Erkenntnisse aus neuen Ausgrabungen:Wie Sklaven in Pompeji der soziale Aufstieg gelang
von Andreas Singler
Das Leben der Sklaven im Römischen Reich war hart. Doch neue Ausgrabungen aus der versunkenen Stadt Pompeji zeigen: Manchen von ihnen gelang es, einen Beruf zu ergreifen.
Kurz vor dem Vulkanausbruch 79 nach Christus ist Pompeji eine Stadt sozialer Ungleichheit: Reichtum und Armut liegen dicht beieinander. Wie wirken sich die Gegensätze im Alltag aus?
07.10.2026 | 44:27 minDie Geschichte von Pompeji - 79 n. Chr. bei einem Vulkanausbruch des Vesuvs untergegangen - ist wechselreich. Griechen, norditalienische Etrusker und lokale Stämme herrschten in der Hafenstadt am heutigen Golf von Neapel, bevor Diktator Sulla sie 80 v. Chr. endgültig dem Römischen Reich als Kolonie einverleibte.
Ihren Reichtum verdankte die Handelsstadt im heutigen Italien nicht zuletzt dem System der Sklaverei. Bis zu einem Drittel der Bewohner Pompejis, so schätzen Experten, waren Sklaven. Kriegsgefangene wie der legendäre Spartakus, der zur Unterhaltung der freien Römer im dortigen Amphitheater kämpfte, fristeten zumeist ein bitteres Dasein.
"Die Gesellschaft Pompejis funktioniert nur, weil sie Sklaven hatten - und 'Brot und Spiele'", erläutert der Archäologe und Autor Darius Arya in der ZDFinfo-Dokumentation "Pompeji - Stadt der Extreme: Geheime Unterwelt".
2.000 Jahre lang war er geschlossen, nun ist ein Geheimgang in Roms Kolosseum wieder zugänglich. Nur wenige kannten den Gang unter der Arena überhaupt, den Kaiser unbemerkt nutzen konnten.
27.10.2025 | 2:34 minSpartakus - auch in Pompeji ein Begriff
An einer Hauswand fanden Archäologen die Darstellung zweier kämpfender Reiter. Eine lateinische Inschrift deutet darauf hin, dass einer von ihnen Spartakus darstellen könnte. 71 v. Chr. starb der Gladiator nach zweijährigem Kampf an der Spitze von Zehntausenden Sklaven in einer letzten verzweifelten Schlacht gegen die Römer.
Danach aber haben sich derartige Aufstände nicht mehr ereignet. Eine mögliche Erklärung dafür haben Archäologen in einer antiken Villa außerhalb der alten Stadtmauern von Pompeji gefunden.
Die Folge beleuchtet die Schattenseiten Pompejis und verbindet aktuelle archäologische Erkenntnisse mit historischen Quellen. Im Zentrum stehen Aufstände, Konflikte und soziale Gegensätze.
07.10.2026 | 44:28 minRangunterschiede unter den Sklaven sorgten für Kontrolle
In einer von Vulkanasche verschütteten Sklavenunterkunft fanden Archäologen die Abdrücke antiker Betten. Die meisten von ihnen waren sehr einfach konstruiert und geben Hinweise auf die bescheidenen Lebensbedingungen der Bediensteten. Eines aber war anders: größer und komfortabler ausgestattet als alle anderen.
"Die Person, die hier gelebt hat, hatte eine besondere Rolle innerhalb der Sklavengemeinschaft", glaubt Gabriel Zuchtriegel, der Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji. "Durch Versprechen und kleinere Privilegien konnte sich der Eigentümer bei der Kontrolle der anderen auf solche Menschen verlassen."
So sichern sich die Halter durch Rangunterschiede unter den Sklaven ab. Das verhinderte Rebellion und Flucht.
Dr. Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji
476 fällt Rom, der letzte Kaiser wird abgesetzt - das Ende eines Weltreiches. Was aber führte wirklich den Untergang des einst so mächtigen Imperiums herbei?
01.09.2025 | 43:03 minHoffnung auf Freilassung und sozialen Aufstieg
Sklaven wurden nicht nur über soziale Kontrolle ruhig gehalten. Für manche gab es auch die Hoffnung auf Freilassung und eine Karriere danach. Ein 2021 entdecktes Grab erzählt einiges darüber. Der Tote darin war Marcus Venerius Secundio, ein ehemaliger Sklave.
Nach seiner Freilassung wurde Venerius Wächter des Venustempels und stand damit im Dienst der Stadt Pompeji. Ein Amt, das mit hohem Ansehen verbunden war. "Der Venustempel war der beliebteste Ort in Pompeji und Venus die beliebteste Göttin", sagt der Archäologe Llorenç Alapont.
Sehen Sie die zweiteilige Doku "Pompeji - Stadt der Extreme" am 20. Oktober um 11:20 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Das Skelett des Tempelwächters gehöre, so Alapont, "zu den am besten erhaltenen Skeletten in Pompeji". Möglicherweise wurde Marcus Venerius nach den Bräuchen seiner Heimat bestattet, anstatt wie damals üblich eingeäschert. Auch das deutet auf den besonderen Status hin, den er nach seiner Freilassung erreicht hatte.
Der Circus Maximus in Rom war eine Sportarena der Superlative. Er bot die spektakuläre Kulisse für die mit Abstand beliebteste Unterhaltung im alten Rom: die Wagenrennen.
18.12.2022 | 58:40 minMit sechs Jahren im Stadtrat von Pompeji - als Sohn eines früheren Sklaven
Vieles war möglich im alten Rom, auch für ehemalige Sklaven. Der Weg in die Politik war ihnen zwar verwehrt. Nicht aber ihren Kindern. Davon zeugt die Geschichte eines sechsjährigen Jungen, der nach einem verheerenden Erdbeben den Wiederaufbau des Isis-Tempels finanziert haben soll - und der dafür einen Platz im Stadtrat erhielt.
"In Wirklichkeit", bemerkt die Archäologin Sophie Hay, "ist dies das Werk seines Vaters." Numerius Festus Ampliatus war ein Sklave. "Der Sohn allerdings ist frei geboren", so Hay. "Also bringt der Vater ihn in die Politik."
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur Antike
Grabmal für Pharao Djedefre:Das Rätsel der verschwundenen Pyramide von Gizeh
von Bettina Blaßmit Video44:09Werk von Homer erster Reiseführer?:Die Odyssee: Welche Orte real sind
von Andreas Singlermit Video43:51Der Mythos Arche Noah:Erzählungen von der Sintflut spiegeln uralte Ängste
von Andreas Singlermit Video44:10Kleopatra und andere Halbwahrheiten:Mythen - erfundene Geschichten mit manchmal wahrem Kern
von Andreas Singlermit Video44:49
Weitere ZDFinfo-Dokus
- Vorab
Doku | ZDFinfo Doku:Provokant schön
Video44:22 - Vorab
Doku | ZDFinfo Doku:Der Weg zur Macht
Video43:56 - Vorab
Doku | ZDFinfo Doku:Der König von Asien
Video43:43 - Vorab
Doku | ZDFinfo Doku:Der Eroberer
Video44:21