Tipps, Tricks und Leitlinien:Medfluencer: So erkennen Sie selbst, wer seriös ist
von Kevin Schubert
Experten warnen vor zahlreichen problematischen Medfluencer-Inhalten. Aber wann ist ein Medfluencer seriös, wann unseriös? Diese Tipps helfen bei der Einordnung.
Experten warnen vor unseriösen Social-Media-Inhalten zu Gesundheitsthemen. Aber was ist unseriös? Diese Tipps können bei der Einordnung helfen.
20.08.2026 | 1:38 minWie schwierig es ist, Inhalte von Medfluencern richtig einzuordnen, hat Raffael Heiss selbst erlebt. Mehrfach war der Gesundheitsexperte mit Kolleginnen und Kollegen an Schulen. Im Rahmen eines Projekts beauftragten sie die Jugendlichen dort, qualitativ hochwertige Inhalte von Medfluencern zu suchen. "Inhalte, bei denen die Jugendlichen wirklich überzeugt sagen: 'Das sind evidenzbasierte Gesundheitsinformationen'", sagt Heiss.
"Die Jugendlichen haben sich nicht nur schwergetan, überhaupt Beispiele zu finden", erzählt der Professor für Gesundheitspolitik und -kommunikation am MCI in Innsbruck. "Auffällig war auch, dass einige der von ihnen als positiv bewerteten Posts kommerzielle Inhalte enthielten, etwa Werbung für Nahrungsergänzungsmittel."
- Ärztinnen und Ärzte,
- Medizinstudenten,
- oder Pflegekräfte.
Auch Patienten spielen eine Rolle - etwa Betroffene chronischer Krankheiten, die Erfahrungen im Gesundheitsbereich teilten. Darüber hinaus gibt es thematische Überschneidungen mit anderen Gesundheits-Influencern, etwa Ernährungsberatern oder Fitnesscoaches.
Quellen: Stiftung Gesundheitswissen; Rafael Heiss, Professor für Gesundheitspolitik und -kommunikation am MCI in Innsbruck
Philip Jones, Gründer der Agentur Medservation, geht aktuell von "Tausenden" Medfluencern in Deutschland aus. In der Vergangenheit führte Jones mit seiner Agentur, die selbst Medfluencer vertritt, eine Datenbank. "Aber wir haben die Aktualisierung vor zwei Jahren eingestellt", sagt Jones. Es seien einfach zu viele Influencer geworden, der Markt in den vergangenen Jahren "extrem gewachsen". Die erfolgreichsten deutschen Medfluencer erreichen ein Millionen-Publikum.
Heiss' Beobachtung deckt sich mit anderen Untersuchungen. "Gesundheitsinformationen unterscheiden und bewerten zu können, fällt einem großen Teil der Bevölkerung in Deutschland schwer", sagt Ralf Suhr, Arzt und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen. "Mehr als siebzig Prozent verfügen über eine geringe digitale Gesundheitskompetenz", verweist Suhr auf eine Studie der Universität Bielefeld.
Woher weiß ich, ob ein Medfluencer seriös ist?
Sowohl die Wissenschaftler in Innsbruck als auch die Stiftung Gesundheitswissen haben Checklisten entwickelt, mit denen jeder herausfinden kann, ob Inhalte seriös oder unqualifiziert sind. ZDFheute hat sie zu fünf Punkten zusammengefasst:
- Expertise und Identität: Tritt ein Medfluencer mit Klarnamen auf? Bringt er eine verifizierbare Qualifikation mit? Passt die Expertise zum Thema des Inhalts?
- Evidenz und Quellenarbeit: Gibt es für Tatsachenbehauptungen Belege und wissenschaftliche Studien? Werden sie direkt mitgeliefert? Werden persönliche Erfahrungsberichte als solche eingeordnet, ohne dass daraus eine allgemeine Wirksamkeit abgeleitet wird?
- Intention und Unabhängigkeit: Kommt Werbung vor? Werden kommerzielle Interessen, etwa wirtschaftliche Kooperationen mit Dritten, transparent gemacht? Steht die Vermittlung von Gesundheitsinformationen im Vordergrund - oder der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen?
- Darstellung und Ausgewogenheit: Werden Informationen ausgewogen und sachlich vermittelt? Werden Heilversprechen oder Hinweise auf Wundermittel vermieden? Wird auf Angstmache verzichtet?
- Eigene Grenzen transparent kommunizieren: Wird klar, dass der Inhalt weder eine individuelle Diagnostik noch eine persönliche ärztliche oder therapeutische Beratung ersetzen kann?
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19.05.2026 | 36:34 minWoran erkenne ich unseriöse Medfluencer?
Klare Warnzeichen sind laut der Stiftung Gesundheitswissen beispielsweise irreführende Titel ohne geschützte Berufsbezeichnung - etwa "Health Coach", "Ganzheitlicher Experte" oder "Vitalitäts-Trainer". Der ebenfalls nicht geschützte Begriff "Doc" mit "c" suggeriert oft ein abgeschlossenes Medizinstudium, kann aber von jedem verwendet werden.
Die Stiftung Gesundheitswissen warnt zudem vor kommerziellen Interessenkonflikten, etwa finanziellen Eigeninteressen bei Eigenmarken, Provisionen oder Rabattaktionen. Problematisch sei auch, wenn solche Verkaufsabsichten oder Konflikte versteckt würden.
Ein "absolutes Alarmsignal" ist laut Stiftung, wenn Medfluencer von medizinisch indizierten Behandlungen abraten oder Ferndiagnosen ohne ärztliche Approbation geben. Auch Heilungsversprechen wie "in sieben Tagen beschwerdefrei" würden der medizinischen Realität widersprechen. Das Heilmittelwerbegesetz (§3) verbietet sogar irreführende Werbung, die fälschlich den Eindruck erweckt, "dass ein Erfolg mit Sicherheit erwartet werden kann".
Raffael Heiss warnt zudem vor Inhalten, die unspezifische Beschwerden als Warnzeichen für Erkrankungen oder Mangelzustände darstellen und dadurch Ängste oder Selbstoptimierungsdruck erzeugen können.
Unter den Links finden Sie weitere Tipps:
- Checkliste des Projekts "Health Influencers on Social Media"
- Übersicht der Stiftung Gesundheitswissen
Worauf kann ich im Umgang mit Medfluencern noch achten?
Die Stiftung Gesundheitswissen empfiehlt gegenüber ZDFheute unter anderem diese Verhaltensregeln für einen sicheren Umgang mit Gesundheitsinformationen im Netz:
- Social Media dient der Orientierung, nicht der Diagnose: Medfluencer-Beiträge als Impuls für ein Gespräch mit behandelnder Arztpraxis verstehen.
- Vier-Augen-Prinzip: Aussagen mit unabhängigen, evidenzbasierten Gesundheitsportalen abgleichen, etwa gesund.bund.de (Bundesgesundheitsministerium), gesundheitsinformation.de (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), rki.de (Robert-Koch-Institut) oder das Portal der Stiftung Gesundheitswissen.
- Skepsis bei Anekdoten: Einzelfallberichte ("Mir hat es geholfen!") nicht mit wissenschaftlicher Evidenz verwechseln.
- Plattformlogiken hinterfragen: Social-Media-Algorithmen zeigen verstärkt ähnliche, möglicherweise einseitige Inhalte an.
Wie verbreitet sind unseriöse Medfluencer?
Die Stiftung Gesundheitswissen fasst die Lage in Deutschland für ZDFheute so zusammen:
Zwar gibt es eine wachsende und hoch engagierte Gruppe qualifizierter Medfluencer, doch stehen sie zahlreichen Inhalten gegenüber, die ungeprüfte Nahrungsergänzungsmittel, Wellnesstrends und Schönheitsoptimierungen vermarkten.
Stiftung Gesundheitswissen
- Nach Skandal um Alina Walbrun: Was unseriöse Medfluencer so gefährlich macht
Was kann ich machen, wenn Medfluencer unseriöse Inhalte verbreiten?
Zunächst kann ich prüfen, ob ein Medfluencer mit seinem Beitrag gegen Gesetze in Deutschland verstößt, etwa das Heilmittelwerbegesetz. Samuel Kirsch von der ZDF-Redaktion Recht & Justiz erklärt im Video, was Medfluencer dürfen - und was nicht:
Werbung im Gesundheitsbereich ist streng reguliert, unter anderem durch das Heilmittelwerbegesetz. Was Influencer dürfen, erklären wir im Video.
20.08.2026 | 2:17 minWer glaubt, dass ein Inhalt gegen Regeln verstößt, kann ihn melden. Das geht direkt über die Meldefunktionen der Plattformen, aber es gibt auch andere Möglichkeiten. "Bei Verdacht auf verdeckte Werbung, Schleichwerbung oder fehlende Transparenz in kommerziellen Beiträgen sind die Landesmedienanstalten der jeweiligen Bundesländer die zuständigen Prüfbehörden", schreibt die Stiftung Gesundheitswissen.
Auch Verbraucherzentralen sind laut der Stiftung ein guter Ansprechpartner. Das Team "Faktencheck Gesundheitswerbung" der Verbraucherzentrale prüft beispielsweise Gesundheitswerbung und informiert auf Instagram über dubiose Trends oder Versprechen.
"Verstoßen approbierte Ärztinnen und Ärzte gegen berufsrechtliche Vorgaben - etwa durch Abgabe von Ferndiagnosen, Schleichwerbung oder Verbreitung wissenschaftlich unhaltbarer Aussagen - prüft die Berufsaufsicht der zuständigen Landesärztekammer mögliche Berufsverstöße und kann gegebenenfalls weitere berufsrechtliche Schritte einleiten", erklärt die Stiftung Gesundheitswissen.
Influencer müssen in Spanien von ihnen verbreitete Falschinformationen richtigstellen.
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