Nach Pisa-Schock:Deutscher Schulpreis geht an hessische Gesamtschule
von Isabel de la Vega
Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf hat den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis gewonnen. Was macht diese Schule anders als andere?
Wir stellen drei der 15 nominierten Schulen vor - was macht sie zu Vorzeige-Schulen? Was denken sie neu? Gab es Widerstände im Bildungssystem?
29.09.2026 | 2:44 minVon außen sieht die Integrierte Gesamtschule im Rhein-Main-Gebiet nicht viel anders aus als viele große Schulen in Deutschland: Gräulich verwaschene Betonfassaden säumen einen kargen Pausenhof.
Im Kontrast dazu aber steht das Innenleben der Bertha-von-Suttner-Schule im hessischen Mörfelden-Walldorf: Denn hier wird viel Neues ausprobiert - und offenbar gern gelernt. Für ihr Konzept hat die Schule nun den mit 100.000 Euro dotierten "Deutschen Schulpreis" gewonnen.
Schülerin: "Nicht einfach nur Lernblätter"
Gegenüber dem ZDF äußern sich viele Schüler positiv über die Stimmung an der Schule, das Lernkonzept und die Lehrer: "Hier bekommt man nicht einfach nur Lernblätter, wie an vielen anderen Schulen. Und der Lehrer sagt: 'Macht das mal.' Sondern andersrum", sagt die 14-jährige Sofia. "Die Lehrer helfen uns und erklären die Sachen erstmal. Wir machen das zusammen."
Worin besteht das nun prämierte Konzept? "Wir machen ziemlich viel anders", sagt Lehrerin Sarah Ebert. "Man hat ja gerade erst an den Pisa-Ergebnissen gesehen, dass in Deutschland die Herkunft und der sozioökonomische Status den Bildungsweg beeinflussen und wir zeigen jeden Tag, dass es auch anders geht."
25 Jahre nach dem ersten PISA-Schock geht es für Deutschlands Schüler weiter bergab. Bildungsökonom Prof. Ludger Wößmann vom Ifo-Institut ordnet die neuen PISA-Ergebnisse im Interview ein.
08.09.2026 | 27:22 minSchüler lernen, sich selbst zu organisieren
Ein Blick in die fünfte Klasse: Hier wird gerade "Segeln" geübt. Die Abkürzung für "selbstgesteuertes Lernen". Jedes Kind muss seine Woche planen, Lerninhalte bestimmen und die Zeit dafür definieren.
Die Schüler sollen lernen, sich selbst zu organisieren und zu überlegen, wie viel Zeit sie für die Lernziele der Woche brauchen werden. Kinder, die etwa in Mathe schnell sind, können ihr Zeitbudget hierfür kürzen und sich für ein Fach, das Schwierigkeiten bereitet, mehr Zeit nehmen.
Verpflichtende KI-AG: An diesem Gymnasium in Lauterecken lernen die Jugendlichen, Chancen und Risiken von KI einzuordnen.
10.02.2026 | 2:35 minBegabte Schüler können Unterricht höherer Klasse besuchen
Wer besonders begabt ist, kann auch am Unterricht der nächsthöheren Klasse teilnehmen. Erst eine solche Individualisierung ermögliche es, dass kein Schüler und keine Schülerin zurückbleibe und sehr gute Schüler weiter gefördert würden, so Sarah Ebert, die als Lehrkraft seit vielen Jahren an der "Bertha" arbeitet. Sie sagt:
Wir versuchen, die Schule vom Kind aus zu denken und nicht umgekehrt.
Sarah Ebert, Lehrerin
Minderheit spricht zu Hause Deutsch als Erstsprache
Dabei hat es die Schule nicht einfacher als andere: Von den rund 2.000 Schülern spricht nur ein Drittel zu Hause Deutsch als Erstsprache. Die Bertha-von-Suttner-Schule wird daher als "Startchancenschule" vom Land Hessen gefördert. Wichtig aber sei das Konzept, so Lehrerin Ebert. Und die Haltung des Kollegiums:
Hier brennen alle für die Kinder.
Sarah Ebert, Lehrerin
Der Vorschlag einer schulischen Ganztagsbetreuung steht im Raum. Doch dafür "mangelt es an Personal und Räumen", so die stellv. Bundesvorsitzende des Verbands für Bildung und Erziehung, Simone Fleischmann.
03.08.2026 | 5:33 minFörderung für Schüler
Wer im Unterricht nicht mitkommt, wird für eine individuelle sechswöchige Förderungsphase in Kleingruppen herausgenommen. Da kann es - ganz pragmatisch - um Arbeitsorganisation gehen, etwa 'Wie packe ich meine Schultasche richtig', oder um Sprachförderung. Alles werde dem Ziel untergeordnet, dass jeder Schüler von Beginn an wirklich am Lernstoff dranbleiben könne.
Dass sich die Schule dadurch an den leistungsschwächeren Schülern orientiere und das allgemeine Niveau sinke, stimme nicht, sagt Jan Krug, Mitglied des Schulleitung-Teams: Ganz im Gegenteil: "66 Prozent der Schüler, die ohne eine Gymnasialempfehlung an die 'Bertha' kommen, schaffen hier am Ende doch ihr Abitur."
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15.09.2026 | 2:42 minKI-Bot als Nachhilfelehrer
Eine besondere Rolle kommt an der Bertha-von-Suttner-Schule übrigens dem KI-gestützten Lernen zu: Die Schüler können mithilfe von künstlicher Intelligenz sogenannte Diagnose-Checks machen und von der KI überprüfen lassen, wo sie gerade stehen.
Um Lernstoff aufzuholen oder Begabte weiter zu fördern, kann die KI dann individuell zugeschnittene Aufgaben zusammenstellen. Die Schule hat einen eigenen Server und Datenautonomie. "Da gehen keine Daten in die USA", sagt Sarah Ebert. Den kritischen Umgang mit KI zu üben, sei Teil des Lernplans.
Isabel de la Vega berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Hessen.
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