Sparpläne bei Mercedes: Zehntausende Beschäftigte protestieren

"Druck und Angst sind keine Strategie":Sparpläne bei Mercedes: Zehntausende protestieren

von Laura Ozdoba und Pablo Silalahi, Stuttgart

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Länger arbeiten ohne Lohnausgleich, Produktionsverlagerungen: Bundesweit mehr als 30.000 Mercedes-Beschäftigte haben gegen die Sparpläne des Autobauers demonstriert.

Baden-Württemberg, Sindelfingen: Proteste an einem Eingang zum Mercedes-Benz Werk.

Zehntausende Beschäftigte haben laut den Gewerkschaften gegen die Sparpläne des Autokonzerns Mercedes-Benz protestiert. Die IG Metall fordert eine aktive Industriepolitik.

03.07.2026 | 1:27 min

Mit einer bundesweiten Protestaktion haben die Mitarbeitenden von Mercedes-Benz am Freitagmorgen ihrem Ärger über den Sparkurs ihres Arbeitgebers Luft gemacht. Gegenüber ZDFheute kritisierte eine der Demonstrierenden vor dem Werkstor in Stuttgart-Untertürkheim:

Man versucht, strategische Fehler auf dem Rücken der Mitarbeiter auszubaden.

Michaela Jung, Mitarbeiterin von Mercedes-Benz

"Druck und Angst ersetzen keine Strategie", hieß es auf einem der Plakate.

Aufgerufen zu der Aktion hatte die IG Metall. Nach Angaben der Gewerkschaft nahmen bundesweit mehr als 33.000 Beschäftigte teil. Sie demonstrierten demnach "gegen eine unbezahlte Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, Einschnitte bei tariflichen Leistungen, überzogene Dividenden und einen Kürzungskurs des Konzerns auf dem Rücken der Belegschaft".

Pablo Silalahi berichtet vor dem Mercedes-Werk in Stuttgart

Nach einem Aufruf der IG Metall protestieren viele Beschäftigte im Mercedes-Werk in Stuttgart-Untertürkheim. Sie seien "extrem verunsichert", berichtet ZDF-Reporter Silalahi.

03.07.2026 | 0:33 min

Mercedes-Plan: Mehr Arbeit für das gleiche Geld

Ende vergangener Woche hatte der Vorstand von Mercedes-Benz die Beschäftigten in einem Schreiben informiert, dass man "weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken" müsse, um bei den Preisen für die Produkte wettbewerbsfähig zu bleiben.

Trotz all unserer Anstrengung ist die Situation heute in Deutschland dramatisch.

Mitteilung von Mercedes-Benz

Etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland erhalten demnach als Sofortmaßnahme nicht wie erwartet im Juli eine tarifliche Sonderzahlung. Diese werde auf das kommende Jahr verschoben, hieß es in dem Schreiben. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden.

Das beleuchtete Mercedes Benz Autohaus in München ist zu sehen.

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Zugleich will das Management mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen, wie das Unternehmen mitteilte. Laut Tarifvertrag arbeiten die Beschäftigten zurzeit 35 Stunden in der Woche. 

Experte: Geschäftsmodell funktioniert so nicht

Die Beschäftigung ist nach Einschätzung von Automobilexperte Stefan Reindl nur einer der Hebel, die Mercedes-Benz anfassen muss. Denn der Konzern kämpft mit Renditeproblemen, strategischen Fehlentscheidungen und den Problemen des Industriestandorts Deutschland ganz allgemein.

Die Beschäftigung sei schon mit einer "ordentlichen Produktivität" unterwegs, sagte Reindl. "Allerdings mit einer relativ kurzen Jahresarbeitszeit." Gegenüber ZDFheute betonte der Experte:

Mercedes muss massiv umbauen.

Stefan Reindl, Automobilexperte

Einerseits, was die Strategien angehe. Andererseits funktioniere das Geschäftsmodell des Exportgeschäfts so nicht mehr. Mit Blick auf die Hauptabsatzmärkte USA und China heißt das laut Reindl: "Wir müssen eher lokal entwickeln und produzieren."

E-Autos am Ladekabel

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IG Metall: Klares Signal der Politik nötig

Auf Gewerkschafts-Seite sorgt der aktuelle Kurs des Mercedes-Vorstands für Unmut: "Während Aktionäre mehr als ordentlich profitieren, sollen die Beschäftigten ihre vertraglich festgeschriebenen Rechte opfern? Sicher nicht! So verspielt man Zukunft und Vertrauen", kritisierte IG-Metall-Chefin Christiane Benner am Freitag in Düsseldorf.

Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liege in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte. Dabei sei ein klares Signal der Politik nötig. "Der industrielle Kern dieses Landes darf nicht ausgehöhlt werden", sagte Benner.

Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, die Transformation absichert - mit Investitionen, klaren Standortzusagen und guten Jobs.

Christiane Benner, IG-Metall-Chefin

35-Stunden-Woche "kein Auslaufmodell"

Die Bezirksleiterin der IG Metall in Baden-Württemberg, Barbara Resch, sagte in Rastatt, die 35-Stunden-Woche sei kein Auslaufmodell - gute Tarifverträge seien kein Standortnachteil und Beschäftigte seien keine Verfügungsmasse. Mit der tariflichen Zukunftssicherung seien die Beschäftigten bei Mercedes-Benz in Vorleistung gegangen. Jetzt müsse das Management liefern.

Ein Mitarbeiter arbeitet an einem selbstfahrenden Elektro-Bulli ID Buzz AD

Beim Autobauer Volkswagen ist der Gewinn im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Der Betriebsgewinn fiel deutlich. Belastet haben unter anderem US-Zölle und schwache Geschäfte bei Porsche.

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Michael Häberle, Betriebsratschef in Stuttgart-Untertürkheim, betonte gegenüber ZDFheute: "Wer in einer Situation, wo wir Schichten absagen, wo wir ganze Schichttage absagen, eine Arbeitszeitdiskussion führt, der führt eben keine Arbeitszeitdebatte, sondern eine Personalabbau-Debatte. Und die ist mit uns nicht zu haben."

Ähnliche Proteste wie bei Mercedes kündigte die IG Metall für die kommenden Wochen auch bei anderen Autobauern und Zulieferern an.

Laura Ozdoba und Pablo Silalahi berichten aus dem ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.

Mit Material von dpa, AFP, Reuters

Über das Thema berichteten die heute-Sendungen am 03.07.2026 ab 12:10 Uhr und 17:00 Uhr.

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