Krimineller Online-Handelsplatz:"Crimenetwork": Jahrelange Haftstrafe für Betreiber
von Daniel Heymann, Patrick Müthing
Das Landgericht Gießen hat einen der Betreiber von "Crimenetwork" zu fast acht Jahren Haft verurteilt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf kriminelle Online-Plattformen.
Das Landgericht Gießen hat einen der Betreiber der kriminellen Handelsplattform "Crimenetwork" zu über sieben Jahren Haft verurteilt. Die Internetseite war Teil eines Netzwerks.
18.03.2026 | 2:13 minJannis H. hat sich seine Zukunft anders vorgestellt: Penthouse, teure Autos, eine Wohnung in Dubai - all das hatte er schon. 2024 fand sein Traum ein abruptes Ende, er wurde festgenommen. H. ist einer der Betreiber der kriminellen Handelsplattform "Crimenetwork". Sie galt als größter deutschsprachiger Online-Marktplatz für illegale Waren und kriminelle Dienstleistungen - laut Ermittlern mit mehr als 100.000 Nutzenden. Nicht nur im Darknet, sondern auch im zugänglichen Internet.
Heute wurde Jannis H. verurteilt. Der Fall steht sinnbildlich für das Geschäftsmodell krimineller Online-Handelsplätze und die schwierige Ermittlungsarbeit in diesem Bereich.
- Rückblick: Handelsplattform "Crimenetwork" zerschlagen
Was war "Crimenetwork"?
"Crimenetwork" war ein Online-Shop für Verbotenes: Vor allem Drogen wurden auf der Plattform gehandelt, aber auch gefälschte Dokumente und Online-Zugangsdaten. Dazu kriminelle Dienstleistungen wie etwa Cyberattacken.
Eine Besonderheit bei "Crimenetwor"k: Es gibt ein regelrechtes Schulungssystem mit Anleitungen für Straftaten.
Es gibt alles, damit Menschen dort lernen können, wie man am besten Straftaten im Bereich Cybercrime begeht.
Benjamin Krause, Staatsanwalt
Illegale Handelsplätze entstehen im Netz auch deshalb immer wieder aufs Neue.
Auf einen flächendeckenden Hackerangriff wäre Deutschland nicht vorbereitet. Bei Krankenhäusern, Schulen und Kommunen gebe es Schwachstellen, warnt BSI-Chefin Claudia Plattner.
11.11.2025 | 1:49 minPlattform hat bereits Nachfolger
Atempausen gibt es für Ermittler in diesem Bereich deshalb selten. Für "Crimenetwork" etwa haben sich sehr schnell Nachfolge-Plattformen entwickelt. Es sei "völlig üblich, dass solche Plattformen immer wieder neu entstehen, wenn nicht alle handelnden Personen gleichzeitig festgenommen werden können", sagt Staatsanwalt Krause. Krause betont aber, dass sich die Ermittlungsarbeit dennoch lohne:
Wir sehen es als großen Erfolg an, dass auf der Nachfolgeplattform nicht mehr die gleichen 100.000 Nutzer angemeldet sind, sondern nur etwa 17.000 Nutzer.
Benjamin Krause, Staatsanwalt
Ähnliches beobachtet auch York Yannikos vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie: Neue Plattformen müssten sich zunächst erstmal in der Szene etablieren, so Yannikos.
Tausende Daten sichergestellt
Bei seiner Festnahme zeigt sich H. kooperativ. Er entsperrt seinen Computer und übergibt den Ermittlern Zugangsdaten. Im Zuge der Ermittlungen werden Daten von Käufern und Verkäufern sichergestellt. Das Sammeln großer Datenmengen sei maßgeblicher Teil der Ermittlungserfolge, so Yannikos.
Man kann im Prinzip sagen, dass in den letzten fünf bis zehn Jahren gerade die großen Plattformen deutlich und schnell offline genommen werden.
York Yannikos, Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie
Im anonymen Teil des Internets fänden Kriminelle leicht zueinander. Als Ort der Kriminalität sei das Darknet deshalb nicht zu überschätzen, sagt ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke.
11.11.2025 | 4:39 minNach der Abschaltung der Plattform veröffentlichen die Ermittler ein Video an die Nutzenden der Plattform. Gewollt provokant und in szenetypischer Sprache. Die Botschaft "Game Over". Man habe in diesem Fall bewusst die Strategie geändert, so Staatsanwalt Krause, für eine Kommunikation auf Augenhöhe. Das Signal:
Ihr müsst uns wahrnehmen und müsst uns auch in einem gewissen Sinne fürchten, weil die Ermittlungserfolge werden immer mehr und in schnellerer Frequenz.
Benjamin Krause, Staatsanwalt
Lange Haft, dazu Vermögenswerte eingezogen
Das Landgericht Gießen verurteilte Jannis H. nun wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre und sechs Monate gefordert, die Verteidigung sechs Jahre und neun Monate.
Dazu zog das Gericht erhebliche Vermögenswerte ein: Wertersatz in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro, die Wohnung des Angeklagten in Dubai sowie zahlreiche von ihm gehaltene Kryptowährungen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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