Erfolge bei Immuntherapie:Durchbruch in der Krebsbehandlung?
von Cornelia Schiemenz
Eine neue Therapie lässt schwerkranke Patienten hoffen: In Studien konnten Krebsforscher bisher unheilbare Tumore erfolgreich behandeln durch genetische Veränderung von Zellen.
Bei einer neuen Gentherapie werden körpereigene Abwehrzellen entnommen und daraufhin programmiert, Tumorzellen zu bekämpfen. Die Therapie befindet sich noch im Studienstadium, zeigt aber erste Erfolge.
07.07.2026 | 2:46 minChristiane Jungermann erhielt vor neun Jahren die Diagnose schwarzer Hautkrebs. Alle herkömmlichen Krebstherapien halfen bei der 41-jährigen Dresdnerin nicht. Die Ärzte fanden Metastasen in Brust und Gehirn.
Sie galt als austherapiert, wurde palliativ am Krebsforschungszentrum in Dresden versorgt. Dann bot ihr das Universitätsklinikum eine neue, noch nicht zugelassene Therapie an. Und diese schlug an.
"Natürlich habe ich durch neun Jahre Therapie viele Nebenwirkungen und auch bleibende Schäden" sagt Christiane Jungermann im Gespräch mit ZDFheute. "Aber insgesamt bin ich sehr, sehr froh, dass ich jetzt metastasenfrei bin und in den Scans nichts mehr zu sehen ist. Mehr kann ich mir im Moment nicht wünschen," so die IT-Projektmanagerin.
Die Zahl der Hautkrebspatienten in Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt.
28.05.2026 | 0:23 minNeue Krebstherapie: T-Zellen werden gentechnisch verändert
Im Rahmen einer experimentellen Gen- und Zelltherapie wurden Christiane Jungermann körpereigene Abwehrzellen - die T-Zellen - entnommen, gentechnisch verändert, und ihr wieder zugeführt. Das war vor zwei Jahren. Die engmaschigen Kontrollen - erst alle sechs Wochen, inzwischen aller drei Monate - zeigen seit einem halben Jahr keine Metastasen mehr.
Professor Martin Wermke ist einer der führenden Krebsforscher Deutschlands und führte im Rahmen einer klinischen Studie die Therapie durch.
Wir entnehmen die körpereigenen T-Zellen, verändern sie gentechnisch und weisen ihnen damit eine neue Richtung, eine neue Aufgabe zu.
Martin Wermke, Universität Dresden
"Sie haben so ein neues Ziel: die Tumorzelle, die das Merkmal PRAME aufweist, was typischerweise bei Melanomen, aber auch bei vielen anderen Krebserkrankungen ausgebildet wird", sagt Wermke.
Die gentechnisch veränderten körpereigenen Abwehrzellen richten sich somit gegen die Tumorzellen und zerstören sie im besten Fall. Möglicherweise eine neue individualisierte Therapie für Krebspatienten.
Lange Zeit hielt er seine schwere Erkrankung geheim: Johann Lafer ist an Lymphdrüsenkrebs erkrankt.
01.06.2026 | 1:42 minGenmaterial wird in den USA bearbeitet
In Dresden kommen jährlich circa 30 bis 40 Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen neu in die Studie. In einer einmaligen vierstündigen Sitzung wird aus dem Blut T-Zellen-Material entnommen, dieses wird nach Houston in Amerika geschickt. Die deutsche Biotechnologie-Firma Immatics verwandelt sie dort gentechnisch, schickt die veränderten T-Zellen nach Dresden zurück.
Noch ist die Gen-Therapie im Früh-Entwicklungs-Stadium. Der medizinische Leiter von Immatics, Dr. Cedrik Britten, sieht die Therapie auf einem sehr guten Weg.
Von einem echten Durchbruch können wir aber erst sprechen, wenn wir unsere Zelltherapien bis zur erfolgreichen Zulassung entwickelt haben, und dann zeigen können, dass diese Therapien langfristig vielen Patienten und Patientinnen helfen.
Cedrik Britten, Biotechnologie-Firma Immatics
Möglicherweise könnte die Zulassung in Amerika bereits 2027 erfolgen.
Neue Krebstherapie ist Innovation deutscher Forscher
Krebsforscher Professor Wermke spricht bereits von einem Durchbruch. "Ich bin sehr davon überzeugt, weil ich die Patienten in der Klinik sehe, die diese Zelltherapie bekommen in Abwägung zur herkömmlichen Therapie."
Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten. Jährlich erkranken etwa 55.000 Menschen - mehr Männer als Frauen. Durch Vorsorge ließen sich bis zu 80 Prozent der Fälle verhindern.
27.03.2026 | 2:47 minEine Gen- und Zelltherapie, die neben Hautkrebs auch bei Eierstockkrebs und Lungenkrebs funktioniert. Dabei handelt es sich um eine deutsche Innovationskette.
Auf dieses Zusammenspiel bin ich stolz. Es zeigt, was in diesem Land alles möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.
Martin Wermke, Universität Dresden
"Nicht nur in den USA, sondern hier mit unseren Unternehmen, unseren Universitäten, unseren Patienten", so Professor Wermke.
Christiane Jungermann hat noch immer bei jeder Nachkontrolle Herzklopfen und große Hoffnung, dass sie metastasenfrei bleibt. Dass das Wunder anhält. "Auf jeden Fall bin ich unheimlich dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, in diese Studie zu kommen. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass ich meine Tochter aufwachsen sehen kann," so Christiane Jungermann. Ihre Tochter ist sieben Jahre alt.
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