Medikamentenpeise in USA:Trumps Arzneipläne: Risiken für Deutschland
Präsident Trump will die Medikamentenpreise für US-Bürger senken. Vier Wochen haben die Konzerne dafür Zeit. Warum Arzneien dadurch hierzulande teurer werden könnten.
Trump will die Preise hier senken: Medikamente in den USA
Quelle: imagoIn den USA krank zu sein ist teuer und kann Menschen in den Ruin treiben. Im Schnitt zahlt man nämlich in den USA dreimal mehr für Medikamente als in anderen Industriestaaten.
Die Preise für Arzneimittel richten sich in den USA wie bei jedem x-beliebigen Produkt nach Angebot und Nachfrage. Dabei ist der Handel mit Medikamenten kein normaler Markt. Auf ein neues Auto kann man im Zweifel verzichten, auf ein Krebsmittel nicht.
Millionen Krebspatienten hoffen auf bessere Therapien. Neue Medikamente sollen im kommenden Jahr auf den Markt kommen – ein echter Durchbruch oder nur ein erster Schritt?
14.08.2025 | 2:18 minTrumps Drohung: Preissenkung über Bestpreisklausel
Das Krebsmittel Keytruda soll das Immunsystem aktivieren, damit der Körper Metastasen angreift. 2024 lagen die Behandlungskosten mit dem Präparat in den USA bei umgerechnet 184.000 Euro pro Jahr. In Deutschland waren es mit knapp 86.000 Euro nicht mal die Hälfte.
Das will US-Präsident Donald Trump nun ändern. Geschieht bis Ende September nichts, droht er mit einer Bestpreisklausel: Unternehmen dürfen ihre Medikamente in den USA dann nur noch zum niedrigsten Preis anbieten, den sie auch in einem anderen Industrieland verlangen.
Hat ein Konzern zum Beispiel mit deutschen Krankenkassen einen Preis für ein Medikament ausgehandelt, dürfte er in den USA keinen höheren verlangen. Pharmakonzerne suchen nun Auswege und reagieren bereits, um ihr Geschäft in den USA zu retten. Denn die USA sind mit Abstand der weltweit wichtigste Markt, hier erzielen sie hohe Gewinne.
Die Pharmaindustrie zählt zu den profitstärksten Branchen Deutschlands. Doch wie weit geht die Branche, um ihre Gewinne zu maximieren?
11.11.2024 | 17:18 minPreispoker in USA und Europa hat begonnen
Zweidrittel ihres Gewinns und mehr als die Hälfte ihres Umsatzes machen Pharmahersteller allein auf dem US-Markt. Beim Medikament Ozempic fällt der Unterschied noch gewaltiger aus: So kostet ein Pen mit einem Milligramm des Abnehmmittels in Deutschland knapp 200 Euro, in den USA umgerechnet dagegen mehr als 900 Euro.
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk reagierte nun bereits und kündigte an, den Preis für sein Diabetesmittel Ozempic in den USA für Selbstzahler zu halbieren. Umgekehrt wollen Hersteller die Preise in Europa erhöhen. In Großbritannien erhöhte Eli Lilly den Preis für seine Abnehmspritze um 170 Prozent.
Der Hype um die Abnehmspritzen hält an. Eine Studie aus den USA hat Risiken und Nutzen untersucht, denen Patienten ausgesetzt sind.
22.01.2025 | 2:02 minPreissteigerungen durch US-Zölle bis zu 250 Prozent
Jahrzehntelang wurden Arzneimittel zwischen Europa und den USA zollfrei gehandelt, um die Versorgung der Patienten zu sichern. Damit ist seit Trumps Zöllen nun Schluss. Zunächst werden 15 Prozent Zölle fällig, später könnten sie auf bis zu 250 Prozent steigen, mit Folgen für die Branche, und steigenden Preisen für Patienten.
In Deutschland verhandeln Krankenkassen direkt mit den Herstellern über den Preis. Festbeträge und Rabattverträge deckeln diesen. Weil in Deutschland die meisten Menschen gesetzlich versichert sind, haben die Kassen eine große Marktmacht.
Für andere Länder gilt der deutsche Markt als Referenzmarkt, an ihm orientieren sich die Preise von Malta bis Japan.
In den USA haben dagegen Pharmahersteller eine große Marktmacht, weil es keine gesetzlichen Preisobergrenzen gibt. Jeder Versicherer verhandelt separat mit den Herstellern. Hinzu kommen noch Zwischenhändler, deren Provision wiederum von der Höhe des Medikamentenpreises abhängt. In den USA bleiben Medikamente - anders als in Deutschland - oft länger ohne Konkurrenz durch Generika, also Nachahmerprodukte, weil Hersteller ihre Patente mit kleinen Veränderungen am Produkt ausdehnen.
Während das US-System also stärker auf Wettbewerb und Profit ausgerichtet ist, betrachtet man in Deutschland Medikamente dagegen als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
"Für Pharmaunternehmen führt die Bestpreisgarantie zu Umsatzeinbußen in den USA", sagt Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Universität Duisburg-Essen.
Gleichzeitig ist es illusorisch, dass in Europa die Bereitschaft steigt, mehr Geld für Medikamente auszugeben. In der Folge werden Produktionsstätten vermutlich von Europa in die USA abwandern.
Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom
Preissteigerungen bei Arzneimitteln in Europa
Um ihr lukratives US-Geschäft zu retten, könnten Pharmahersteller auch auf den europäischen Markt verzichten oder neue Medikamente nur verzögert auf den europäischen Markt bringen.
Bei Antibiotika herrscht Abhängigkeit vom asiatischen Markt. Es gibt häufig Lieferengpässe.
30.10.2023 | 1:30 minNeben tendenziell steigenden Medikamentenpreisen in Europa wäre weniger Verfügbarkeit die Folge, insbesondere von werthaltigen Arzneimitteln.
Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom
Falls die Konzerne sich für die USA und gegen Europa entschieden, stünde niemand gut da. Amerikaner müssten weiterhin die hohen Preise zahlen, während man in Deutschland manche Mittel gar nicht mehr bekäme.
Noch gelten für viele Medikamente bestehende Verträge, die sich nicht einfach von heute auf morgen auflösen lassen. Doch auf lange Sicht wird sich Europa vermutlich auf steigende Arzneimittelpreise einstellen müssen.
Stephanie Barrett ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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