schwerere Straftaten "hocharbeiten".

Er beschreibt ein hierarchisches arbeitsteiliges Netzwerk, das sich bis in die Niederlande und nach Polen erstreckt - die Drahtzieher bleiben dabei im Dunklen.

White Tiger: Der Abgrund

Die Gefahr ist direkt im Kinderzimmer, ohne dass Eltern sie erkennen: Täter nutzen Games, Chats und soziale Netzwerke, um Kinder in Abhängigkeit zu ziehen.

24.04.2026 | 30:49 min

BKA: Mehr als 820 Netzwerke aktiv

Jan Engels von der SOKO "Grimm" im Bundeskriminalamt bestätigt internationale Strukturen hinter der Online-Rekrutierung:

Entscheidend ist, dass der Auftraggeber selbst gar nicht in Erscheinung tritt und letzten Endes der, der die Tat ausführt, gar nicht weiß, wer der Auftraggeber ist.

Jan Engels, BKA

Wie groß das Problem der Rekrutierung Minderjähriger in Deutschland ist, lässt sich schwer beziffern. Studien von Europol und Interpol zufolge soll es in Europa mehr als 820 Netzwerke schwerer und organisierter Kriminalität geben. Opfer sind Jugendliche, die sich für vermeintlich harmlose Jobs anwerben lassen und so in Strukturen organisierter Kriminalität geraten.

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Über dieses Thema berichtet die ZDF-Reihe "Die Spur" am 27.05.2026 ab 22:45 Uhr

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