Manipulierte Räder:Vorsicht Fatbike: Wie die E-Bikes zum Verkehrsrisiko werden
von Kosei Takasaki
Leicht zu manipulieren, zu schnell unterwegs: Fatbikes werden zum Verkehrsrisiko - etwa durch Jugendliche, die mit bis zu 89 km/h unterwegs sind. Was macht die Räder so gefährlich?
Fatbikes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, doch nicht alle sind im Straßenverkehr legal. Manche Modelle verfügen über Gashebel, überhöhte Motorleistungen oder technische Manipulationen.
03.11.2026 | 8:53 minDicke Reifen, breiter Sattel und ein kräftiger Motor: Fatbikes sehen fast so aus wie kleine Motorräder, sind aber E-Bikes. Ob auf dem Land oder in der Stadt: Man sieht sie immer häufiger, beispielsweise weil damit viele Lieferdienst-Kuriere Essen transportieren.
Aber auch im nordrhein-westfälischen Gronau, direkt an der Grenze zu den Niederlanden, sind Fatbikes beliebt. Für die Polizei werden sie allerdings zunehmend zum Problem. "Ich bin eigentlich ja gar kein Gegner eines Fatbikes an sich, aber unsere eigenen Einsatzerfahrungen sagen, dass sieben von zehn zuletzt manipuliert waren", sagt Polizeirat Dominik Rezler bei einer Verkehrskontrolle, die ZDF frontal Ende Oktober begleitete.
Fußgänger gehören in Deutschland zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen mit Autos. Mehr Schutz gibt es vielerorts trotzdem nicht.
15.09.2026 | 10:05 minMit Tempo 89 auf dem Fatbike zur Schule
Die Kreispolizeibehörde Borken will die Kontrollen in der Grenzregion ausweiten. Denn die Fälle häufen sich: Im Mai 2026 überfuhr ein 14-Jähriger mit einem Fatbike einen Hund. Das Tier starb. Nur einen Monat später raste ein Zwölfjähriger auf dem Schulweg mit Tempo 89 durch die Stadt.
Dabei sind Fatbikes nicht per se illegal, erklärt Dirk Zedler. Der Sachverständige prüft seit über 30 Jahren in Ludwigsburg Fahrräder und Elektrofahrräder. Fatbikes gelten als Pedelecs, wenn unter anderem der Motor beim Treten unterstützt und bei 25 km/h abschaltet. Ein Gasgriff darf das Rad ohne Pedalbewegung auf höchstens 6 km/h beschleunigen.
Manipulierte Räder werden zum Verkehrsrisiko
Doch manche Fatbikes lassen sich offenbar so leicht manipulieren, dass sie deutlich schneller fahren, oder werden vermutlich schon so verkauft.
462 Menschen kamen im vergangenen Jahr durch Fahrradunfälle ums Leben, viele davon auf E-Bikes. Besonders ältere Verkehrsteilnehmer sind gefährdet.
27.04.2026 | 0:46 minEinen solchen Fall schildert ZDF-frontal-Zuschauer Peter K. aus Sachsen-Anhalt. Er hatte für sein Fatbike rund 1.300 Euro bezahlt. Schon bei der ersten Fahrt war er verblüfft: Das Bike fuhr auch ohne Treten, allein mit dem Gashebel, und das "weit über 30 km/h".
Der Hersteller Pixar bewirbt es mit 25 km/h. Auf Anfrage von ZDF frontal weist Pixar zunächst jede Verantwortung von sich: Die Probleme seien "höchstwahrscheinlich auf unbefugte Änderungen an den Fahrzeugeinstellungen zurückzuführen".
Peter K. widerspricht: Er habe das Rad unverändert aus dem Karton entnommen. Nach den Recherchen von ZDF frontal reagiert der Hersteller dann doch: Man nehme die Ergebnisse "sehr ernst" und überprüfe nun die Konfiguration der ausgelieferten Fahrzeuge.
Immer mehr E-Scooter sind auf Straßen, Fahrrad- oder Fußgängerwegen unterwegs. Dies führt auch zu steigenden Unfallzahlen, teils mit Todesfolgen. Vor allem junge Menschen sind betroffen.
28.10.2026 | 1:50 minProbleme durch Online-Handel
Dirk Zedler warnt davor, manipulierte Fatbikes zu nutzen. Man habe "einfach keine rechtmäßige Nutzung auf einem öffentlichen Verkehrsweg". Bei einem Unfall werde es richtig ernst. Wenn man ohne Betriebserlaubnis, ohne Versicherungsschutz fahre, begehe man eine Straftat.
Das kann einem das ganze Leben versauen, auf gut Deutsch.
Dirk Zedler, Sachverständiger für Fahrräder und E-Bikes
Wie gefährlich ein Unfall werden kann, zeigt der Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn-Steiger-Stiftung bei einem Crashtest nahe Münster: Ein Fatbike prallt mit 45 km/h auf einen Fußgänger-Dummy. Beide Personen hätten schwere Verletzungen erlitten, analysiert der Experte, "vermutlich sogar tödliche".
Für Deutschland hätten sich die Hersteller selbst verpflichtet, regelwidriges Tuning zu bekämpfen, sagt Brockmann. Das Problem sei aber der Online-Handel: "Ich kann mir ohne Weiteres aus anderen Ländern spielend all diese Fahrzeuge bestellen."
Mehr als 1.000 Unfälle gehen jährlich auf die Nutzung eines Smartphones am Steuer zurück. Dagegen möchte Bundesverkehrsminister Bilger nun mit bundesweiten Handy-Blitzern vorgehen.
03.11.2026 | 1:29 minEU-Abgeordneter sieht Mitgliedstaaten in der Pflicht
Wie viele E-Bikes auf den Markt kommen, zeigt ein Fall im griechischen Piräus: Dort beschlagnahmte die Europäische Staatsanwaltschaft im Juni 2025 mehr als 7.000 mutmaßlich falsch deklarierte E-Bikes, versteckt in Containern. So sollten Zoll und Mehrwertsteuer umgangen werden.
Warum so viel Billigware aus China in Europa landet, erklärt der christdemokratische EU-Abgeordnete Dirk Gotink aus den Niederlanden: "Weil wir nicht kontrollieren, was auf unseren Binnenmarkt gelangt."
Er sieht auch die Mitgliedstaaten in der Pflicht: Wenn sie ihre Zollhoheit behalten wollten, "dann sollten sie auch dafür sorgen, dass sie für das 21. Jahrhundert bereit sind. Denn im Moment sind sie es nicht".
Die Polizei hat immer mehr mit Problemen bei E-Scooter-Fahrern zu kämpfen. Ein Trend mit schweren Folgen: Die Zahl an tödlichen Unfällen steigt, vor allem bei jungen Menschen.
04.11.2026 | 2:11 minEltern könnte Strafanzeige drohen
In Gronau testet die Polizei im Rahmen eines landesweiten Pilotprojekts einen neuen Rollenprüfstand. Bei einem verdächtigen Fatbike misst das Gerät 39 km/h. "Einfach extrem gefährlich", sagt Dominik Rezler. Er hofft auch, Eltern aufzuklären, denn sie übergäben ihren Kindern "tickende Zeitbomben". Wer ohne Fahrerlaubnis fahre, begehe eine Straftat, und weil Kinder nicht strafmündig seien, könnten stattdessen den Eltern Strafanzeigen drohen.
Und was ist mit dem Rad von frontal-Zuschauer Peter K.? Er hat sich dagegen entschieden, sein Fatbike im Straßenverkehr zu benutzen. Und so steht es jetzt in der Garage.
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