Bischofsvollversammlung in Fulda:Wie viel KI verträgt die Seelsorge?
von Mariella Misquial
Predigten, Trauergespräche, Jugendarbeit: Künstliche Intelligenz hält Einzug in den kirchlichen Alltag. Bei der Bischofsvollversammlung in Fulda soll über KI diskutiert werden.
Anlässlich der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda wird auch das Thema Künstliche Intelligenz und ihre Rolle in der Seelsorge unter die Lupe genommen. (Archivbild)
Quelle: Andreas Arnold / dpaNicht nur in Politik, Wirtschaft und Bildung wird längst über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz diskutiert. Die Technologie ist inzwischen auch in der Seelsorge angekommen. Nicht als Ersatz für den Menschen, sondern zunehmend als Werkzeug im Hintergrund, hofft der katholische Pfarrer Carsten Leinhäuser aus dem Bistum Speyer.
Er gehört zu denjenigen, die KI bereits regelmäßig nutzen. Ob Organisation oder die Vorbereitung pastoraler Angebote, KI könne Abläufe vereinfachen und Zeit sparen. Besonders in der Seelsorge sieht er praktische Vorteile.
Wenn Angehörige nach einem Todesfall von einem Verstorbenen erzählen, macht sich Leinhäuser während des Gesprächs handschriftliche Notizen. Anschließend lässt er diese von einer KI strukturieren und aufbereiten.
Das ist einfach so ein praktisches Tool, das mir hilft, mal eine Übersicht zu gewinnen.
Carsten Leinhäuser, katholischer Pfarrer im Bistum Speyer
Die eigentliche Begegnung mit den Menschen, das Zuhören und die persönliche Begleitung blieben dabei unverändert Aufgabe des Seelsorgers. Die KI unterstütze lediglich bei der Nachbereitung, so Leinhäuser.
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01.05.2026 | 53:44 minPredigten aus der Maschine? Für den Pfarrer die falsche Richtung
Gerade bei Predigten stellt sich die Frage besonders deutlich. Welche Rolle darf Künstliche Intelligenz bei der Verkündigung des Glaubens spielen? Für Pfarrer Leinhäuser ist die Antwort klar. Die KI darf unterstützen, aber nicht an seine Stelle treten.
Wenn er eine Predigt vorbereitet, lädt er die Bibeltexte des Sonntags, eigene Gedanken und erste Entwürfe in das System. Anschließend fordert er die KI ausdrücklich dazu auf, kritisch zu sein. Sie soll ihm nicht bestätigen, was er ohnehin schon denkt. Stattdessen soll sie Schwachstellen aufzeigen, auf logische Brüche hinweisen und fragen, ob bestimmte Gedanken überhaupt bei den Menschen ankommen, die sonntags in der Kirchenbank sitzen.
Ich habe die KI als Sparringspartner, die mir hilft, meine Predigt zu verfeinern.
Carsten Leinhäuser, katholischer Pfarrer im Bistum Speyer
Für den Seelsorger liegt genau darin der Mehrwert der Technologie. Früher habe er eine Predigt oft allein erarbeitet. Rückmeldungen habe es meist erst nach dem Gottesdienst gegeben. Die KI ermögliche dagegen bereits während der Vorbereitung einen kritischen Dialog.
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31.01.2023 | 37:51 minSie könne etwa darauf hinweisen, wenn eine Passage zu abstrakt sei, wenn Beispiele fehlten oder wenn junge Menschen mit bestimmten Formulierungen wenig anfangen könnten. Doch genau dort zieht Leinhäuser auch eine klare Grenze. Die Predigt selbst müsse von dem Menschen kommen, der sie später hält.
Was ich auf keinen Fall mache, ist, dass ich sage: Schreib mir eine Predigt.
Carsten Leinhäuser, katholischer Pfarrer im Bistum Speyer
Rückenwind aus dem Vatikan
Bereits im Frühjahr hat Papst Leo XIV. die erste große Sozialenzyklika seines Pontifikats veröffentlicht. Darin bezeichnet er den Umgang mit Künstlicher Intelligenz als eine der zentralen Zukunftsfragen der Menschheit. Zugleich warnt er davor, menschliche Verantwortung an Technologien abzugeben und fordert Regeln, die die Würde des Menschen schützen.
In seiner ersten Enzyklika – einem verbindlichen Leitfaden für die Katholiken – setzt sich Papst Leo XIV. kritisch mit künstlicher Intelligenz auseinander. KI müsse dem Gemeinwohl dienen, so Leo.
25.05.2026 | 1:36 minWie geht es weiter?
Bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda wird unter dem Programmpunkt "Künstliche Intelligenz, Menschsein und Gemeinwohl: Impulse aus der Sozialenzyklika Magnifica humanitas", über den Umgang mit KI diskutiert. Bischof Dr. Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nahm im Vorfeld bereits Stellung:
Dieses Thema wird ein Jahrhundertthema sein ...wahrscheinlich in den Auswirkungen heftiger als die Industrielle Revolution. Am Ende wird es darum gehen...was bestimmt unser Leben. Ist die Basis weiterhin für uns das Evangelium oder Big Data?
Bischof Dr. Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
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