Glücklich sein trotz Krise: Was dabei helfen kann

Interview

Gesundheitsforscher Esch:Wie Glück in Krisenzeiten möglich ist

von Patricia Schäfer und Pauline Fester

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Was ist Glück - und wie findet man es auch in Krisenzeiten? Gesundheitsforscher Tobias Esch erklärt, dass wir es lernen können und warum Glück kein Luxus ist.

Mann mit geschlossenen Augen auf einer Bank

Wie kann man Glück empfinden, in einer Zeit von wirtschaftlicher Unsicherheit, gesellschaftlichen Debatten und globalen Krisen?

20.03.2026 | 1:50 min

Krisen, Stress, schlechte Nachrichten - und trotzdem glücklich sein? Für den Gesundheitsforscher und Neurowissenschaftler Tobias Esch ist Glück kein Wellness-Zusatz, sondern biologisch verankert. Warum Zufriedenheit wichtiger ist als perfekte Umstände - und was wir konkret dafür tun können.

ZDFheute: Herr Professor Esch, was ist eigentlich Glück?

Tobias Esch: Glück ist ein Gefühl. Es ist nicht etwas, was man hat oder nicht hat oder was man sich kaufen kann, sondern, wenn das Belohnungssystem im Gehirn sagt: Was du jetzt gerade erlebst, ist lohnenswert.

ZDFheute: Kann man Glück lernen?

Esch: Ja, Glück ist tatsächlich etwas, was zum allergrößten Teil nicht in den Genen festgelegt ist, sondern etwas, was wir zum übergroßen Teil gestalten können. Es ist immer die Frage, was kann ich tun? Es beginnt immer bei mir.

Glücklich sein in schweren Zeiten

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20.03.2025 | 2:49 min

ZDFheute: Und was kann ich selbst tun?

Esch: Das Wichtigste ist zunächst erst mal anzuerkennen, dass Dinge auch schwierig sein können. Also nicht davor weglaufen. Wichtig ist auch, auf sich selbst Acht zu geben und sinnlich zu werden. Zu riechen, zu schmecken, ganz anwesend zu sein.

Für die Glückshormone gibt es außerdem kaum etwas Schöneres, als sich zu körperlich zu bewegen. Motivation heißt Bewegung, wortwörtlich.

Prof. Dr. Tobias Esch, Gesundheitsforscher

Ganz wichtig: Die Dinge, die gut gelaufen sind, auch wertzuschätzen. Die kleinen Momente - wie das Lächeln, das mir jemand gab, wenn er mir die Tür aufgehalten hat. Ruhig auch ein kleines Tagebuch führen für solche Momente des Glücks. Und dann Dinge, die mich inspirieren. Ob das Musik ist, die Natur oder der Glaube. Wissen, wofür man morgens aufsteht.

Prof. Dr. Tobias Esch, Neuro- und Gesundheitsforscher
Quelle: Universität Witten/Herdecke

... ist Mediziner, Neuro- und Gesundheitsforscher an der Universität Witten/Herdecke. Er forscht zu den neurobiologischen und psychologischen Grundlagen von Glück und Zufriedenheit.


ZDFheute: Sind gesunde Menschen glücklicher?

Esch: Das ist eine Annahme, die wir oft haben. Aber unsere Forschung zeigt eindeutig: Je älter wir werden, desto mehr emanzipiert sich das Glück von der Gesundheit. Statistisch gesehen sind wir in der zweiten Lebenshälfte nicht mehr so gesund wie in der ersten und trotzdem am zufriedensten.

Die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist chronisch krank, überproportional die Älteren, und doch sind genau jene eher glücklich - wir nennen das auch das Zufriedenheitsparadoxon.

Also wird andersherum ein Schuh draus:

Menschen, die zufriedener und glücklicher sind, haben in der Regel ein längeres und gesünderes Leben.

Prof. Dr. Tobias Esch, Gesundheitsforscher

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ZDFheute: Die Krisen der Welt prasseln gerade auf uns ein. Wie kann man da überhaupt glücklich sein?

Esch: Zunächst ist wichtig anzuerkennen, dass Glück nicht einfach nur nice to have ist. Glück ist etwas biologisch Uraltes. Das kommt aus der Evolution über Jahrmillionen, schon bei ganz einfachen Lebewesen finden wir die Vorboten. Es zeigt uns an, wo wir lang gehen sollen, wovon wir mehr haben müssen, wie wir wachsen können. Es ist auch nicht egoistisch, glücklich sein zu wollen.

Gerade in Krisenzeiten ist es besonders wichtig, sich um die innere Zufriedenheit zu kümmern.

Prof. Dr. Tobias Esch, Gesundheitsforscher

ZDFheute: Sollte man sich vor schlechten Nachrichten schützen?

Esch: Wenn wir "Krise" hören, neigen wir dazu, unser Stress-System zu aktivieren. Das kann auf Dauer ungesund sein. Aber es ist kein guter Rat, die Krise auszublenden. Denn Krisen gehören zum Leben dazu und wir wachsen eben auch darin. Es ist allerdings eine Frage der Dosis und der Dauer.

Man kann sich fragen: Muss ich das in der Dauerschleife haben? Oder kann ich für mich den Moment wählen und mache deswegen eine Pause; oder ich dosiere das Maß an negativen oder schwierigen Nachrichten, die ich aufnehme.

ein Glücksschwein auf dem Schutzblech eines Fahrrads

Ist Glück eine Frage des Zufalls oder können wir selbst etwas dafür tun? Was Glück aus wissenschaftlicher Sicht bedeutet und welche kleinen Schritte wirklich helfen, um zufriedener zu werden.

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ZDFheute: Was passiert in unserem Körper, wenn wir Glück empfinden?

Esch: Wir kennen drei Arten des Glücks. Das erste ist die Vorfreude. Da sind Botenstoffe wie zum Beispiel Dopamin im Gehirn führend, zum Beispiel wenn wir ekstatisch oder verliebt sind und quasi von Glücksmoment zu Glücksmoment gehen.

Das zweite ist das Erleichterungsglück, wenn ich etwas Unangenehmes vermeiden oder eine Pause davon einlegen kann, wenn die Stresshormone absinken. Und das dritte dann: das Gefühl der Verbundenheit mit uns selbst, der Welt und den Menschen um uns herum.

Das nennen wir die Königsdisziplin, die Verbundenheit.

Prof. Dr. Tobias Esch, Gesundheitsforscher

ZDFheute: Sind Sie aktuell glücklich?

Esch: Wenn wir die Grundbedürfnisse des Menschen anschauen, nämlich das Bedürfnis nach Sicherheit, Autonomie, Freiheit; dann: in Beziehung mit anderen Menschen zu sein; und schließlich das dritte Bedürfnis: sich zu entwickeln, zu wachsen. Dann würde ich mich auf einer Skala von 1 bis 10 aktuell auf einer 7 einordnen. Also, eigentlich gut.

smileyaufkleber auf der heckscheibe eines autos

Dänen schreibt man oft Entspanntheit und gute Laune zu. Zusammen draußen an der frischen Luft sein, Vertrauen und Beständigkeit tragen dazu bei. In Kopenhagen gibt es sogar ein Glücks-Museum.

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Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 20.03.2026 ab 14 Uhr.

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