Influencer im Visier der Steuerfahnder - Frage der Gerechtigkeit

Steuerhinterziehung und Schein-Wohnorte:Im Visier der "Influencer-Jäger"

von Greta Buschhaus und Bernd Weisener

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Reisen, Luxus, Geschenke - Influencer verdienen damit viel Geld. Doch manche wollen nehmen, aber nichts geben und zahlen keine Steuern. Jetzt sind sie im Visier der Steuerfahnder.

Influencer vor dem Stadtbild einer großen Stadt (Dubai)

Reisen, Luxus, Geschenke – Influencer verdienen damit viel Geld. Doch manche wollen viel nehmen, aber nichts geben und zahlen keine Steuern. Jetzt sind sie im Visier der Steuerfahnder.

13.05.2026 | 29:01 min

Allein im vergangenen Jahr zahlten Unternehmen in Deutschland über 800 Millionen Euro an Influencer, damit sie Werbung machen. Wer Geld einnimmt, muss auch Steuern zahlen: Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer. Den Steuerfahndern in Nordrhein-Westfalen ist aufgefallen, viele Influencer kommen dieser Verantwortung nicht nach. Etwa 300 Millionen Euro sollen Influencer allein in NRW hinterzogen haben. Auch in anderen Bundesländern wird mittlerweile gegen Influencer ermittelt.

Influencer - Symbolfoto

In Nordrhein-Westfalen hat die Steuerfahndung gerade ein besonderes Augenmerk auf Social-Media-Influencer. Die Behörden dort geht derzeit dem Verdacht auf Betrug von etwa 300 Millionen Euro nach.

18.07.2025 | 3:08 min

Influencer - ein System der Verschleierung

Viele Influencer hätten noch nicht einmal eine Steuernummer, sagt Stephanie Thien. Sie leitet in Düsseldorf die Behörde, die gegen Influencer ermittelt - das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in Düsseldorf. Intern nennen sie sich die Influencer-Jäger. Viele hätten wohl "vergessen", dass sie auch Steuern zahlen müssen, sagt sie. Und bei vielen sei das System "auf Verschleierung angelegt." Denn es gibt Tricks, wie sich Steuerzahlungen vermeiden lassen. In Deutschland gibt es Steuerberater, die sich darauf spezialisiert haben.

Wir geben uns als Influencer aus und lassen uns beraten. Der Steuerberater rät uns: Wir könnten Optimierungen in Deutschland machen, oder man ziehe weg. Beispielsweise nach Dubai.

Die Bundesregierung hatte angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs ihre Konjunkturprognose mit einer Korrektur auf 0,5 Prozent für das Jahr 2026 halbiert.

Bundesfinanzminister Klingbeil hat heute die Steuerschätzung vorgestellt. Demnach liegen die Steuereinnahmen für 2026 rund 18 Milliarden Euro unter den Erwartungen.

07.05.2026 | 1:28 min

Steuerparadies Dubai

Fiona Erdmann ist eine Influencerin, sie lebt in Dubai. Als sie damals ausgewandert sei, habe sie gar nicht gewusst, dass man in Dubai so gut wie keine Steuern zahlen müsste, sagt sie. Wer etwa 200.000 Euro Gewinn macht, zahlt dafür in Deutschland etwa 80.000 Euro an Steuern. In Dubai gerade einmal 10.000 Euro.

Erdmann lebt jetzt seit neun Jahren in Dubai, hat dort ihren festen Wohnsitz und muss deshalb in Deutschland auch keine Steuern zahlen. Andere Influencer machen es ähnlich, aber mit einem entscheidendem Unterschied. Der Steuerberater erklärt es uns so: Man könne auch nur zum Schein nach Dubai ziehen. Die Ermittler kennen diese Masche. Es gebe Influencer, die geben an, sie hätten ihren Wohnsitz ins Ausland verlagert, in Wirklichkeit leben sie aber weiter in Deutschland, sagt Thien. So hinterzögen sie Steuern und das sei illegal.

Leipziger Buchmesse 2026

Influencer in den sozialen Medien sorgen für einen Buch-Hype, denn: Sie machen Bücher wieder sichtbar und attraktiv. Der Buchhandel bestätigt: Die Kundschaft wird jünger – Lesen erlebt ein Comeback.

08.04.2026 | 6:09 min

Kein Kavaliersdelikt

Jonas ist ebenfalls Influencer, er hat knapp drei Millionen Abonnenten auf YouTube und 1,5 Millionen auf Instagram, schon als Schüler fing er an und zählt heute mit zu den bekanntesten Influencern in Deutschland. Er glaubt, dass viele Influencer ihre Steuern nicht korrekt abführen liege daran, dass es noch ein sehr neues Berufsfeld sei und viele auch sehr jung angefangen haben und überhaupt keine Ahnung hätten. Aber: Es gebe auch viele, die versuchen, wirklich Schlupflöcher zu finden.

Dabei ist Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt. Es drohen Nachzahlungen, Geldstrafen und in Extremfällen sogar Freiheitsstrafen. Aber auch aus einem Grund sei das verwerflich, sagt Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. "Dieses Gefühl, diese Steuermoral, freiwillig Steuern zu zahlen, leidet darunter, wenn manche Menschen das ganz offensichtlich nicht tun." Am Ende sei es auch eine Frage der Gerechtigkeit. Gerade Influencer, die auf viele Einfluss nehmen, sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Denn wer glaubt, mit Steuertricks durchzukommen, verliert am Ende womöglich seine Glaubwürdigkeit.

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Über dieses Thema berichtete "Die Spur" am 13.05.2026 ab 22:45 Uhr.

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