Jeffrey Epstein: Frauen brechen ihr Schweigen

Enthüllungen im Missbrauchsskandal:Jeffrey Epstein: Frauen brechen ihr Schweigen

von Martin Jabs

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Die Veröffentlichung der Epstein Files offenbart ein Netzwerk aus Macht und Missbrauch, der in höchste Kreise reichte - und zu dem sich immer mehr betroffene Frauen äußern.

Montage von Jeffrey Epstein mit den Opfern Ashley Rubright und Lisa Phillips

Betroffene, Anwälte, Journalisten und Politiker schildern den Kampf gegen ein Netzwerk aus Macht und Missbrauch, dessen Ausmaß sich mit der Veröffentlichung der "Epstein Files" offenbart.

14.04.2026 | 43:58 min

Ashley Rubrights Stimme bricht, als sie von Jeffrey Epstein erzählt. Vor rund 25 Jahren sei sie ihm das erste Mal in seiner Villa in Palm Beach, Florida, begegnet, berichtet sie. Ein Arbeitskollege hätte ihr den Tipp gegeben, dass sie sich mit einer Massage des Multimillionärs 200 US-Dollar verdienen könne. Daraus habe sich ein sexueller Missbrauch entwickelt. Damals war sie 15 Jahre alt.

Die ganze Zeit fummelte er an sich herum. Ich versuchte, nicht hinzuschauen. Er griff nach mir, nach meinem Hintern, und ich habe einfach versucht, nicht da zu sein.

Ashley Rubright, Epstein-Opfer

Netzwerk aus Macht und Missbrauch

Über das Erlebte äußert sich Rubright erst seit Kurzem öffentlich. Wie viele Mädchen sei sie damals in ein Netzwerk aus Macht und Missbrauch geraten, dessen enormes Ausmaß erst mit den Jahren offenbar wird.

Seit der ersten Veröffentlichung der "Epstein Files" im November 2025 kommen immer mehr Details über die Praktiken und Verbindungen des Sexualstraftäters ans Licht - und es werden immer mehr Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung bekannt, die mutmaßlich in den Missbrauchsskandal verwickelt waren.

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Auch die Zahl der Opfer, die sich öffentlich äußern, wächst. Lisa Phillips lernte Epstein nach eigenen Angaben im Jahr 2000 in der Karibik kennen. Das Model sei dort für ein Mode-Shooting gewesen. Epstein habe vorgegeben, sich für ihre beruflichen Ziele zu interessieren - und die damals 22-Jährige zu einer Massage gedrängt, die im Missbrauch geendet sei.

Frau: "Zum Sex gedrängt"

Lisa Phillips schildert, wie Epstein ihr in der Folge wichtige Kontakte verschafft und sie zu Castings geschickt habe. Zunächst habe sie dahinter den Versuch einer Wiedergutmachung vermutet.

"Damals war mir nicht klar, dass ich gehandelt wurde. Diese Castings wurden durch Epstein eingefädelt, nach dem Motto: 'Mein Freund besetzt gerade einen großen Film, ich schicke dich mal hin.' Vor Ort wird man dann plötzlich zum Sex gedrängt, und die Leute um einen herum erzwingen das."

Bildmontage mit Fotos aus der Epstein-Akte: Kopien von anonymisierten Pässen junger osteuropäischer Mädchen und Jeffrey Epstein im Businessanzug mit Blick in die Kamera, der von einer dahinterstehenden ebenfalls anonymisierten Frau umarmt wird

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Mitte der 2000er Jahre kamen immer mehr Fälle von Teenagern ans Licht. Die Polizei von Palm Beach ging den Hinweisen nach, führte Befragungen durch. Doch Epstein stellte ein Team aus erfahrenen Anwälten zusammen, die es schafften, einen ungewöhnlich milden Justizdeal auszuhandeln. So wurde er vom Gericht in Südflorida lediglich zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt - und wegen Bundesdelikten wie Sexhandel nicht weiter verfolgt.

  • Der US-Multimillionär Jeffrey Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Der Investmentbanker war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden.
  • Epstein wurde am 10. August 2019 tot in seiner Zelle in einem New Yorker Gefängnis aufgefunden.
  • Eine Reihe von Frauen in den USA erhebt schwere Vorwürfe, denen zufolge Epstein sie auch an Freunde und Bekannte als "Sexsklavinnen" weitervermittelt habe.


Virginia Giuffre brachte Ermittlungen zum Laufen

Für Epsteins Opfer eine große Enttäuschung. Doch 2011 spielte Virginia Giuffre der britischen Presse ein Foto von sich und dem damaligen Prinz Andrew zu, machte Details eines mutmaßlichen Missbrauchs öffentlich - und nannte später weitere Namen in Zivilklagen gegen Jeffrey Epstein und seine verurteilte Komplizin Ghislaine Maxwell.

Ich war sehr jung, als ich angeworben wurde und in eine Welt geriet, die ich nicht verstand. Ich werde nie aufhören, gegen diese Welt zu kämpfen.

Virginia Giuffre, Epstein-Opfer (2024)

Jeffrey Epstein

Seit Monaten recherchiert "frontal" gemeinsam mit Partnern zu Jeffrey Epstein. Das Gesamtbild entsteht aus vielen Geschichten - etwa die der Deutschen Bank oder die eines deutschen KI-Forschers.

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In New York wurde Epstein erneut angeklagt. Doch der Multimillionär starb 2019 in der Untersuchungshaft. Der Fall gegen ihn wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Für seine mutmaßlichen Übergriffe gegen Ashley Rubright und Lisa Phillips ist er nie verurteilt worden. Virginia Giuffre starb im April 2025 in ihrer neuen Heimat Australien.

Frauen fordern Aufklärung

Doch mehr und mehr betroffene Frauen schlossen sich zusammen und forderten weitere Aufklärung. Unter dem wachsenden Druck der Öffentlichkeit und von US-Abgeordneten kam schließlich ein Gesetz zustande.

In dessen Folge wurden bis Januar 2026 rund 3,5 Millionen Fotos, Videos und Textseiten veröffentlicht. Sie zogen eine Reihe von Untersuchungen und Anklagen gegen bekannte Persönlichkeiten in- und außerhalb der USA nach sich.

Martin Jabs ist Redakteur für die ZDF-Redaktion Zeitgeschehen.

Über dieses Thema berichtete ZDFzeit am 14.04.2026 ab 20:15 Uhr.

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  3. Eine E-Mail, die in der Veröffentlichung der Jeffrey-Epstein-Akten durch das US-Justizministerium enthalten war, wurde am 30.01.2026, fotografiert und zeigt eine Kontaktverbotsverfügung aus dem Jahr 2009 in Palm Beach, Florida.

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