30 Jahre Nokia 9000 Communicator:Wie ein "Backstein" die Kommunikation mobil machte
von Sven-Hendrik Hahn
Ein wuchtiges Mobiltelefon aus Finnland läutete 1996 das Smartphone-Zeitalter ein. Heute wirken Preis und Verkaufszahlen des Nokia 9000 Communicator wie aus einer anderen Welt.
Das "Büro in der Westentasche": Der Nokia Communicator 9000 revolutionierte vor 30 Jahren den Mobiltelefonmarkt.
14.08.2026 | 1:05 minAm 15. August 1996 brachte Nokia ein Mobiltelefon auf den Markt, das es so noch nie gab: fast vier Zentimeter dick, knapp 400 Gramm schwer, ausgestattet mit einer aufklappbaren Tastatur und zwei Bildschirmen.
Der Communicator gilt als eines der weltweit ersten Smartphones. 30 Jahre später erinnert er an eine andere Ära - eine Zeit, in der ein Mobiltelefon noch ein Statussymbol war.
Ein Büro für unterwegs
Nokia vermarktete den Communicator als "Büro im Westentaschenformat". Das Versprechen: Faxe und E-Mails von unterwegs verschicken, Zugriff auf Adressbuch und Kalender sowie Internet - Funktionen, über die 1996 nicht mal jeder Büro-PC verfügte. Es fehlten: Kamera, Kopfhöreranschluss oder GPS-Ortung.
Das Innendisplay bot eine monochrome Auflösung von 640 mal 200 Pixeln, der Akku machte bei aktiver Nutzung des Handy nach wenigen Stunden schlapp. Der Preis lag bei 2.700 D-Mark - umgerechnet rund 1.380 Euro. Hinzu kamen die Kosten für mobile Datenverbindungen von über einer D-Mark (heute etwa 51 Cent) pro Minute.
Vorläufer des Smartphones: Nokia 9000 Communicator
Der Nokia 9000 Communicator von 1996 gilt als Pionier unter den Smartphones. Ein Gerät für Manager und Technikfans: Zwei Displays, Tastatur - zum stolzen Preis von 2.700 Mark (ca 1.380 Euro).
Quelle: dpaBill Gates: Der damals reichste Mann der Welt zeigt Interesse
Für Rudolf Opitz, Redakteur des Technikmagazins "c't", der die Geräteserie seit Jahrzehnten verfolgt, stellte das Gerät eine Revolution dar:
Es war das erste Mal, dass man von überall aus auf das Internet zugreifen konnte.
Rudolf Opitz, Redakteur Technikmagazin "c't"
Nokia habe einen PC in winzigem Format gebaut - komplett mit der Tastatur, an die man damals gewöhnt war, so Opitz.
Das Gerät sorgte auch in den USA für Aufsehen: Bill Gates - Microsoft-Gründer und damals der reichste Mann der Welt - soll das Gerät persönlich auf einer Messe in Las Vegas begutachtet haben. Anschließend habe Microsoft mehrere Communicator-Exemplare bestellt, berichten Nokia-Mitarbeiter von damals.
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Trotzdem blieb der Communicator ein Nischenprodukt mit einer spezifischen Zielgruppe - laut Opitz Geschäftsleute, Programmierer und Techniker. Schätzungen zufolge verkaufte Nokia rund 360.000 Exemplare des ursprünglichen Modells.
Ein Bruchteil der Verkaufszahlen, die moderne Smartphones heute erreichen. Allein Apple verkauft jährlich mehr als 240 Millionen iPhones, so die Schätzung von Analysten. "Der Communicator war nicht für den Massenmarkt konzipiert, sondern als Business-Gerät", sagt "c't"-Redakteur Rudolf Opitz. Dies erklärt auch die bescheidenen Verkaufszahlen.
Auch die Preisdynamik hat sich gewandelt: Während der Communicator 1996 als teuer galt, kostet ein modernes Spitzen-Smartphone wie das iPhone 17 Pro Max heute ab 1.450 Euro, wobei die teuerste Version bei fast 2.450 Euro liegt.
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Nokia hielt lange an der physischen Tastatur fest, während der Konkurrent BlackBerry das Konzept für das mobile Arbeiten später perfektionierte. Letztlich besiegelten auch Managementfehler den Untergang des Unternehmens aus Finnland.
Nokia war seiner Zeit immer voraus, und genau das war das Problem: Sie haben schlichtweg viel zu viel Technologie viel zu früh eingeführt.
Rudolf Opitz, Redakteur Technikmagazin "c't"
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28.04.2026 | 2:26 minViele Ideen erwiesen sich als kostspielige Flops. Zudem machte die weltweite Marktführerschaft das finnische Unternehmen selbstgefällig: "Wir sind so weit voraus, dass uns nichts passieren kann", so beschreibt Opitz die Überheblichkeit, mit der Nokia 2007 auf Apples iPhone reagierte. Der letzte Communicator namens Nokia E7 konnte 2011 den Niedergang des Unternehmens nicht aufhalten.
Im Jahr 2014 verkaufte der einstige Marktführer nahezu sein gesamtes Geräte- und Dienstleistungsgeschäft an Microsoft. Heute existiert die Marke Nokia im Mobilfunkbereich hauptsächlich noch als Namenslizenz.
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Für Opitz liegt die Innovation des Communicators in dem grundlegenden Konzept des mobilen Büros - der jederzeitigen Erreichbarkeit über alle Kanäle hinweg. Etwas, das für uns heute selbstverständlich ist.
Übrigens: Wer noch ein altes Gerät im Schrank liegen hat, sollte es nicht wegwerfen. Gut erhaltene Communicator sind auf Online-Plattformen nach wie vor gefragt - besonders jetzt, anlässlich des 30. Jubiläums dieses Pioniers der Technikgeschichte.
Sven-Hendrik Hahn ist Redakteur in der ZDF-Sendung "WISO".
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