Apple-Chef schaut auf innere Werte:Neues faltbares iPhone - neuer Schwerpunkt
von Sven Rieken
Bei seiner ersten Keynote zeigt Apples neuer Chef John Ternus das erste faltbare iPhone, eine klügere Siri und teurere Pro-Modelle. Für deutsche Kunden hat die Sache einen Haken.
Tim Cook übergibt die Leitung an John Ternus, der vorher für die Hardware-Entwicklung zuständig war. Er gibt sein Debut als CEO bei der Produktvorstellung von Apple.
09.09.2026 | 2:40 minAller Anfang ist neu. Die erste Apple-Show mit dem neuen Mann in Cupertino beginnt mit einer leisen Spitze gegen KI: Zu Filmsequenzen, die tatsächlich mit dem iPhone gedreht wurden, sind Regie-Anweisungen zu hören, wie man sie einer KI diktieren würde. Mittendrin taucht der alte Chef Tim Cook auf. Er beschreibt eine geheimnisvolle Person, die gleich den Hauptdarsteller präsentiert. "Nicht ich", sagt er lächelnd, "der da ist euer Aufmacher". Auftritt John Ternus. Damit ist der Wechsel an der Apple-Spitze wohl endgültig vollzogen.
Apple präsentierte im Juni seinen neuen Sprachassistenten. Doch das neue KI-Modell wird erstmal nicht auf den EU-Markt kommen. Grund sind fehlende Datenschutz- und Sicherheitsstandards.
09.06.2026 | 3:00 minJohn Ternus' Schwerpunkt: Technik statt Emotionen
Der Neue, John Ternus, studierter Maschinenbauingenieur, übernimmt und setzt gleich seinen Schwerpunkt: Technik statt Emotionen. Vorbei die Geschichten von Menschen, die durch Apple-Produkte gerettet wurden oder zusammenfinden. Es geht um Rechenleistung, Akkulaufzeit und Grafikchips. Das neue iPhone 18 Pro und Pro Max bekommt von allem alles und das wie noch kein iPhone zuvor.
Das mag nach außen beeindruckend sein, ist aber auch immer Beleg für hohe Preise: Ab 1.449 Euro geht es los - nach oben sind wie immer kaum Grenzen gesetzt. Die Rechenleistung aber sei nötig - so Apple - damit Siri endlich so viel KI bekommt, wie nötig. Man könnte auch sagen: damit Siri endlich so viel kann wie die Konkurrenz: ein voll vernetztes Ökosystem an Geräten, in dem die KI alle Termine, Mails, Vorlieben und Kontakte kennt, um ein "echter" persönlicher Assistent zu sein. "Personal Hub" ist John Ternus' Slogan dazu.
Großer Unterschied zur Konkurrenz: So viele Daten wie möglich werden auf dem Gerät selbst verarbeitet, der Rest wird in die private Cloud ausgelagert - deswegen braucht es die schnelle Technik.
Wegen gestiegener Chipkosten hatte Apple Preiserhöhungen bereits angekündigt. Das teilte Apple-Chef Tim Cook dem "Wall Street Journal" vor knapp drei Monaten mit.
18.06.2026 | 0:21 miniPhone Duo kostet in der Spitze 3.799 Euro
Die eigentliche Neuheit aber hebt sich Ternus bis zum Schluss auf. Dafür bemüht er eine Formel, die einst Steve Jobs nutzte, um große Überraschungen anzukündigen: "There is one more thing."
Gemeint ist das iPhone Duo, Apples erstes faltbares Smartphone. Zusammengeklappt so groß wie ein Reisepass, aufgeklappt ein Bildschirm von 7,6 Zoll, fast so groß wie ein kleines Tablet. Ternus teilt dabei gegen die Konkurrenz aus: Andere Faltgeräte fühlten sich an "wie zwei Telefone, die unbeholfen zusammengeklebt wurden". Die berüchtigte Falzkante soll eine matte Nanotextur-Oberfläche fast unsichtbar machen, ein Titan-Scharnier aus mehr als hundert Teilen hält das Display flach. Face ID gibt es nicht, Entsperren wieder per Fingerabdruck im Seitenknopf. Dafür funktioniert erstmals der Apple Pencil auf einem iPhone.
Auch das hat seinen Preis: 2.299 Euro kostet das Duo in Deutschland in der kleinsten Ausstattung, mit zwei Terabyte Speicher sind es 3.799 Euro. Damit ist das Duo auch so teuer wie zwei iPhones. Vorbestellen geht ab 16. Oktober, im Handel ist es ab dem 23. Oktober, gut einen Monat nach den Pro-Modellen.
Apple-CEO Tim Cook hat im April seinen Rücktritt bekannt gegeben. Der 65-Jährige hatte 15 Jahre an der Spitze des Konzerns gestanden und bleibt der Firma als Vorsitzender des Verwaltungsrates erhalten.
21.04.2026 | 0:23 minSiri kann neue Leistung in Deutschland nicht nutzen
Zum Schluss kommt das große "Aber": Was wird die klügere Siri und die schnelle Technik dem Kunden hierzulande bringen? Die Antwort ist enttäuschend: Vieles, die neue Siri aber nicht. Apple macht den Digital Markets Act in der EU dafür verantwortlich, dass Siri die neue Leistung unter der Smartphone-Haube nicht nutzen kann. Der DMA verlange, so Apple, dass Konkurrenz-Assistenten denselben tiefen Zugriff auf das Gerät bekommen.
"Alexa" auf dem iPhone? Kaum vorstellbar - auch nicht für die EU-Kommission, die widerspricht und darauf verweist, dass das allein Apples Entscheidung sei. In der Keynote dazu kein Wort. Die Liste der bald unterstützten Sprachen aber verrät es: Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Spanisch. Deutsch fehlt.
Wer also hierzulande das teuerste iPhone kauft, bekommt die Siri, für die es gebaut wurde, vorerst nicht.
Sven Rieken ist Korrespondent im ZDF-Studio in Hamburg.
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