Taucher in Kroatien verhaftet:Was über den Nord-Stream-Verdächtigen Zhuravlev bekannt ist
von Nils Metzger, Christian Rohde
Ein Verdächtiger hinter der Nord-Stream-Sabotage wurde in Kroatien verhaftet. Er steht seit Jahren im Ermittler-Fokus. Dem Taucher droht nun die Auslieferung nach Deutschland.
Nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines ist in Kroatien ein zweiter Verdächtiger festgenommen worden. Laut Bundesanwaltschaft handelt es sich um einen ukrainischen Taucher.
19.08.2026 | 0:23 minDer in Kroatien festgenommene mutmaßliche Nord-Stream-Taucher ist kein Unbekannter. Schon einmal saß er wegen Vorwürfen rund um eine Beteiligung an der Sprengung der Pipelines in Untersuchungshaft. Doch anstatt ihn wie gefordert nach Deutschland auszuliefern, ließ ihn Polen im Oktober 2025 frei. Nun ist ein weiterer Anlauf gestartet, Vladimir Zhuravlev an deutsche Behörden auszuliefern.
Laut Bundesanwaltschaft soll Zhuravlev einer der Taucher an Bord der Jacht "Andromeda" gewesen sein, die im September 2022 den Sprengstoff am Grund der Ostsee anbrachten. ZDF frontal und der "Spiegel" berichteten in den vergangenen Jahren mehrfach über seinen Fall. Er selbst bestreitet, an der Sabotagemission beteiligt gewesen zu sein. Was zu Vladimir Zhuravlev bekannt ist.
Deutsche Behörden standen offenbar kurz davor, einen der mutmaßlichen Nord-Stream-Saboteure zu fassen.
03.09.2024 | 10:20 minFestnahme in kroatischem Hafenort
Nach der Freilassung soll sich Zhuravlev mit seiner Familie in den vergangenen Monaten weiter in Polen aufgehalten haben. Nun wurde er in der kroatischen Hafenstadt Pula auf Basis eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Die Generalbundesanwaltschaft (GBA) strebt eine Auslieferung nach Deutschland an. Sie wirft Zhuravlev die gemeinschaftliche Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor.
Warum sich Zhuravlev in Kroatien aufhielt, ist bislang nicht bekannt. Eine GBA-Sprecherin wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Umständen der Festnahme oder dem Grund für den Aufenthalt in Kroatien äußern. "Bei ihm besteht der Verdacht, dass er sich an der Sprengung der Gaspipelines (…) beteiligt hat. Er soll dabei einer der Taucher gewesen sein, die die Sprengladungen an den Gasröhren angebracht haben", sagte die Sprecherin dem ZDF. Sie bestätigte, dass es sich beim Festgenommenen um den Verdächtigen handelt, der bereits in Polen kurzzeitig verhaftet worden war.
Sein Anwalt teilt ZDF frontal am Mittwoch mit: "Mein Mandant hat in keiner Weise einen Schaden verursacht oder eine Straftat begangen, deren letztendliche Folge ein Sachschaden an der kritischen Infrastruktur Deutschlands gewesen wäre, wie es die deutsche Regierung darstellt."
Es hat sich nichts geändert. Er ist unschuldig.
Tymoteusz Paprocki, Anwalt von Vladimir Zhuravlev
Vladimir Zhuravlev im Tauchanzug 2016 in der Ukraine. Deutsche Ermittler halten ihn für einen der Nord-Stream-Saboteure.
Quelle: ZDF frontal / Facebook Vladimir ZhuravlevWarum Zhuravlev in Polen schon einmal in Haft saß
Nicht zum ersten Mal reiste Zhuravlev trotz Ermittlungen gegen ihn durch Europa. So besuchte er etwa laut Frontal-Recherchen Ende Mai 2024 Verwandte in Berlin. Die deutschen Behörden bemerken das zu spät; der Haftbefehl wurde erst eine Woche später erlassen - da war Zhuravlev bereits wieder in Polen.
Die damalige Wohnadresse von Zhuravlev in einem Vorort von Warschau war den dortigen Behörden bekannt. Trotz EU-Haftbefehls wurden die polnischen Beamten aber trotz Bitten aus Deutschland nicht aktiv. Mit einem ukrainischen Diplomatenauto verschwand Zhuravlev damals im Juli 2024 aus Polen in Richtung Heimat.
Wer steckt hinter den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines? Für deutsche Ermittler verdichten sich die Spuren in Richtung Ukraine - eine Spurensuche auf der Ostsee.
25.08.2023 | 36:08 minSpäter kehrte er nach Polen zurück, ging dort einem normalen Beruf nach. Am 30. September 2025 nahmen ihn polnische Polizisten in seinem Haus fest. Seine Ehefrau Juliana Zhuravleva schilderte das damals gegenüber ZDF frontal:
Als am Dienstag die Polizei zu uns kam, hatte sich mein Mann nirgendwo versteckt. Er war zuhause und machte sich wie immer bereit für die Arbeit. Hätte er sich verstecken wollen, hätten sie ihn wahrscheinlich nie gefunden.
Juliana Zhuravleva, Ehefrau des Verhafteten
Wo sich Zhuravlev zum Zeitpunkt des Anschlags aufgehalten habe, könne sie nicht sagen, da sie sich nicht erinnere, so Juliana Zhuravleva. Fürsprecher hat die Familie in Polen viele - bis in höchste Staatsämter. Polens Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete die deutschen Ermittlungen gegen Zhuravlev mehrfach als falsch. Sie seien nicht im "Interesse Polens".
Ende September in Polen verhaftet, soll der ukrainische Taucher Wolodymyr Z. nun wegen verfassungsfeindlicher Sabotage zum Schaden Deutschlands ausgeliefert werden.
07.10.2025 | 4:08 minZhuravlev war Profitaucher mit viel Erfahrung
Im Netz lassen sich viele Belege finden, dass das Tauchen für beide Eheleute ein langjähriges Hobby war. Vladimir Zhuravlev hatte verschiedene Zertifikate als technischer Taucher. Eine Tiefe von 70 bis 80 Meter, in der die Nord-Stream-Röhren lagen, war für ihn keine Neuheit.
In den Jahren vor dem Anschlag war Zhuravlev mit seinem Tauchclub aus Kiew mehrfach an der Ostsee, regelmäßig tauchten sie in herausfordernden Umgebungen wie Wracks oder Höhlen. Mehrere Mitglieder der Tauchgruppe beschrieben im Netz, wie sie in der Vergangenheit paramilitärische Tauchausbildungen erhalten hatten. Auf Fotos im Netz zeigen sie Profi-Equipment wie beheizte Tauchanzüge oder Unterwasser-Scooter.
Experten für technisches Tauchen schilderten ZDF frontal, dass sie Zhuravlev auf Basis dieser Hinweise die Tauchgänge zu den Pipelines in der Ostsee zutrauen würden.
Auch an der patriotischen Überzeugung für die Ukraine lässt die Taucher-Gruppe um Zhuravlev wenig Zweifel. In den sozialen Medien sammelten sie in der Vergangenheit für die ukrainischen Streitkräfte oder zeigten die Nationalflagge.
Seit drei Jahren suchen Ermittler die Täter hinter der Nord-Stream-Sabotage. Ein Warschauer Gericht verweigert nun die Auslieferung eines verdächtigen Ukrainers an Deutschland.
17.10.2025 | 2:39 minZweiter Verdächtiger in deutscher Untersuchungshaft
Neben Zhuravlev ist ein weiteres mutmaßliches Mitglied des Sabotage-Netzwerks in Haft: der Ukrainer Serhii K. Ihn hatte Italien vergangenes Jahr an Deutschland ausgeliefert.
"Er hat in einem Protokoll während der ersten Verhandlungen gesagt, er hätte damit nichts zu tun. Oder besser gesagt, er wäre zum Zeitpunkt der Sprengung in der Ukraine gewesen", sagte K.s italienischer Anwalt ZDF frontal Ende Juli.
In Hamburg soll im Herbst der Prozess gegen K. starten. Wann der Verdächtige Zhuravlev an Deutschland überstellt werden kann, ist aktuell noch nicht klar. "Über die Auslieferung werden jetzt kroatische Gerichte entscheiden müssen", so die GBA-Sprecherin. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigt:
Alle diejenigen, die damit in Verbindung stehen und die wir identifizieren, wollen wir auch zur Rechenschaft ziehen.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister
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