Biblische Katastrophen: Hat es die Sintflut wirklich gegeben?

Der Mythos Arche Noah:Erzählungen von der Sintflut spiegeln uralte Ängste

von Andreas Singler

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Eine große Flut, die die gesamte Menschheit bedroht. Und ein Boot, das einige Auserwählte rettet. Die Angst vor der Katastrophe ist echt, aber gab es wirklich eine Arche Noah?

Animation: Die Arche auf hoher See

Ein Mann, ein Schiff - und eine Sintflut, die fast alles Leben auslöscht. So erzählt die Bibel die Geschichte von Noah und seiner Arche. Doch gab es diese apokalyptische Katastrophe wirklich?

14.12.2025 | 44:10 min

In der biblischen Erzählung von der Arche Noah wird Gott der Menschen und ihres sündhaften Lebenswandels überdrüssig. Nur eine Familie bleibt verschont: die von Noah. Um ihn, seine Familie und je ein Paar von jedem Tier zu retten, lässt Gott Noah ein Boot bauen. Es soll sie schützen vor der göttlichen Strafe - einer Flut epischen Ausmaßes. So steht es im Buch Genesis des Alten Testaments.

Was ist dran am biblischen Mythos der Arche Noah? Alte Schriften mehrerer Kulturen bezeugen vor allem eines: die Angst der Menschen vor der Flut. Das Alte Testament ist nicht die einzige Quelle, die davon berichtet - auch nicht die älteste. "Es gibt mehrere Mythen über eine Sintflut", erklärt Altorientalistin Lara Bampfield von der Universität Oxford in der ZDFinfo-Dokumentation "Mythen der Bibel - Die Arche Noah".

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Sumerische Quellen - älter als das Alte Testament

So kannte das in Mesopotamien beheimatete Volk der Sumerer eine ähnliche Erzählung. Es ist die Geschichte von König Gilgamesch, der auf der Suche nach Unsterblichkeit einem Mann begegnet, der dieses Stadium schon erreicht hat - Utnapischtim.

Dieser berichtet, dass ein Gott ihm einst geraten habe, ein Boot zu bauen, um sich, seine Frau und die Tiere zu retten. So habe er das göttliche Gericht überlebt. Nachzulesen ist der Gilgamesch-Epos auf alten Tontafeln, verfasst in Keilschrift, einem der ältesten Schriftsysteme der Welt.

Nach ihnen soll Gilgamesch Anfang des 3. Jahrtausends in Uruk regiert haben, einer frühen Metropole im Süden des heutigen Irak. Und die antiken Quellen geben noch mehr Hinweise auf ein großes Flutereignis: Sumerische Königslisten sprechen von einer Flut, die lange vor der Gründung Uruks stattgefunden haben soll.

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Viele Überschwemmungen - aber keine Anzeichen für eine Sintflut

In Uruk suchen Wissenschaftler*innen nach Hinweisen auf die Authentizität der alten Erzählungen von einer verheerenden Sintflut. Anhand von Ablagerungen früherer Flussverläufe des Euphrat kann der irakische Geoärchäologe Jaafar Jotheri nachweisen: "Viele der Ablagerungen stammen von Überschwemmungen." Dafür untersucht Jotheri Gesteinsschichten in einem Steinbruch. Beweise für eine Sintflut? Der Wissenschaftler glaubt nicht daran:

Die eine große Flut gab es nicht in Südmesopotamien.

Dr. Jaafar Jotheri, Geoarchäologe Universität Al-Qadisiyyah im Irak

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Was Tropfsteinhöhlen über Fluten aussagen können

Archäologe Mark Altaweel, Professor für die Archäologie des Nahen Ostens am University College London, verfolgt einen anderen Forschungsansatz. Er analysiert die chemische Beschaffenheit von Stalagmiten aus nordirakischen Höhlen. Sie entstehen durch herabtropfendes Wasser. "Wenig Magnesium deutet auf starken Regen hin", erklärt er seine Methode.

Altaweel forscht im Norden des Irak, wo der Euphrat einen Großteil seines Wassers aufnimmt. Ein Stalagmit habe Jahresringe wie ein Baum, erklärt Altaweel. So kann der Forscher die Niederschlagsmengen der letzten 10.000 Jahre abschätzen. Die Analysen weisen auf eine besonders niederschlagsreiche Phase um 3500 v. Chr. hin.

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Trockenheit führte zu ausgeklügelten Kanalbauten

Wasser war ein Segen für die Menschen im Zweistromland. Die starke Regenphase vor fünfeinhalbtausend Jahren markierte offenbar den Beginn einer unvergleichlichen Blütephase. In dieser Zeit entwickelte sich eine Hochkultur mit komplexen gesellschaftlichen Strukturen, aus der auch die Erfindung der Schrift hervorging.

Was Mark Altaweel anhand der Stalagmiten noch erkennt: Bis 3000 v. Chr. wurde es deutlich trockener. Luftaufnahmen zeigen, dass in dieser Zeit verstärkt gebaut wurde. Dazu gehörten auch ein ausgeklügeltes Kanalsystem und Dämme, die die Städte vor Überschwemmungen schützen sollten.

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Das Bild zeigt eine Frau, die Kleopatra darstellen soll.

Mythos der Sintflut erzählt von Verwundbarkeit

Gleichzeitig, so vermuten Forscher, wagten sich die Stadtbewohner immer näher an die Wasserläufe heran. Das Wasser war einerseits ein Segen, andererseits eine Gefahr: Bei starken Regenfällen liefen die Flüsse über und Deiche brachen.

Diese Unsicherheit hat sich eingebrannt. Die Natur war unberechenbar. Und damit das Leben.

Dr. Mark Altaweel, Professor für die Archäologie des Nahen Ostens am University College London

Vieles spricht dafür, dass der Mythos der Sintflut bei näherer Betrachtung von der Verwundbarkeit früher Zivilisationen erzählt. Mit ihrer klugen Wassernutzung verwandelten sie Wüsten in grüne Landschaften, die ihr Leben verbesserten und ihren Herrschern Macht verliehen. Doch höhere Mächte konnten ihnen dieses Privileg jederzeit wieder entreißen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFinfo in der Sendung "Die Mythen der Bibel - Die Arche Noah" am 02.07.2026 ab 14:15 Uhr.

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