Paris fällt Urteil im Cybermobbing-Fall:Bewährungsstrafen für Cybermobber von Brigitte Macron
von Carolin Auen, Paris
Bis zu acht Monate auf Bewährung und Sensibilisierungskurse: Ein Gericht hat zehn Angeklagte wegen Cybermobbings gegen die französische First Lady Brigitte Macron verurteilt.
Wegen Cybermobbings gegen Frankreichs First Lady Brigitte Macron standen in Paris acht Männer und zwei Frauen vor Gericht. Die Angeklagten berufen sich auf Satire als französische Tradition.
05.01.2026 | 2:41 min"Böswillig, herabwürdigend und beleidigend", so bezeichnete der vorsitzende Richter des Pariser Strafgerichts die Äußerungen, mit denen die zehn Verurteilten Brigitte Macron bezeichnet hatten, bei seiner Urteilsverkündung am Montagmorgen.
Die acht Männer und zwei Frauen wurden des Cybermobbings schuldig gesprochen und zu Haftstrafen von sechs bis acht Monaten auf Bewährung sowie zu befristeten Onlinesperren verurteilt. Ein Angeklagter, der nicht zum Prozess erschienen war, wurde zu einer Strafe von sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Auch ein Sensibilisierungskurs für den respektvollen Umgang mit Menschen im digitalen Raum ist vorgesehen.
Eine aktuelle Studie zeigt: Jede vierte Person im Alter von 18 bis 24 Jahren hat bereits Cybermobbing erfahren. Experten fordern unter anderem, Betroffene besser zu unterstützen.
08.11.2025 | 1:56 minFalschbehauptungen zu Macrons Geschlecht
Bereits seit der Präsidentschaftswahl 2017 hatte sich die Behauptung verbreitet, Brigitte Macron sei als Mann geboren. Ab 2021 nahmen die Behauptungen zu, die Verurteilten verbreiteten sie auf sozialen Netzwerken. Macron hatte im August 2024 Anzeige erstattet.
Zuletzt äußerte sie sich im französischen Fernsehen am Vorabend der Urteilsverkündung:
Ich möchte Jugendlichen helfen, sich gegen Mobbing zu wehren. Aber wenn ich […] nicht mit gutem Beispiel vorangehe, wird das schwierig.
Brigitte Macron
Man rühre ihre Abstammung nicht an, ergänzte sie.
Bei ihrer Verteidigung beriefen sich die Angeklagten auf die stolze französische Tradition der freien Meinungsäußerung: "In unserer französischen DNA ist, schon seit Voltaire, eine Liebe zur Satire, und wir haben uns immer über Mächtige lustig gemacht, schon zu Königszeiten oder im Theater oder der Presse", erklärte der Verurteilte Aurélien Poirson-Altan beim Prozess Ende Oktober. Gegen ihn sprach das Gericht die höchste Strafe aus: acht Monate auf Bewährung.
Cybermobbing in Frankreich eigener Straftatbestand
In Frankreich werden Fälle von Cybermobbing mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe sowie bis zu 45.000 Euro Geldstrafe geahndet. Die Fälle zeichnen sich dadurch aus, dass die Behauptungen durch soziale Netzwerke schnell verbreitet und sehr schlecht wieder eingefangen werden können, erklärt der Kommunikationswissenschaftler Jamil Jean-Marc Dakhlia. Damit seien sie besonders schädigend für die Betroffenen.
Was den Fall von Brigitte Macron besonders macht, ist, dass es sich um eine öffentliche Person, die Frau eines Staatschefs, handelt. Sie anzugreifen kann auch eine Art sein, ihren Mann und seine Regierung anzugreifen.
Jamil Jean-Marc Dakhlia, Kommunikationswissenschaftler
Hinter der soziologischen Dimension stecke daher auch eine politische, so Dakhlia.
Frankreichs Kampagne gegen Hass im Netz
Ohne sich auf den Prozess seiner Frau zu beziehen, forderte Emmanuel Macron Ende November schnelleres Eingreifen in Fällen von Hass im Netz: "Wenn soziale Medien und Künstliche Intelligenz falsche Informationen verbreiten, die Ihre Würde angreifen, und darum geht es, dann haben wir heute ein Problem."
Wir sind zu langsam. Es muss möglich sein, das innerhalb von 48 Stunden anzuzeigen, zu löschen und rechtliche Schritte einzuleiten.
Emmanuel Macron, Frankreichs Staatspräsident
Gerade hat die Regierung außerdem einen Gesetzentwurf angekündigt, der den Zugang zu Online-Plattformen für Jugendliche unter 15 Jahren verbieten soll. An Schulen sind Handys bereits teilweise untersagt. Dieses Verbot soll auch auf die Oberstufe ausgeweitet werden.
Auch in Australien erhalten unter 16-Jährige keinen Zugang mehr zu bestimmten Social-Media-Plattformen. Ein neues Gesetz sieht die Anbieter bei der Umsetzung in der Pflicht.
10.12.2025 | 2:59 minDer Kommunikationswissenschaftler Dakhlia erkennt eine klare Rolle Frankreichs: "Frankreich ist heute eine Art Vorreiter in Europa, wenn es um die Regulierung der sozialen Medien geht, ohne die Meinungsfreiheit einzuschränken."
Die Bedeutung des Urteils im Fall Brigitte Macron liege darin, über den Einzelfall hinaus zu zeigen, dass es möglich ist, Cybermobbing zu bekämpfen, sagt er. Außerdem könne dieser Fall zum Präzedenzfall werden.
"Transvestigation" auch in den USA
Ein weiterer Prozess steht noch aus: Das Ehepaar Macron klagt seit Sommer 2025 in den USA wegen Verleumdung gegen die rechte Podcasterin Candace Owens. Sie verbreitet seit Anfang 2025 nach dem Schema der "Transvestigation" (der verschwörungstheoretischen und pseudo-wissenschaftlichen Enthüllungen in Bezug auf das Geschlecht von Personen), Behauptungen zum Geschlecht Brigitte Macrons. Auf ihren Social-Media-Kanälen hat Candace Owens etwa sechs Millionen Follower.
Die Zahl der Opfer von Cybermobbing in Deutschland ist einer Studie zufolge seit 2021 um mehr als 20 Prozent angestiegen. "Das sollte für uns als Gesellschaft ein Signal sein", so Uwe Leest.
07.11.2025 | 5:06 min"Candace Owens' Geschäftsmodell basiert auf kontroversen Theorien", erklärt Dakhlia. Ein Urteil könne genau diesem kommerziellen Unternehmen einen Schlag versetzen. "Das grundlegende Gerücht über das Geschlecht von Brigitte Macron wird jedoch weiterhin kursieren", vermutet der Experte.
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