Fünf Dinge, die man brauchte:So entstanden Mumien im alten Ägypten
von Rebecca Ricker
Um Verstorbene auf ein Leben nach dem Tod vorzubereiten, nutzten die alten Ägypter all ihr Können. Neue Erkenntnisse über die Mumifizierung lassen Wissenschaftler staunen.
2016 sorgt ein Sensationsfund in Sakkara für Aufsehen: In 13 Metern Tiefe entdecken Archäologen eine Mumifizierungswerkstatt. Kann der Fund mehr über die Praxis der Balsamierung verraten?
17.04.2026 | 43:39 minDie alten Ägypter glaubten an das Weiterleben nach dem Tod. Um den Verstorbenen das ewige Leben im Jenseits zu ermöglichen, mussten die Körper unversehrt erhalten bleiben - durch Mumifizierung. Diese diente nicht nur der Konservierung, sondern war ein wesentlicher Bestandteil eines religiösen Rituals.
Zunächst wurde der Leichnam einbalsamiert. Dafür verwendeten die Ägypter eine Vielzahl organischer Substanzen, unter anderem Harze und Öle, von denen viele importiert waren. Begleitend sollten Bilddarstellungen und Texte - vor allem aus dem ägyptischen Totenbuch - den Verstorbenen auf seinem Weg ins Jenseits unterstützen. Sie finden sich auf Sarkophagen und Grabwänden.
Ägyptens Bestattungsrituale geben bis heute Rätsel auf. Besonders die Mumien. Wer waren die Verstorbenen? Warum wurden sie mumifiziert, und mit welchen Rezepturen?
17.04.2026 | 42:17 minExotische Harze und Öle zum Einbalsamieren
2016 entdeckte ein ägyptisch-deutsches Forschungsteam in der Totenstadt Sakkara eine Balsamierungskammer. Dort fanden sie Gefäße mit Aufschriften wie "Für einen angenehmen Duft" oder "Zum Auftragen auf den Kopf". Diese enthielten beispielsweise Dammerharz und Zedernöl, Substanzen, die der Konservierung und Pflege dienten.
Den Verstorbenen wurden die Organe entnommen, diese wurden in Gefäßen aufbewahrt; einzig das Herz verblieb im Körper. Es galt als Sitz der Seele, des Denkens und Fühlens. Anschließend wurde der Körper getrocknet, mit organischen Stoffen wie Öl und Harz einbalsamiert und ausgepolstert.
Bandagen als nächster Schritt zur Mumie
Nach der Trocknung und Einbalsamierung der Körper folgte die sorgfältige Umwicklung des Körpers mit Leinenbinden. Dabei begannen die Einbalsamierer mit den Fingern und Zehen, bevor sie den gesamten Körper Schicht für Schicht einhüllten. Die Bandagen stabilisierten den Körper und trugen zusätzlich zu seiner Erhaltung bei.
Man hat ganz schön viel davon gebraucht. Für einen Menschen fast einen Kilometer Leinenbinden.
Salima Ikram, Ägyptologin
Die Faszination für das alte Ägypten lebt weiter. Bahnbrechende Entdeckungen und modernste Technik eröffnen der Forschung neue Perspektiven und liefern überraschende Erkenntnisse.
17.04.2026 | 43:51 minÄgyptisches Totenbuch als Beigabe ins Grab
Nach altägyptischem Glauben führte der Weg der Verstorbenen zunächst in die Unterwelt. Dort mussten sie sich dem Totengericht des Osiris stellen. Im Zentrum stand die Prüfung mit der Herzwaage: Das Herz des Toten wurde gegen eine Feder gewogen, ein Sinnbild für Wahrheit und Gerechtigkeit. Nur wer ein moralisch einwandfreies Leben geführt hatte, durfte im Jenseits weiterleben.
Um ihre Reise ins Jenseits zu bestehen, legte man den Verstorbenen das ägyptische Totenbuch ins Grab - eine Sammlung von Sprüchen, Hymnen und Anleitungen. Sie enthielten Antworten auf mögliche Fragen der Götter, über das menschliche Leben, wie zum Beispiel "Ich habe nicht gelogen, nicht gestohlen, nicht betrogen".
Wer nervös wurde, konnte schnell auf den Papyrus schauen und sagen: 'Ich habe nichts getan'. Schon war der Weg ins Jenseits frei.
Salima Ikram, Ägyptologin
Ob im alten Ägypten, in Mittel- oder Südamerika oder in Russland: Mumien sind überall zu finden. Für die Pharaonen war die Erhaltung des Leichnams Voraussetzung für ein Weiterleben im Jenseits.
07.02.2021 | 43:30 minPlastische Korrekturen an Mumien
Um den Körper vollständig zu erhalten, nahmen die Einbalsamierer auch Korrekturen an Mumien vor. Sie ersetzten fehlende Zähne, richteten verrenkte oder gebrochene Gliedmaßen - "gewissermaßen eine frühe Form der plastischen Chirurgie", erklärt die Ägyptologin Salima Ikram.
Sehen Sie die dreiteilige Doku-Reihe "Ägyptens Mumien" am 3. Mai ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder streamen Sie sie jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Viele Mumien wurden in großen Nekropolen begraben. Sakkara ist Ägyptens größte Totenstadt und liegt südlich von Kairo. "Über 3.000 Jahre lang war sie eine der wichtigsten Begräbnisstätten Ägyptens", erklärt der Ägyptologe Mohamed Megahed. "Hier findet man Grabstätten aus der ersten Dynastie vor 5.200 Jahren."
Noch heute zeugen die Pyramiden von Gizeh von der Zeit der ersten Pharaonen, vom Alten Reich und monumentalen Bauten. Das Zeitalter der Pyramiden endete um 2200 vor Christus abrupt.
01.09.2025 | 44:30 minWandzeichnungen in Grabkammern
Die alten Ägypter schmückten die Grabkammern mit detaillierten Wandbildern. Sie glaubten, dass bildliche Darstellungen im Jenseits wirklich werden konnten. Abgebildete Speisen, Werkzeuge und Alltagsszenen sollten die Versorgung des Verstorbenen sichern.
2019 entdeckte Mohamed Megahed in Sakkara das Grab des Würdenträgers Chuwi. Die Wände der Grabkammer zeigen reich gedeckte Tische mit Brot, Früchten, Fleisch, Wein und Bier. "So hat sich Chuwi sein Leben im Jenseits vorgestellt. Glücklich und mit reichlich gutem Essen", sagt Mohamed Megahed.
Tutanchamun ist die Ikone des Alten Ägypten. Dabei zählt der Kindkönig nicht zu den großen Pharaonen der ägyptischen Geschichte. Doch das Bild muss revidiert werden.
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