Gelöschte Online-Bewertungen:Was sind Sterne bei Google und Co. noch wert?
von Helge Hoffmeister
Laut einer Stichprobe lassen Restaurants und Hotels immer wieder Online-Bewertungen löschen. Wie hilfreich sind diese dann noch? Und worauf sollten Verbraucher achten?
Immer mehr Hotels und Restaurants in Deutschland lassen Google-Bewertungen entfernen. Das zeigt eine Stichprobe der deutschen Presseagentur. Warum werden Bewertungen gelöscht?
23.07.2026 | 0:53 minKann man den Sternen vertrauen? Diese Frage stellen sich nicht nur Astrologen, sondern auch viele Menschen, die im Sommerurlaub die besten Restaurants oder Hotels suchen. Bewertungen auf Plattformen wie Google Maps, Tripadvisor oder Yelp und die Anzahl der Sterne oder Punkte sind oft für den Besuch ausschlaggebend. Nur ein, zwei oder drei? Dann lieber doch woanders hin.
Bewertungen haben große Relevanz
Für Gastbetriebe sind Online-Bewertungen wichtig, um auf sich aufmerksam zu machen. Zugleich würden sie direktes Feedback bieten, findet Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Hessen: "Online-Bewertungen liefern wertvolle Hinweise, um die Serviceleistung und die Produkte zu verbessern."
Der Großteil der Gäste bewerte fair und ehrlich, meint Kern. Es gebe aber auch Hasskommentare oder Bewertungen von Menschen, die nie wirklich Kunden waren. Andere Gäste drohen mit schlechten Bewertungen, etwa um einen Rabatt zu bekommen. Das sorge für viel Frust in den Betrieben.
Wenn sich schlechte Bewertungen häufen, kann das dazu führen, dass Gäste fernbleiben, bis hin zur Existenzbedrohung.
Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer DEHOGA Hessen
Bei Booking.com sind infolge eines Hackerangriffs Kundendaten wie Namen und Telefonnummern abgeflossen. Das Unternehmen warnt vor Phishing-Versuchen.
16.04.2026 | 0:40 minBetriebe lassen rechtswidrige Bewertungen löschen
Alle Bewertungsportale ermöglichen Unternehmen, Anträge zu stellen, um Schmähreden und Falschaussagen zu löschen. Auf den meisten Plattformen geschieht dies unbemerkt für den Verbraucher. Google Maps zeigt dazu seit April einen Hinweis direkt über den Rezensionen, wie viele Beiträge gelöscht wurden.
Eine dpa-Stichprobe von Mitte Juli unter 3.700 deutschen Hotels und Gaststätten zeigt, dass je nach Ort elf bis 30 Prozent der Betriebe schon Bewertungen gelöscht haben. Besonders hoch ist der Anteil in Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder Köln.
Der Hinweis auf Google Maps über die Anzahl der gelöschten Bewertungen bezieht sich auf alle Inhalte, die nach deutschem Recht als Diffamierung definiert sind. Laut Google gehören dazu unwahre Tatsachenbehauptungen und sachlich nicht gerechtfertigte Meinungsäußerungen, die dem geschäftlichen Ansehen der Unternehmen schaden können. Verweist ein Betrieb zum Beispiel darauf, dass die Person hinter einer Bewertung nicht tatsächlich zu Gast war, liegt die Beweispflicht bei dem Verbraucher.
Entfernungen aus anderen rechtlichen Gründen oder aufgrund von Richtlinienverstößen werden bei dem Hinweis nicht mitgezählt. Die Anzahl der entfernten Rezensionen bezieht sich auf die vergangenen 365 Tage.
Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum an der Hochschule Pforzheim, sieht den Hinweis von Google zwiespältig. Zwar sei die Transparenz für Verbraucher vorteilhaft. "Auf der anderen Seite kann eine hohe Zahl dokumentierter Löschungen verunsichern: Wie viel ist eine Bewertung noch wert, wenn viel gelöscht wurde?", erläutert Kroschwald. Da könne sich der Lösch-Hinweis gerade schlecht auf das Image von Betrieben auswirken, die berechtigt gegen Rechtsverstöße vorgehen.
Nach einer Entscheidung der Europäischen Kommission soll der US-Konzern Google 890 Millionen Euro Strafe zahlen. Anlass sind Verstöße gegen das EU-Gesetz über digitale Märkte.
23.07.2026 | 2:57 minDas Geschäft mit gelöschten Bewertungen wächst
Eine dpa-Auswertung der öffentlichen EU-Transparenzdatenbank zum Digital Service Act zeigt, dass Google im ersten Halbjahr 2026 europaweit rund 756.500 Beiträge auf Google Maps wegen illegalem Inhalt gelöscht hat.
Auffällig: Über 99 Prozent der Löschungen waren in Deutschland. Laut Kroschwald haben hier vergangene Gerichtsurteile zu niedrigen Hürden für eine Löschung geführt. So sei ein neues Geschäftsmodell entstanden. "Wie schon bei der bekannten 'Abmahnindustrie' gibt es auch hier zahlreiche Dienstleister und Anwaltskanzleien, die sich darauf spezialisiert haben, schlechte Rezensionen für Betriebe entfernen zu lassen", erklärt Kroschwald.
Wer eine Ferienunterkunft bucht, dem kann ein böses Erwachen drohen. Nicht immer sind die Unterkünfte wie beschrieben. Was kann man als Verbraucher tun und welche Rechte hat man?
10.07.2026 | 6:12 minEs gebe eine Schieflage zwischen professionellen Dienstleistern, die systematisch Löschungen beantragen, und einzelnen Verbrauchern. Teilweise müssten Verbraucher Monate später ihren Besuch mit Belegen nachweisen, sonst bleibe die Rezension gelöscht, so Kroschwald. Ob die Bewertung gerechtfertigt war, bleibe nachrangig.
Insgesamt haben Online-Bewertungen einen geringen Aussagewert, mit einer trotzdem faktisch hohen Bedeutung.
Prof. Dr. Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum, Hochschule Pforzheim
Gisbert Kern vom DEHOGA Hessen empfiehlt, stärker auf anerkannte Zertifizierungen zu schauen, beispielsweise die Sterneklassifizierung bei Hotels oder einschlägige Qualitätssiegel der Gastronomie. Wer Online-Bewertungen nutzt, dem empfehlen Verbraucherschützer auch zu schauen, wie konkret Rezensionen die Vorgänge beschreiben, um gefälschte Bewertungen eher zu erkennen.
Helge Hoffmeister ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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