Homo floresiensis: Forscher entdeckten Hobbits von Indonesien

Homo floresiensis war klein:Die Hobbits von Indonesien lebten vor 60.000 Jahren

von Rebecca Ricker

|

In Indonesien entdeckten Forscher ein winziges Skelett und stießen damit auf eine bisher unbekannte Menschenart. Ihre Kleinwüchsigkeit war eine Folge von "Inselverzwergung".

Eine Gruppe Urzeitmenschen in der Steppe, im Gegenlicht sind nur ihre Konturen zu erkennen

Vor rund 70.000 Jahren beginnt sich das Klima in Afrika zu wandeln. Ein Prozess, der dem Homo sapiens neue Lebensräume eröffnet. Er wagt sich über die Grenzen des Kontinents hinaus.

04.05.2026 | 43:57 min

Eigentlich suchten Forscher auf der indonesischen Insel Flores 2003 Spuren des Homo sapiens, der von dort nach Australien gelangte. Doch sie fanden etwas völlig Unerwartetes: ein seltsames Skelett, mindestens 60.000 Jahre alt. Es stammt aus einer Zeit, zu der der Homo sapiens - nach jetzigem Wissensstand - das indonesische Flores noch gar nicht erreicht hatte.

Skelett auf der Insel Flores eine Sensation

Zunächst hielten viele Experten das Skelett für das eines Kindes, denn die Person war kaum größer als ein Meter. Doch als sie den Schädel untersuchten, erkannten sie voll ausgebildete Zähne - es war also der Körper eines Erwachsenen. Die Forscher hatten eine neue Menschenart gefunden und nannten sie Homo floresiensis, "der Mensch von Flores".

Das war unglaublich aufregend. In dem Moment war klar, dass dies ein bedeutender Fund war.

Thomas Sutikna, Archäologe

Der Grabungsbericht machte weltweit Schlagzeilen, sagt Paige Madison, die ein Buch über den Homo floresiensis veröffentlicht hat: "Alle schrieben über die Hobbits aus Indonesien." Der Spitzname kommt von dem Roman "Der Herr der Ringe" von J. R. R. Tolkien, in dem es kleine, menschenähnliche Wesen gibt - die Hobbits.

Ein Steinzeitmensch in einer Höhle, er schlägt Steine aneinander, so dass Funken entstehen.

Die Evolution des Menschen ist geprägt von Aufbrüchen und Rückschlägen. Unsere Geschichte beginnt vor Millionen von Jahren. Sie hätte auch ganz anders ausgehen können.

04.05.2026 | 43:36 min

Homo floresiensis - eine neue Menschenart

Einige Wissenschaftler waren skeptisch, wie die ZDFinfo-Dokumentation "Humans - Geschichte der Menschheit: Aufbruch aus Afrika" zeigt: Gehörte das Skelett nicht doch einfach einem kleinwüchsigen Menschen?

Archäologe Thomas Sutiknas war sich sicher: Es konnte kein Homo sapiens sein, darauf deuteten die Proportionen des Skeletts hin: Die Arme sind relativ lang, die Beine sind sehr kurz. Und die Füße sind groß im Vergleich zum Rest des Körpers.

Sehen Sie die fünfteilige Doku-Reihe "Humans - Geschichte der Menschheit" am 11. Mai ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Homo floresiensis: Das Ergebnis von "Inselverzwergung"

Der Ursprung des Homo floresiensis ist nicht vollends geklärt. Eine Theorie geht davon aus, dass er durch sogenannte Inselverzwergung entstanden ist. Mark Maslin, Experte für Evolutionsgeschichte, erklärt das so: "Auf Inseln passiert etwas Spannendes mit isolierten Populationen: Große Lebewesen werden kleiner und kleine größer." Wenn es keine Fressfeinde gibt, können Tiere viel größer werden. Wenn es wiederum wenig Nahrung gibt, kann eine Art schrumpfen.

So können Ratten gigantisch werden, was ziemlich unheimlich ist, und Elefanten winzig.

Mark Maslin, Experte für Evolutionsgeschichte

Genau das könnte auch die Größe des Homo floresiensis erklären. Eine Theorie geht davon aus, dass der Homo floresiensis vom Homo erectus abstammt: Vor über 70.000 Jahren könnte Treibholz die Vorfahren des Homo floresiensis auf die Insel Flores gebracht haben. Isoliert auf der Insel, mit weniger Nahrung als zuvor, entwickelte sich ihre Körpergröße zurück.

Eine Gruppe jegender Urzeitmenschen in der Steppe, hohes trockenes Grase um sie herum.

Vor rund 40.000 Jahren leben mehrere Menschenarten auf der Welt: in Asien der Denisova-Mensch, in Europa der Neandertaler, und der Homo Sapiens hat sich bis nach Australien ausgebreitet.

04.05.2026 | 44:01 min

Wie sah das Leben des Homo floresiensis aus?

Homo floresiensis scheint nie die Insel verlassen zu haben, außerhalb von Flores gibt es keine Spuren von ihm. Er schien auf der Insel alles gehabt zu haben, was er brauchte. Er ging auf die Jagd nach Stegodons, einem ausgestorbenen Tier, das Elefanten ähnelt.

Auf Flores jagten kleine Menschen kleine Elefanten. Und es gab hier Komodowarane, vor denen sie sich wahrscheinlich in Acht nehmen mussten.

Steven Churchill, Paläontologe an der Duke Universität

Eiszeit, eine Gruppe von Jägern stellt sich einem gewaltigen Mammut.

Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit ziehen die ersten Menschen von Ostasien über eine Landbrücke namens Beringia nach Nordamerika: in eine Welt voller Raubtiere und urzeitlicher Riesen.

04.05.2026 | 44:06 min

Trafen moderne Menschen auf die Hobbits von Indonesien?

Alle Funde vom Homo floresiensis liegen unter einer Sedimentschicht, die bei einem Vulkanausbruch vor 50.000 Jahren entstanden ist. Die ersten Hinweise auf Homo sapiens finden sich erst oberhalb dieser Vulkanablagerungen. Es ist also gut möglich, dass der Homo sapiens die Hobbits von Indonesien nie getroffen hat.

Wie genau der Homo floresiensis ausgestorben ist, kann die Wissenschaft bis heute nicht genau sagen.

Mehrere primitive Strohzelte, daneben zwei Urzeitmenschen.

Als vor rund 12.000 Jahren die letzte Eiszeit endet, ändern die Menschen ihre Lebensweise von Grund auf. Sie geben ihr Dasein als Jäger und Sammler auf und lassen sich dauerhaft nieder.

04.05.2026 | 43:28 min

Über dieses Thema berichtet die Sendung "Humans - Geschichte der Menschheit: Aufbruch aus Afrika", online verfügbar am 04.05.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 10.05.2026 ab 21 Uhr.

Mehr zum Thema Evolution

  1. Ein Vogelei liegt im Grünen. Aus dem Ei ist ein Stück herausgebrochen, darin befindet sich ein Küken.

    Die Erben der Dinosaurier:Warum kleine Vögel die Asteroiden-Apokalypse überlebten

    von Bettina Blaß
    mit Video43:26

  2. Collage: Meteoriten schlagen auf die Erde ein; im Vordergrund ein T-Rex.

    Immer wieder stand der Planet am Abgrund:Die fünf größten Katastrophen der Erdgeschichte

    von Andreas Singler
    mit Video42:46

  3. Ein Triceratops läuft über eine Waldlichtung. Der Saurier hat einen wuchtigen, fassförmigen Rumpf und einen kräftigen Schwanz. Sein gewaltiger Kopf hat ein Nackenschild, zwei Stirnhörner und ein spitzes, schnabelförmiges Maul.

    Hörner und eine "Satellitenschüssel":Wie die Evolution den Triceratops zum Ungeheuer formte

    von Andreas Singler
    mit Video43:54

  4. Ein Vogel mit pinkem und grünem Gefieder sitzt mit geöffnetem Schnabel auf einem kahlen Zweig und plustert sich auf.

    Dinosaurier-Erben:Überleben Vögel sogar den Menschen?

    von Andreas Singler
    mit Video43:26

Weitere ZDFinfo-Dokus

  1. Eiszeit, eine Gruppe von Jägern stellt sich einem gewaltigen Mammut.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Neue Welten

    Video44:06

  2. Ein Steinzeitmensch in einer Höhle, er schlägt Steine aneinander, so dass Funken entstehen.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Vergessene Verwandte

    Video43:36

  3. Mehrere primitive Strohzelte, daneben zwei Urzeitmenschen.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Von Jägern zu Siedlern

    Video43:28

  4. Eine Gruppe jegender Urzeitmenschen in der Steppe, hohes trockenes Grase um sie herum.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Kampf ums Überleben

    Video44:01