"Wir haben so 'ne Krawatte":Wie Bahn-Reisende die bundesweite Störung erlebt haben
Eine Funkstörung hat in der Nacht bundesweit den Zugverkehr lahmgelegt. Reisende berichten von Chaos, fehlenden Infos - und Fahrgemeinschaften per Taxi.
In ganz Deutschland ist der Zugverkehr in der Nacht zeitweise zum Erliegen gekommen. Eine Störung im digitalen Funknetz der Bahn war Auslöser des bundesweiten Verkehrsstopps.
24.06.2026 | 0:24 min"Nein, wir wissen nicht, was wir tun sollen": Ratlos und verwirrt steht eine Studentin am Berliner Hauptbahnhof. Wann ihr Zug fährt, wo sie Informationen bekommt - sie weiß es nicht, Auskünfte kann niemand geben.
Zwei Frauen, die nach einem Konzert aus Berlin zurück nach Wittenberg wollen, sagen: "Wir haben so 'ne Krawatte." Aber sie betonen auch: "Die Bahn-Mitarbeiter haben das Mögliche gemacht", seien freundlich und ansprechbar.
Doch es ändert vorerst nichts daran: In der Nacht auf Mittwoch herrscht Stillstand auf der Schiene. Bundesweit geht nichts mehr, egal ob bei der bundeseigenen Deutschen Bahn, bei Privatbahnen oder auch den S-Bahnen in Berlin oder Stuttgart.
Auch am Hamburger Hauptbahnhof ging am späten Dienstagabend nichts mehr.
Quelle: ddpViel Bahnpersonal, wenige Antworten für Passagiere
Wegen einer Störung des digitalen Bahnfunks GSMR sitzen am späten Dienstagabend zahlreiche Menschen an Bahnhöfen fest. In Berlin bietet das Zugpersonal auf eigene Initiative den Wartenden an, in die Züge zu kommen. Sie könnten sich hinsetzen, Wasser trinken und die Toiletten benutzen.
Für die späte Uhrzeit ist relativ viel Bahnpersonal unterwegs, freundlich beantworten die Mitarbeiter die Fragen der Reisenden - wenn sie auch kaum Antworten geben können. "In der App verzögert sich die Abfahrt des Zuges immer um eine Stunde", sagt eine Frau und zeigt auf ihr Smartphone. Aus den Lautsprechern schallt immer wieder: "Wir arbeiten an einer Lösung."
Ein Zugbegleiter eines ICE, der auf der Strecke zwischen Frankfurt am Main und Berlin in Würzburg zum Stehen kommt, sagt der Nachrichtenagentur AFP, eine Störung in dem Ausmaß habe er in seiner 20-jährigen Laufbahn bei der Bahn nicht erlebt. "Dass es mal passiert", das komme vor - "aber nicht deutschlandweit", betont der Bahn-Mitarbeiter.
Sicherheitskräfte helfen bei DB-Information aus
Viele Reisende scheinen sich in ihr Schicksal gefügt zu haben. Am Duisburger Hauptbahnhof ist die Information so überlastet, dass Sicherheitskräfte einspringen und über die Störung informieren.
Der bundesweite Zug-Ausfall der Deutschen Bahn sei Folge einer "Störung des zentralen Kommunikationssystems der Lokführer und Leitstellen", so ZDF-Reporterin Malou Hoppe. Möglicher Grund für diese könne ein fehlerhaftes Update sein.
24.06.2026 | 2:04 minEine Zugführerin sagt durch, dass bundesweit am Dienstag nichts mehr gehen werde. Die Leute sollten den Zug verlassen. In Hamburg berichten Reisende einem dpa-Reporter, dass am Informationsschalter Taxi-Gutscheine ausgegeben würden. "Noch jemand nach Lübeck?", ruft jemand.
Andere versuchen, auf eigene Faust Fahrgemeinschaften zu bilden. Bei der Eisenbahngesellschaft Metronom heißt es: "Nach aktuellem Stand rechnen wir am heutigen Abend nicht mehr mit einer stabilen und geordneten Wiederaufnahme des Zugverkehrs."
An vielen Bahnhöfen werden auch Hotelgutscheine ausgegeben - teils können die Menschen aber keine freien Hotelzimmer mehr buchen, etwa in Frankfurt. Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fährt dort zudem nahezu ohne Passagiere los. Niemand hat den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben.
Kurz nach Mitternacht rollen erste Züge wieder
Kurz nach Mitternacht rollen erste Züge wieder. Ein dpa-Mitarbeiter berichtet, seine Bahn sei nach zwei Stunden Stillstand wieder angefahren. Die Deutsche Bahn hat laut ihrer Chefin Evelyn Palla ein Notfallsystem in Betrieb genommen. Die Folgeverspätungen ziehen sich bis in den Mittwochvormittag hinein.
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