Wirtschaft in Deutschland: Schlechte Prognosen, stabile Zahlen

Die Aussagekraft von Konjunkturzahlen:Reden Ökonomen die deutsche Wirtschaft schlecht?

von Susanne Pohlmann

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Mal wieder rechneten Wirtschaftsprognosen mit einer Stagnation, die Zahlen blieben aber leicht im Plus. Sehen deutsche Ökonomen zu schwarz oder steht die große Krise noch bevor?

Deutschlands Wirtschaft etwas gewachsen

Die Wirtschaftszahlen sind in vielen Bereichen besser als erhofft. Aber wie lässt sich das Gesamtbild beschreiben? Sina Mainitz aus dem ZDF-Wirtschaftsteam ordnet ein.

22.05.2026 | 1:37 min

Zahlen bringen Klarheit, sind unbestechlich und genau. So möchte man meinen - und es stimmt auch oft. Wer sich aber ein wenig mit Statistik beschäftigt, weiß: Zahlen sind auch interpretierbar. Die Sicht auf sie verändert sich, sobald man Vergleichszahlen hat. Und man kann Zahlen durchaus optimistisch oder pessimistisch beurteilen und aus denselben Zahlen unterschiedliche Schlüsse ziehen.

BIP für Deutschland höher als erwartet

Überraschend ist die Wirtschaft in Deutschland im ersten Quartal stärker gewachsen als gedacht. Zuletzt hatten sowohl das Bundeswirtschaftsministerium als auch die Bundesbank eine Stagnation prognostiziert. Wie das Statistische Bundesamt (destatis) errechnete, legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Für Ökonom Marc Schattenberg ein positives Signal.

Nachdem sich für Q1 die solide Wachstumsrate von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal bestätigt hat, halten wir im Gesamtjahr 2026 noch ein Wachstum von 0,5 Prozent für möglich.

Marc Schattenberg, Volkswirt, Deutsche Bank Research

Für Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der Kreditanstalt für Wiederaufbau, braucht die Quartalszahl eine Einordnung ins Weltgeschehen: "Das Wachstum im ersten Quartal entsprach meiner Erwartung. Die Entwicklung deutet auf eine Aufhellung der konjunkturellen Lage hin." Schumacher weist allerdings darauf hin, dass die Daten für das erste Quartal überwiegend die Lage vor dem Iran-Krieg darstellten. "Sie sind deshalb kein guter Gradmesser für den weiteren Konjunkturverlauf."

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Zunahme bei Exporten sorgt für Wachstum

Die derzeitige Aufhellung am Wirtschaftshimmel wird vor allem durch den Anstieg der Exporte hervorgerufen. Der Außenhandel nahm im ersten Quartal kräftig zu. Insgesamt wurden 3,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, während es im letzten Quartal 2025 noch klar in die andere Richtung ging.

Vor allem die gestiegenen Exporte von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sowie Metallen halfen der positiven Entwicklung zu Jahresanfang. Die Importe erhöhten sich zu Jahresbeginn insgesamt nur leicht, um 0,1 Prozent.

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Konsumausgaben gespalten

Bei den Konsumausgaben zeigt sich, dass Zahlen zusammengenommen weniger klar werden, auch etwas verbergen können: Insgesamt wurde zu Beginn des Jahres etwas mehr Geld ausgegeben als im Quartal davor, ein Plus von 0,4 Prozent. Doch es ist vor allem der Staat, der mit plus 1,1 Prozent deutlich mehr ausgab. Die privaten Verbraucher gaben nicht mehr aus als im letzten Quartal - und damit weniger als ursprünglich erwartet.

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Prognosen weiter verhalten

Die Führungskräfte in den Chefetagen der deutschen Unternehmen sind im Vergleich zum Vormonat etwas weniger pessimistisch. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo-Instituts stieg im Mai um 0,5 Punkte auf 84,9 Punkte. Ist das also ein guter Wert? Ja, wenn man weiß, dass Ökonomen mit einem Rückgang gerechnet hatten.

Zur aktuellen Lage äußert sich ifo-Chef Clemens Fuest zurückhaltend: "Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich vorerst, die Lage bleibt aber fragil."

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KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher rechnet aufgrund des rasanten Anstiegs der Energiepreise mit einem kleinen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal. "Wie es dann weitergeht, hängt entscheidend davon ab, ob die Straße von Hormus im zweiten Quartal wieder geöffnet wird." Er selbst geht von einer graduellen Beruhigung des Ölpreises aus. "Das dürfte - gemeinsam mit dem Impuls durch das Fiskalpaket der Bundesregierung - wieder zu moderatem Wachstum in der zweiten Jahreshälfte führen."

Zahlen erzählen also nur die halbe Geschichte: Wie es weitergeht, entscheidet sich nicht allein in den Statistiken, sondern auch in geopolitischen Konflikten, Energiepreisen und der Stimmung in den Chefetagen.

Susanne Pohlmann ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 22.05.2026 ab 22 Uhr.

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