Proteste in Italien:Mann stirbt bei Polizeieinsatz in Bologna - Justiz ermittelt
Bei einem Polizeieinsatz in Bologna stirbt ein Mann, nachdem sich Beamte minutenlang auf ihn setzen. Der Fall löst in Italien Protest aus. Nun ermittelt die Justiz.
In Bologna ist ein Mann bei einer gewaltsamen Festnahme gestorben. Der Marokkaner, der seit 30 Jahren in Italien lebte, war von Beamten in Bauchlage am Boden festgehalten worden.
20.07.2026 | 0:34 minIn Bologna ist ein 42-jähriger Mann im Zuge eines Polizeieinsatzes ums Leben gekommen. Augenzeugen zufolge saßen zwei Beamte eine längere Zeit auf dem am Boden liegenden Mann, bis dieser sich nicht mehr bewegte.
Die Polizei war am späten Vormittag von Nachbarn in das Viertel Pilastro gerufen worden, weil ein Mann dort randaliert haben soll. Beim Eintreffen der Beamten soll er gegen den Streifenwagen geschlagen haben. Die Beamten setzten Berichten zufolge Pfefferspray ein und legten ihm Handschellen an.
Videoaufnahmen von tödlichem Polizeieinsatz
Ein von der Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichtes Video, das offenbar von einem Nachbarn aus einem Fenster aufgenommen wurde, dokumentiert den weiteren Verlauf: Der Mann ruft mehrfach "Aiuto! Basta, basta!" ("Hilfe! Es reicht!"), während die beiden uniformierten Polizisten nicht von ihm ablassen. Ein dritter Mann in Zivil hält seine Knöchel fest. Zwei anwesende Sanitäter greifen nicht ein. Nach einigen Minuten zeigt der Mann keine Lebenszeichen mehr.
Abderrahim Fakir, Einwanderer aus Marokko, lebte seit seiner frühen Kindheit in Italien und hatte gültige Papiere. Die Rechtsanwältin Barbara Spinelli, die ihn bei der Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis unterstützt hatte, nannte ihn einen "freundlichen, gut ausgebildeten, respektvollen Menschen".
Die Hintergründe der Festnahme waren zunächst unklar. Nach italienischen Medienberichten sprachen die beteiligten Polizisten von einer psychiatrischen Krise des Mannes.
Regierung verspricht "völlige Transparenz"
Der Fall sorgt in Italien für Schlagzeilen. Vielfach gibt es Kritik am Vorgehen der Polizei, auch aus der linken Opposition. In Bologna kamen noch am Sonntag mehrere Hundert Menschen zu Protesten zusammen. Dabei gab es Sprechchöre gegen die Polizei und Rufe nach Gerechtigkeit. Sogar von "assassinio di stato" ("staatlichem Mord") war die Rede.
In Bologna hagelt es Kritik nach einem tödlichen Polizeieinsatz.
Quelle: imagoMinisterpräsidentin Giorgia Meloni versprach "völlige Transparenz". Melonis kleinerer Koalitionspartner, die Lega-Partei von Vize-Regierungschef Matteo Salvini, erklärte allerdings, dass die Beamten ihre Pflicht getan hätten. Salvini selbst sagte:
Ich stehe immer auf der Seite der Polizei.
Matteo Salvini, Vize-Regierungschef
Leiche soll obduziert werden - Justiz ermittelt
Die Leiche des Mannes wird nun obduziert. Davon erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über die Todesursache. Beim ersten Augenschein habe man Verletzungen am Hinterkopf und im Gesicht festgestellt, hieß es. Nun geht es auch darum, ob der Mann möglicherweise Vorerkrankungen hatte.
Wie die Staatsanwaltschaft von Bologna mitteilte, wurden außerdem Ermittlungen eingeleitet. Diese sollten die Umstände des Todes klären. Die Bodycams der zwei beteiligten Polizisten seien der Justiz zur Auswertung übergeben, erklärte die Polizei.
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