25 Jahre Enzyklopädie Wikipedia: Freies Wissen unter Druck

25 Jahre Enzyklopädie:Wikipedia: Freies Wissen unter Druck

von Leon Müller

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Wikipedia prägt seit 25 Jahren unseren Zugang zu Wissen. Doch politische Angriffe, mangelnde Vielfalt und KI-Konkurrenz stellen die Enzyklopädie vor neue Herausforderungen.

Wikipedia Logo und Schriftzug

Seit die Enzyklopädie Wikipedia vor 25 Jahren gegründet wurde, hat sich der Zugang zu Wissen verändert - und damit auch das Nachschlagewerk im Netz.

15.01.2026 | 2:59 min

Am 15. Januar 2001 gründeten der Internetunternehmer Jimmy Wales und der Projektentwickler Larry Sanger in den USA die Online-Enzyklopädie Wikipedia - und veränderten damit das Internet nachhaltig. Sie schufen einen Ort, an dem das Wissen der Menschheit gesammelt wird: für alle zugänglich, zu jeder Uhrzeit und von überall. Gründer Jimmy Wales sagt im ZDF-Interview.

Am Anfang haben viele Wikipedia als eine Art Witz betrachtet. Doch heute gehört die Plattform zu den wenigen Dingen, denen Menschen weitgehend vertrauen.

Jimmy Wales, Wikipedia-Gründer

Wikipedia: Über drei Millionen deutsche Artikel

Seither ist die Online-Enzyklopädie rasant gewachsen. Die englischsprachige Wikipedia umfasst mittlerweile mehr als 7,1 Millionen Artikel und ist damit mit Abstand die größte Sprachversion. Auf Platz zwei folgt die deutsche Wikipedia mit mehr als drei Millionen Artikeln.

Die Plattform hat verändert, wie wir auf Wissen zugreifen: Statt in Brockhaus-Bänden nachzuschlagen, finden wir Informationen heute dort schneller, leichter zugänglich und ständig aktualisiert.

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Das Prinzip der Schwarmintelligenz

Gleichzeitig hat die Online-Enzyklopädie Wissen demokratisiert. "Durch Wikipedia können Menschen weltweit gemeinsam Texte schreiben", sagt der Digitalexperte Markus Beckedahl.

Der erste fängt an, der nächste ergänzt, der dritte verbessert. Man diskutiert darüber - und am Ende wird der Welt ein kollaborativer Text zur Verfügung gestellt.

Markus Beckedahl, Digitalexperte

Eine Frau nutzt auf ihrem IPad Wikipedia und schaut sich einen Wikipedia-Eintrag an.

Vor genau 25 Jahren, am 15. Januar 2001, ging Wikipedia online. Die nicht-kommerzielle Enzyklopädie hat die Art und Weise, wie Wissen geteilt und nachgeschlagen wird, grundlegend verändert.

15.01.2026 | 1:48 min

Nach diesem Prinzip der Schwarmintelligenz arbeiten heute fast 250.000 Freiwillige weltweit an Wikipedia. Sie schreiben, prüfen und überarbeiten die Artikel.

Doch noch immer ist die Wikipedia-Gemeinschaft vor allem eins: männlich. Frauen und andere gesellschaftliche Gruppen sind unter den aktiven Autorinnen und Autoren deutlich unterrepräsentiert.

"Die Wikipedia-Community steht vor der Herausforderung, auch andere Teile der Gesellschaft einzubinden", sagt Beckedahl. Nur so könne Wikipedia repräsentativer werden und unterschiedliche Perspektiven besser abbilden.

Wikipedia Grafik

Wie Wikipedia funktioniert - und warum man die Artikel dort auch kritisch lesen sollte.

15.01.2024 | 1:49 min

Angriffe von Trollen und politischen Akteuren

Die Wikipedia-Enzyklopädie und ihre Inhalte sind längst ein Spiegel gesellschaftlicher Debatten. Auch deshalb gibt es immer wieder Versuche, die Neutralität der Plattform anzugreifen und gesammeltes Wissen umzudeuten.

So versuchen etwa politische Akteure, Artikel in ihrem Sinne zu verändern oder Begriffe zu verschieben. Während der Corona-Pandemie kam es zu Versuchen, impfkritische Positionen in Wikipedia-Artikeln zu platzieren.

"Sehr viele Akteure weltweit haben ein Interesse daran, ihre Meinungen oder Propaganda in der Wikipedia unterzubringen", sagt Markus Beckedahl. Das reiche von russischen Troll-Armeen bis hin zu Verschwörungsideologen. Doch trotz ihrer Größe und Bekanntheit gelinge es Wikipedia nach Einschätzung langjähriger Wikipedianer bislang, solche Angriffe abzuwehren.

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Statt Nachschlagen - öfter Chatbots fragen

Gleichzeitig steht Wikipedia vor neuen Herausforderungen: Künstliche Intelligenz und Chatbots werden zunehmend zur Konkurrenz. Wer etwas wissen möchte, fragt heute oft ChatGPT oder Gemini - und nicht mehr Wikipedia. Seit der Einführung von ChatGPT im Jahr 2022 sind die Aufrufzahlen der Online-Enzyklopädie um rund acht Prozent gesunken.

Die Online-Enzyklopädie droht damit an Sichtbarkeit zu verlieren, obwohl sie für viele Antworten generativer KI-Systeme eine der wichtigsten Quellen bleibt. Eine schwierige Lage für eine Enzyklopädie, die sich fast ausschließlich über Spenden finanziert.

Überleben sichern: "konsequent faktenbasierte Arbeitsweise"

Wikipedia feiert Geburtstag in unruhigen Zeiten - in einer Phase, in der sich vieles verändert und Fakten zunehmend verhandelbar erscheinen. Ist Wikipedia mit ihrer Community diesen Herausforderungen gewachsen?

"Ich wünsche mir sehr, dass Wikipedia auch die nächsten 25 Jahre überlebt", sagt Gründer Jimmy Wales im ZDF-Interview. "Dafür müssen wir uns an unsere ursprünglichen Werte halten: Wahrheit, Klarheit und eine konsequent faktenbasierte Arbeitsweise."

Leon Müller ist Redakteur und Reporter im ZDF heute journal.

Über dieses Thema berichtet das ZDF online am 15.01.2026 ab 06:35 Uhr und im TV das heute journal am 15.01.2026 ab 21:45 Uhr.

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