Grabmal für Pharao Djedefre:Das Rätsel der verschwundenen Pyramide von Gizeh
von Bettina Blaß
Neben den Pyramiden von Gizeh in Ägypten gab es noch eine vierte. Spuren führen nur wenige Kilometer weiter nach Abu Rawash. Forscher untersuchen, was hinter dem Rätsel steckt.
Die drei Pyramiden von Gizeh gelten als archäologische Sensation. Doch einst soll es eine noch viel beeindruckendere vierte Pyramide gegeben haben: das Grabmal des Pharaos Djedefre.
05.06.2023 | 44:09 minDrei Pyramiden prägen das Bild von Gizeh: die Grabmäler der Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos aus der Zeit des Alten Reichs. Doch nur acht Kilometer nordwestlich, in Abu Rawash, stand einst eine weitere Pyramide. Erbauen ließ sie Pharao Djedefre, ein Sohn des Cheops.
Ab 1995 untersuchte ein schweizerisch-französisches Forschungsteam den stark zerstörten Pyramidenkomplex. Die ZDFinfo-Doku "Die vergessene Pyramide von Gizeh" rekonstruiert, wie das Bauwerk aussah und geht der Frage nach, warum es verschwand.
Pyramiden zählen zu den ältesten Bauwerken der Menschheit. Die geometrische Form findet sich in vielen Kulturen. Harald Lesch erkundet die Geheimnisse hinter den Monumentalbauten.
15.10.2023 | 43:30 minGrabmal von Djedefre ragte über Cheops-Pyramide hinaus
Djedefre war der erste Pharao, der den Titel "Sohn des Re" trug und damit die Verbindung des Königtums zum ägyptischen Sonnengott unterstrich. Sein Grabmal ließ er in Abu Rawash errichten.
Ein Grund, warum Djedefre diesen Ort wählte, ist, dass er höher liegt als Gizeh. So konnte er seinen Vater übertrumpfen.
Chris Naunton, britischer Archäologe
Mit 147 Metern war die Cheops-Pyramide zwar deutlich größer als Djedefres vermutlich rund 67 Meter hohes Grabmal. Doch Abu Rawash liegt auf einem erhöhten Plateau. Dadurch dürfte sich die Spitze von Djedefres Pyramide höher über dem Meeresspiegel befunden haben als die Spitzen der drei Pyramiden von Gizeh.
Die Pyramiden von Gizeh sind das letzte erhaltene Weltwunder der Antike. Die Cheopspyramide ist die älteste und größte von ihnen. Der Steinkoloss ist seit 4500 Jahren ein Besuchermagnet.
01.11.2020 | 43:43 minRot und Weiß: Ein Grabmal wie ein Kristall
Auch bei den Baumaterialien ging Djedefre den Untersuchungen zufolge neue Wege. Für den unteren Teil der Außenverkleidung verwendeten die Baumeister roten Granit - ein besonders hartes und kostbares Gestein. Der obere Bereich war vermutlich mit hellem Kalkstein verkleidet.
Im Licht der untergehenden Sonne könnte das Grabmal Rot und Weiß geglänzt haben - fast wie ein Kristall. Bei den Pyramiden seiner Vorgänger bestand die äußere Verkleidung dagegen überwiegend aus Kalkstein.
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Grabmal von Djedefre Stein für Stein verschwunden
Heute sind von Djedefres Pyramide nur noch stark zerstörte Reste erhalten. Lange vermuteten Forscher, ein Konflikt innerhalb der Königsfamilie habe zu ihrer Zerstörung geführt. Demnach soll Djedefres Ansehen nach seinem Tod so stark gelitten haben, dass sein Grabmal gezielt beseitigt wurde.
Inzwischen gilt diese These jedoch als wenig wahrscheinlich. Funde aus späteren Epochen zeigen, dass die Anlage über lange Zeit als Steinbruch diente. Besonders intensiv wurden dort offenbar während der römischen und frühchristlichen Zeit Steine abgebaut. Der Abriss war damit wahrscheinlich kein einzelnes Ereignis, sondern ein Prozess, der sich über viele Jahrhunderte erstreckte.
Nur der Sockel, eine ehemalige Baurampe und ein tiefer Schacht sind von der Pyramide des Pharaos Radjedef übrig. Erbaut um 2850 vor Christus, bleibt von ihr heute nur eine stark zerstörte Ruine.
03.11.2020 | 43:26 minSteine aus altägyptischen Monumenten finden sich in Mauern in Kairo
Bereits zuvor war die Grabanlage geplündert worden. Später wurden immer mehr der bereits behauenen Steine abtransportiert und für neue Bauwerke verwendet. Besonders der wertvolle Granit dürfte die Ruine zu einer begehrten Materialquelle gemacht haben.
Spuren eines solchen Steinraubs finden sich bis heute in Kairo. In zahlreichen Mauern sind noch Blöcke mit altägyptischen Hieroglyphen verbaut. "Wir wissen, dass die Römer die altägyptischen Monumente für ihre Steine geplündert haben", sagt der britische Archäologe Chris Naunton. "An einigen Stellen kann man immer noch Inschriften im Stein erkennen - auch dort, wo man sie gar nicht erwarten würde."
Djedefres Ehrgeiz, das kostbarste Grabmal seiner Zeit zu errichten, wurde seiner Pyramide möglicherweise zum Verhängnis. Die wertvollen Baumaterialien und die abgelegene Lage von Abu Rawash machten sie zu einem attraktiven Ziel für Steinräuber. Am Ende blieb nur ein Fundament, das Forscher bis heute vor Rätsel stellt.
Das Grab des Tutanchamun: einer der größten archäologischen Funde der Geschichte. Auf die Ausgrabung im Tal der Könige folgt eine mysteriöse Todesserie - der Fluch des Pharaos?
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