Schlacht bei Issos: Wie Alexander der Große mit Taktik siegte

Extralange Lanzen, kühne Reiterformation:Wie Alexander der Große Issos Keilerei gewinnen konnte

von Andreas Singler

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In der Schlacht bei Issos stand Alexander der Große einer Übermacht des Perserkönigs Dareios III. gegenüber. Wie er dank ererbter militärischer Innovationen trotzdem siegen konnte.

Portrait eines makedonischen Kriegers aus dem 4.Jahrhundert v.Chr.. Im Hintergrund eine Totale der Schlacht von Issos.

333 vor Christus führt Alexander der Große seine Truppen gegen das mächtigste Reich seiner Zeit: die Perser. Er will den Orient erobern und den Titel "König der Könige" für sich erringen.

12.05.2026 | 43:38 min

"Drei, drei, drei - bei Issos Keilerei." Kaum eine Schlacht der Antike hat sich so prägnant in das Gedächtnis von Generationen von Schülerinnen und Schülern eingenistet wie jene bei Issos im Jahr 333 v. Chr. Bei dem blutigen Aufeinandertreffen standen sich Alexander III. von Makedonien, Oberbefehlshaber des Korinthischen Bundes und später mit dem Beinamen der Große versehen, und der persische Großkönig Dareios III. gegenüber.

Perser schon länger eine Gefahr für griechische Stadtstaaten

Schon lange erwehrten sich die in Stadtstaaten zersplitterten Griechen des persischen Gegners. "Seit mindestens 150 Jahren versuchten die Griechen, sich von der persischen Bedrohung zu lösen", sagt der Historiker Laurent Capdetrey, Professor für griechische Geschichte an der Universität Bordeaux Montaigne in der ZDFinfo-Dokumentation "Entscheidung auf dem Schlachtfeld - Issos: Alexander gegen die Perser".

Dareios III. herrschte über das Perserreich, das mächtigste Reich der damaligen Welt, das sich über drei Kontinente erstreckte: Asien, Afrika und Europa. Als persischer Großkönig verkörperte Dareios den Anspruch eines "Königs der Könige". Bei Issos war Dareios' Heer mit geschätzten bis zu 100.000 Mann wohl etwa doppelt so stark wie die Truppen Alexanders.

Blick auf die grafische Rekonstruktion eines Leuchtturms am Wasser und einer Stadt im Hintergrund. Rechts eine Statue von Alexander dem Großen.

In der Antike ist Alexandria die modernste und größte Metropole im Mittelmeerraum - und zugleich ein wichtiges Handelszentrum. Ihren Namen verdankt sie Alexander dem Großen, ihrem Gründer.

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Alexander - in den bedeutenden Spuren seines Vaters Philipp II.

Alexander war drei Jahre vor der Schlacht bei Issos König von Makedonien geworden, nach der Ermordung seines Vaters Philipp II. im Jahr 336 v. Chr. Ob sein nördliches Heimatland Makedonien überhaupt dem antiken Griechenland zuzuordnen war, wurde vielfach bezweifelt. Aber Philipp hatte das kleine, ländliche Königreich Makedonien zur führenden Macht in der hellenischen Welt geformt. Alexander wandelte also in bedeuteten Spuren.

Philipp hatte seinem Sohn nicht nur ein blühendes, politisch zunehmend einflussreiches Königreich übergeben. Alexander kam auch in den Genuss einer profunden Ausbildung - für die er mit Aristoteles einen der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit als Lehrer nach Makedonien kommen ließ. Und: Alexander erbte eine militärische Maschinerie, die in vielerlei Hinsicht zum Besten gehörte, was die antike Welt bis dahin gesehen hatte.

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Sarissa als Lanze der Größe XXXL

Philipp hatte eine schlagkräftige Berufsarmee gegründet, die für ihre Disziplin und Beweglichkeit bekannt war. Die vielleicht wichtigste Innovation, die Alexander von seinem Vater geerbt hatte und die er auch in der Schlacht bei Issos erfolgreich zum Einsatz brachte, war aber die makedonische Schlachtreihe mit Lanzen von fünf Metern Länge und mehr: der Sarissa.

Mit ihr bildet die makedonische Phalanx eine Wand aus Lanzen.

Dr. Martin Samuels, Militärhistoriker

"Eine geschlossene Phalanx-Formation ist sehr einschüchternd", erläutert der britische Militärhistoriker Martin Samuels. Tausende Fußsoldaten gehörten einer solchen Formation an. "Die hinteren Reihen halten ihre Lanzen aufrecht. Wenn sie auf einen zu kommt, wirkt die Formation deshalb so hoch wie ein Haus. Dieser Anblick hat auch einen psychologischen Effekt: Er ist extrem furchterregend."

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Die Sarissa war eine Innovation, mit der die Makedonier aus der Not eine Tugend machten. "Um aus Bergbewohnern und Bauern Krieger zu machen, veränderte Alexanders Vater die Ausrüstung", sagt der Militärhistoriker und Buchautor Vincent Torrès-Hugon. Die neue extralange Lanze führte Philipp auch deshalb ein, weil schwere, griechische Ausrüstungen für viele seiner Soldaten kaum erschwinglich gewesen wären.

Sehen Sie die Doku-Serie "Entscheidung auf dem Schlachtfeld" am 21. Mai 2026 ab 1:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Die Kavallerie in Keilformation - und Alexander mittendrin

Eine weitere Innovation, die Philipp eingeführt hatte, bestand in einer wirkungsvollen Angriffsweise der Kavallerie, also der Reiter. "Stürmt eine Kavallerie-Linie gegen eine geschlossene Infanterie-Linie, kann sie wenig ausrichten", erklärt Martin Samuels. "Die Pferde weichen zur Seite hin aus." Philipp dagegen setzte auf eine andere Taktik.

Er ließ die Reiter im Keil angreifen, statt in Linien. Und er gab ihnen lange Lanzen. Im Keil bündelt sich die ganze Kraft des Angriffs auf wenige Mann.

Dr. Martin Samuels, Militärhistoriker

Auch diese Taktik setzte Alexander bei Issos erfolgsbringend ein - und wenn man den Chronisten glauben mag, tat er dies sogar unter Einsatz seines eigenen Lebens. Demnach befand er sich unter den angreifenden Reitern, die die persischen Linien durchbrachen.

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Sieg über Dareios

Alexander machte den antiken Quellen zufolge Jagd auf Dareios, der sich noch rechtzeitig vom Schlachtfeld retten konnte. Ein Gesichtsverlust für den bis dahin ungeschlagenen "König der Könige". Zwei Jahre später, 331 v. Chr., wurde er in der Schlacht von Gaugamela abermals und diesmal endgültig besiegt.

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Über dieses Thema berichtet die Sendung "Entscheidung auf dem Schlachtfeld - Issos: Alexander gegen die Perser", online verfügbar am 12.05.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 21.05.2026 um 01:15 Uhr.

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