Thyssenkrupp im Umbruch - Unmut bei Beschäftigten

Hauptversammlung:Thyssenkrupp im Umbruch - Unmut bei Beschäftigten

von Ralph Goldmann und Lothar Becker

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Am Rande des Aktionärstreffens demonstrieren Thyssenkrupp-Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, während der Konzern den Anteilseignern wieder eine Dividende zahlt.

Protest gegen Kündigung

Die Stahlbranche steht unter Druck, weshalb sich die Thyssenkrupp neu aufstellen will. Viele Stellen sollen abgebaut werden, gleichzeitig wurde heute die Ausschüttung einer Dividende beschlossen.

30.01.2026 | 2:02 min

Schon lange vor Beginn der Hauptversammlung haben sich mehrere Hundert Beschäftigte der Thyssenkrupp-Stahlsparte TKSE vor dem Bochumer Ruhr-Kongress versammelt. Von derzeit noch 27.000 Arbeitsplätzen will der Mutterkonzern 11.000 auslagern und Teile davon im schlimmsten Fall ganz streichen. Die Produktion soll deutlich heruntergefahren werden.

Zwar will der Konzern bis 2030 betriebsbedingte Kündigungen vermeiden, doch es gibt Gehaltseinbußen. Viele Beschäftigte haben Angst um ihre Jobs. Gerd Panteleit arbeitet schon seit 46 Jahren im Duisburger Hüttenwerk, davon 38 Jahre bei der Werksfeuerwehr. Er gibt sich kämpferisch:

Ich möchte hier in Frieden und Ruhe in Rente gehen und ich möchte, dass meine Kollegen ihre Arbeitsplätze behalten. Das ist doch klar, dass man sich dafür auch mal in die Kälte stellt.

Gerd Panteleit, Werksfeuerwehr Hüttenwerk HKM

Das HKM-Werk mit 3.000 Beschäftigten gehört zur Hälfte der Thyssenkrupp-Stahltochter und zählt zu den führenden Rohstahl-Herstellern und liefert Material für die verarbeitende Industrie in Deutschland. Doch die Zukunft ist ungewiss: TKSE will das Werk verkaufen oder schließen. Eine Einigung mit den beiden anderen Miteigentümern ist derzeit nicht in Sicht.

Herstellung von Stahl

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Stahlmengen werden nicht mehr benötigt

Miguel Lopez, Vorstandsvorsitzender der Thyssenkrupp AG, bekräftigte im Gespräch mit dem ZDF am Rande der Hauptversammlung, er habe durchaus ein Interesse daran, die Geschäfte von HKM weiterzuführen und könne die Sorgen und Nöte der Beschäftigten verstehen, schränkt allerdings auch ein:

Wir brauchen die Mengen perspektivisch nicht, die dort produziert werden. Und wenn die Menge nicht benötigt wird, dann müssen wir natürlich auch die Kapazitäten anpassen.

Miguel Lopez, Vorstandsvorsitzender Thyssenkrupp AG

Was die Beschäftigten besonders ärgert: Während sie auf der einen Seite Lohnkürzungen und sogar den Verlust ihrer Jobs befürchten müssen, zahlt der Mutterkonzern den Aktionären eine Dividende von 15 Cent je Aktie. Insgesamt schüttet Thyssenkrupp so etwa 93 Millionen Euro aus. Gerd Panteleit hat dafür kein Verständnis:

Das zeigt mir sehr deutlich, was die Arbeitgeber von uns Malochern halten. Deswegen sind wir heute hier. Das muss krachen.

Gerd Panteleit, Werksfeuerwehr HKM

Das Hüttenwerk ist derzeit nicht die einzige offene Baustelle bei Thyssenkrupp. Der indische Stahlkonzern Jindal will die Stahlsparte komplett übernehmen und verhandelt darüber derzeit mit Thyssenkrupp. Offenbar fordert Jindal von TKSE, noch mehr als die bisher im Sanierungstarifvertrag vorgesehenen 11.000 Arbeitsplätze abzubauen.

Thyssenkrupp

Thyssenkrupp plant einen radikalen Umbau. Das Unternehmen soll in eine Holding umgewandelt werden, alle Geschäftsbereiche verselbstständigen und für Dritte öffnen, um eine strategische Neuausrichtung zu erreichen.

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Zudem scheint es Vorbehalte wegen der hohen Pensionslasten bei der Stahlsparte zu geben. Miguel Lopez zeigte sich dennoch zuversichtlich, zu einer Einigung zu kommen:

Die Wettbewerbsfähigkeit ist zu gering und jetzt besteht die Chance, einen Partner zu finden, der auch die Stahlsparte ein Stück weit wieder aufbauen könnte.

Miguel Lopez, Vorstandsvorsitzender Thyssenkrupp

Die Diskussionen um HKM und Jindal treffen Thyssenkrupp in einer Phase des Umbruchs. Die einzelnen Geschäftsbereiche sollen unter dem Dach einer Finanzholding selbständig werden, die Aktiengesellschaft aber größter Aktionär bleiben.

Thyssenkrupp-Töchter gehen an die Börse

Die Aufzugs-Sparte Elevators wurde für mehr als 17 Milliarden Euro verkauft, der Anlagenbauer Nucera an die Börse gebracht, ebenso der florierende U-Boot- und Schiffsbauer TKMS. Der Werkstoffhandel Material Services, der schwächelnde Automobilzulieferer Automotive Technology und Decarbon Technology, der Technologien zur CO2-Reduktion entwickelt, sollen folgen.

Die Sonne scheint auf die Schiffbauhalle von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS).

Der Konzern Thyssenkrupp hat die Marine-Tochter TKMS an die Börse gebracht.

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Ziel sei, dass jedes einzelne Unternehmen weiterwachse, so Miguel Lopez: "Das stärkt die Standorte und das ist gut für die Arbeitsplätze. Wir wollen natürlich perspektivisch mit dem Wachstum zusätzliche Arbeitsplätze schaffen."

Die Börse scheint die Pläne jedenfalls zu honorieren: Der Aktienkurs befindet sich seit mehr als einem Jahr auf Höhenflug. Vom absoluten Tief um die zwei Euro kletterte das Papier auf aktuell über elf Euro.

Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 30.01.2026 ab 14:00 Uhr.

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