Geburtstag des Tech-Riesen:Apple wird 50: Zwischen Kult, Einfluss und Konsumkritik
von Tobias Bluhm
Vom Garagenprojekt zur Weltmarke: Apple wird 50. Mit seinen Produkten revolutionierte die Firma ganze Branchen. Was ist das Erfolgsrezept? Und warum wächst die Kritik dennoch?
1976 in Kalifornien gegründet, ist Apple heute ein Gigant der Branche. Die einzigartige Geschichte des Unternehmens und wie seine Ideen das tägliche Leben prägen, kann man jetzt im Museum sehen.
31.03.2026 | 2:00 minMüsste man eine Erzählung für den Mythos des "American Dream" erfinden, käme jene von Apple nah heran. Was als Bastelprojekt in der Garage des Elternhauses begann, sollte eines Tages zum zeitweise wertvollsten Konzern der Welt werden.
Steve Jobs und Steve Wozniak waren zwar keine Tellerwäscher. Sie wurden aber immerhin von Uni-Abbrechern zu Millionären.
Mit Mac, iPod und iPhone schrieb ihre Firma Technikgeschichte. "Sie bauen einfach sehr gute Produkte. Sonst hätten sie nicht im vergangenen Jahr 250 Millionen iPhones und 25 Millionen Laptops verkauft", sagt Ingo Dachwitz, Journalist bei "Netzpolitik.org". Den frühen Erfolg verdankt Apple auch einer Gegenkultur im jungen Silicon Valley, die Computer für alle zugänglich machen wollte.
Innovation war ihr Differenzierungsmerkmal. Das Design stach mit starker Nutzerorientierung heraus. Und auch die mythische Aufladung der Figur Steve Jobs machte Apple zu dem Konzern, der er heute ist.
Ingo Dachwitz, Journalist und Autor
Vier Megakonzerne wachsen scheinbar grenzenlos und werden immer mächtiger. Sie sind im Fokus der Öffentlichkeit – doch stehen sie auch über dem Gesetz?
09.12.2021 | 42:30 minDabei waren es zunächst nicht komplett neue Dinge, die die Firma aus Kalifornien entwickelte. "Es ist nicht so, dass Apple damals Technologien komplett neu erfunden hat. Aber sie haben sie so präsentiert, dass man sie gerne benutzt und dass es einfach ist", erklärt Philipp Alvares, der für das "Handelsblatt" aus dem Silicon Valley berichtet, gegenüber ZDFheute.
Durchbruch unter Steve Jobs
Doch erst mit der Rückkehr von Steve Jobs, der zwischen 1985 und 1996 das Unternehmen verlassen hatte, begann Apples Durchbruch. Der iPod ab 2001 und das iPhone von 2007 veränderten ganze Branchen. Alvares erinnert:
Das iPhone hat ja die Kategorie des Smartphones überhaupt erst etabliert.
Philipp Alvares de Souza Soares, Journalist
Apple schafft Ökosystem für mehrere Produkte
Die heutige digitale Alltagswelt ist ohne Apple kaum mehr vorstellbar. Durch die einfache Bedienung seiner Produkte habe die Firma eine regelrechte "Demokratisierung der Technologie" vorangetrieben, findet Alvares.
Konkurrenten wie Blackberry gaben auf, Google passte seine eigenen Produkte in Teilen an Apples Ideen an. Einzig eine Spielkonsole, der "Pippin", wurde mit circa 42.000 verkauften Einheiten zum Flop. Doch auch das passt irgendwie zum Mythos Apple. Auch Rückschläge gehören zum amerikanischen Traum.
Kaum ist ein neues iPhone da - schon brodelt die Gerüchteküche. Alte iPhones werden langsamer, die Akkus schlechter, Updates funktionieren nicht mehr. Was ist dran? Ein Faktencheck.
15.09.2024 | 13:59 min"Apples kluge Strategie war es, einzelne Produkte und Software-Welten miteinander zu verschränken. Produkte funktionieren untereinander sehr gut, sodass man immer tiefer ins Apple-Ökosystem hineingezogen wird", so Handelsblatt-Journalist Alvares. "Da will man dann gar nicht mehr raus, weil alles so schön geschmeidig funktioniert."
Verknüpfte Systeme wie im goldenen Käfig
Doch in genau diesem Prinzip sieht Ingo Dachwitz ein Problem: Steve Jobs habe geprägt "nicht zu gucken, was wollen die Leute heute, sondern selbst neue Bedürfnisse kreiert".
Von einem "Goldenen Käfig" spricht Dachwitz, er meint damit Apples Versuch, seine Nutzer möglichst im eigenen Produkt-Ökosystem zu halten. Jährlich böten Mobilfunkanbieter das neueste iPhone wie Statussymbole an und animierten zum Handy-Tausch, wodurch die Nachfrage künstlich angetrieben werde.
Der Technikkonzern Apple hat sein neues iPhone 17 vorgestellt und setzt dabei auf ein ganz neues Design. Der Anteil an Künstlicher Intelligenz ist dagegen auffällig gering.
10.09.2025 | 1:27 minDachwitz: Apple profitiert von "digitalem Kolonialismus"
Dieser Kreislauf habe fatale Folgen für globale Lieferketten, so Dachwitz weiter. Die Produktion finde überwiegend im globalen Süden statt, während Gewinne in den Konzernzentralen im Norden anfielen. Dachwitz vergleicht die Ausbeutung von Produktionsmitarbeitern und die Abbaubedingungen von Rohstoffen gar mit "digitalem Kolonialismus".
Der Erfolg von Apple beruht in großem Maß auf Ausbeutung. Ihr wichtigster Zuliefererbetrieb ist nach wie vor Foxconn, bekannt für unschlagbare Effizienz und brutale Arbeitsbedingungen.
Ingo Dachwitz, Journalist und Autor
"Apple nutzt seine Marktmacht rücksichtlos aus und befeuert eine unnachhaltige Konsumkultur, die die Zukunft unseres Planeten gefährdet", so der Journalist und Autor.
Der Lobito-Korridor soll den Zugang zu Afrikas Rohstoffen erleichtern. USA, EU und China investieren Milliarden – ein geopolitisches Rennen um Einfluss und Ressourcen. Wer profitiert wirklich?
29.10.2025 | 6:35 minDatenbrille floppt - wackelt der Mythos Apple?
Zum Jubiläum stellt sich deswegen auch die Frage nach der Zukunft. Philipp Alvares sieht wirtschaftlich weiter eine gute Basis bei Apple, warnt aber ebenfalls: "Es gibt mehrere Herausforderungen, die der Konzern jetzt bewältigen muss. Das letzte große Produkt von Apple, die Datenbrille Vision Pro, ist gefloppt."
Die nächsten Produkte müssen funktionieren. Denn bei noch mehr Flops würde irgendwann der Mythos leiden, dass man eines der innovativsten Unternehmen der Welt ist.
Philipp Alvares de Souza Soares, Journalist
In Sachen künstliche Intelligenz befindet sich das Technologieunternehmen Apple noch in der Findungsphase. Die Konkurrenz hingegen ist schon deutlich weiter.
10.09.2025 | 2:04 minZurzeit verdichten sich die Anzeichen, dass Tim Cook, der 2011 auf den inzwischen verstorbenen Steve Jobs als Apple-Geschäftsführer folgte, über einen Abtritt nachdenkt. "Auch das ist immer eine fragile Zeit, wo viel schiefgehen kann", so Alvares.
Big Tech: Schulterschluss mit US-Regierung
Zum runden Jubiläum steht Apple also wirtschaftlich stark da - allerdings nicht ohne Herausforderungen. Laute Konsumkritik mischt sich dabei auch mit der Unsicherheit, wie die Firma für eine Welt nach US-Präsident Trump aufgestellt ist. Schließlich schloss sich auch Cook jenen Big-Tech-Firmen an, die mehr und mehr auf der politischen Linie der US-Regierung auftreten.
Die nächsten 50 Jahre dürften also nicht weniger herausfordernd als die letzten werden. Aber wer sagt schon, dass der amerikanische Traum je ein einfacher war?
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