Katholische Kirche in Deutschland:Sechs Jahre Synodaler Weg: Zwischenbilanz fällt gemischt aus
von Jürgen Erbacher
Der Reformdialog Synodaler Weg begann 2019. Nach sechs Jahren Debatte ziehen die katholischen Bischöfe und Laien Bilanz. Viele loben einen Kulturwandel, andere sind enttäuscht.
Der Reformprozess der katholischen Kirche zur Aufarbeitung von Missbrauch und zur Neuordnung von Macht und Rollen endet am Samstag. Eine Bilanz von Inken Klinge.
29.01.2026 | 1:38 minDie Erwartungen waren hoch, als Ende 2019 die katholischen deutschen Bischöfe gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken den Reformprozess Synodaler Weg starteten. 2018 hatte eine wissenschaftliche Untersuchung gezeigt, dass es auch systemische Ursachen gibt, die sexualisierte Gewalt und deren Vertuschung in der katholischen Kirche begünstigt haben.
Beim Synodalen Weg wollten Bischöfe und Laien gemeinsam nach Lösungen suchen, um in der Struktur, aber auch in theologischen Fragen Reformen anzugehen, um künftig Missbrauch und dessen Vertuschung zu verhindern. Auch sollte dadurch nach dem Missbrauchsskandal wieder Vertrauen in der Gesellschaft aufgebaut werden.
Für die katholische Kirche geht das heilige Jahr zu Ende. Bereits gestern versammelten sich zahlreiche Gläubige vor dem Petersdom in Rom.
06.01.2026 | 0:29 minSynodaler Weg: Ein Erfolg laut ihrer Präsidenten
Sechs Jahre später werteten die beiden Präsidenten des Synodalen Wegs den Prozess als Erfolg. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, sprachen von einem nachhaltigen Kulturwandel in der katholischen Kirche in Deutschland. Bischöfe und Laien diskutieren auf Augenhöhe.
... verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.
Quelle: KNA
Dass sie nicht gleichberechtigt entscheiden können, sehen Kritiker als großes Defizit. Künftig wird es auf Bundesebene eine Synodalkonferenz geben, in der Bischöfe und Laien gemeinsam über wichtige Fragen des kirchlichen Lebens in Deutschland sowie über Finanzfragen entscheiden sollen. Allerdings sind die einzelnen Bischöfe nicht an die Beschlüsse gebunden. Darauf hatte der Vatikan bei der Ausarbeitung der Satzung gedrungen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing ruft zu mehr Gemeinsinn und Dialog auf. "Wir müssen mehr zusammenhalten", so Bätzing.
23.12.2025 | 5:03 minForderung: Beschlüsse von Synodalem Weg "nicht auf lange Bank schieben"
Der Eingriff Roms in die Satzung der künftigen Synodalkonferenz habe deutlich gemacht, dass verbindliche Synodalität innerhalb des bestehenden hierarchischen Kirchenrechts kaum möglich sei, erklärte Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" im Vorfeld der sechsten und letzten Synodalversammlung, die bis Samstag in Stuttgart stattfindet.
Ulrike Göken-Huismann aus dem Bundesvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands forderte die Bischöfe auf, die Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs "nicht auf die lange Bank zu schieben".
Es sind vor allem Frauen, die die Machtfrage in der katholischen Kirche stellen. Sie sind die Säulen des kirchlichen Lebens. Wenn sie gehen, ist die Kirche am Ende.
05.04.2021 | 43:38 minSynodaler Weg stößt auf Widerstand des Vatikans
Viele der Reformwünsche der Mehrheit der Katholiken in Deutschland müssen auf weltkirchlicher Ebene durch den Papst entschieden werden. Dazu gehören die Weihe für Frauen zu Diakoninnen und Priester oder die Freistellung des Zölibats für Priester. Hier hat der Synodale Weg keine Fortschritte gebracht.
An anderer Stelle hat sich die Kirche bewegt, zum Teil auch gegen den Widerstand aus Rom. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder wiederverheirateter Geschiedener ist mittlerweile in Deutschland möglich.
Innere Zerrissenheit der katholischen Kirche in Deutschland
Jüngst zeigte ein Papier der Bischofskonferenz zur "Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in Schulen", dass die Debatten beim Synodalen Weg über sexuelle Identität zu einer Sensibilisierung auf Seiten der Bischöfe geführt haben. Zugleich legte das Dokument aber auch die innere Zerrissenheit der katholischen Kirche in Deutschland offen.
Der Passauer Bischof Stefan Oster distanzierte sich von dem Papier, weil er das christliche Menschenbild nicht ausreichend gewürdigt sah. Er gehört zu der kleinen Gruppe von Bischöfen, die den Synodalen Weg von Anfang an kritisch sehen. Immer wieder versuchten der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der mittlerweile zurückgetretene Eichstädter Bischof Gregor Maria Hanke den Vatikan zum Eingreifen zu bewegen.
Lukas kämpft für Veränderung in der katholischen Kirche. Reformen, die Clara verhindern will.
12.03.2023 | 27:13 minOffen, wie nachhaltig Veränderungen sein werden
Nur mühsam gelang es den Reformbefürwortern, Bedenken der römischen Zentrale gegen die vorgeschlagenen Veränderungen zu zerstreuen. Daher ist aktuell noch offen, wie nachhaltig die Veränderungen wirklich sein werden. Das endgültige Go des Vatikans zu der neuen Synodalkonferenz fehlt noch. Bischof Bätzing zeigte sich zuversichtlich, dass das neue Gremium im November erstmals tagen kann.
Jürgen Erbacher ist Leiter ZDF-Redaktion Religion und Leben.
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