Neue Finanzkrise? Experten sehen im Goldpreis ein Warnsignal

Droht eine neue Finanzkrise?:Experten sehen im Goldpreis ein Warnsignal

von Anna Feist

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Der Goldpreis erreichte Anfang des Jahres Rekordstände von über 5.500 Dollar die Feinunze, ein Allzeit-Hoch. Trotz einer Kurskorrektur bleibt Unsicherheit im Finanzsystem.

Baden-Württemberg, Pforzheim: Bei der Agosi AG in Pforzheim werden frisch gegossene Goldbarren gezeigt, Archivbild

Das Edelmetall wird zum Fieberthermometer der Finanzmärkte - und zum Warnsignal für ein System unter Druck.

28.07.2026 | 19:21 min

Schulden, Kriege, Unsicherheit - all das treibt den Gold-Preis. Denn das Edelmetall verspricht seit jeher eines: Sicherheit. Ende 2025 hielten die Notenbanken der Welt erstmals seit den 1990er-Jahren mehr Gold als US-Staatsanleihen.

"Es ist absolut historisch. Wir kommen aus 2025, einem absoluten Rekordjahr", bilanziert Sebastian Müller, ehemaliger Trader der Deutschen Bank, im Interview mit ZDF frontal. Wir treffen ihn im Februar 2026, der Goldpreis liegt an diesem Tag nur knapp unter seinem Rekordhoch von Ende Januar - da lag er bei 5.500 Dollar die Feinunze.

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Vergleich zum Goldpreis 1979

Müller sitzt in seinem Arbeitszimmer, es erinnert an eine Art Cockpit mit sechs Monitoren. Ständig bewegen sich Kurse nach oben in Grün und nach unten in Rot.

"Noch nie in der Geschichte war Gold so hoch. Selbst 1979 hatten wir nicht so ein starkes Momentum", erklärt Müller.

1979 stieg der Goldpreis von 220 US-Dollar innerhalb eines Jahres auf 850 US-Dollar. Und auch damals trieben ähnliche Faktoren wie heute den Goldpreis: hohe Inflation, Ölkrise und eine geopolitische Krise. Spannungen verunsicherten die Märkte.

Ein älterer Mann mit Sonnenbrille und gestreiftem Hemd steht auf einem Flugfeld vor einem kleinen Propellerflugzeug. Halbtransparente goldene Rechtecke und ein feines Raster-Overlay liegen über dem digital bearbeiteten Bild, während pinke Lichteffekte am rechten Bildrand dem Motiv einen modernen, grafischen Look verleihen, wodurch ein modernes, redaktionelles Erscheinungsbild entsteht.

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Gold als "Fieberthermometer für die Märkte"

"Danach kam ein sogenannter Goldwinter, da ist der Preis eingebrochen", sagt Sebastian Müller. Erst ab 2001 stieg der Goldpreis wieder. Auf die historische Rally Anfang 2026 folgte zuletzt eine deutliche Korrektur - befeuert durch den Iran-Krieg.

"Gold ist durchaus ein Fieberthermometer für die Märkte. Und man konnte am Goldpreis durchaus ablesen: "Wir haben Stress im System. Wir haben Fieber", so Müller.

Ja, jetzt sind wir runtergekommen auf 4.000 Dollar. Heißt das jetzt, dass der Patient gesund ist? Ich würde sagen nein.

Sebastian Müller, ehem. Trader Deutsche Bank

Einen Goldwinter wie damals erwartet Müller aber diesmal nicht. Denn: "Wir sind natürlich jetzt strukturell in einer anderen Situation als in diesen 80er Jahren, weil wir eben auch die Zentralbanken als Käufer haben", erklärt der Trader: "Das heißt, die werden natürlich den Goldpreis von unten stützen."

Seitliche Aufnahme eines älteren Mannes mit weißem Haar und Sonnenbrille, der einen Golfhandschuh trägt und in einem Golfcart sitzt. Die Person blickt nach vorn und spricht. Im unscharfen Hintergrund sind parkende Autos und Palmen zu erkennen. Das digital bearbeitete Bild ist mit feinen Rasterstrukturen, einem transparenten Overlay-Raster, geometrischen Grafikelementen sowie warmen Gold-Akzentuierungen und roten Lichteffekten gestaltet, wodurch ein modernes, redaktionelles Erscheinungsbild entsteht.

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Droht langfristig eine neue Schuldenkrise?

Die Notenbanken der Welt reduzieren seit Jahren beharrlich ihre Dollarreserven und erhöhen dafür ihre Goldbestände. Grund dafür sei auch die Haushalts- und Schuldenlage der USA, denn die wird zunehmend kritisch gesehen, erklärt der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff im Interview mit ZDF frontal: "Die Staatsverschuldung der USA erreicht - je nach Messung - etwa 100 bis 120 Prozent der Wirtschaftsleistung."

Es fließe mehr Geld in Zinszahlungen als in den Verteidigungshaushalt.

Ich denke, es wird irgendwann zu einem massiven Einschnitt kommen. Politisch sind Sparmaßnahmen nicht durchzusetzen. Deshalb rechne ich damit, dass die USA innerhalb der nächsten zehn Jahre in eine Krise geraten werden.

Kenneth Rogoff, Wirtschaftsprofessor an der Harvard University und ehem. Chef des IWF

Und auch auf Europa laste die zunehmende Staatsverschuldung schwer. Vor den Risiken immer weiter steigender Staatsschulden warnt auch der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück: "Ich glaube, dass die Staatsverschuldung ein massiver Risikofaktor ist, dass das der Trigger sein könnte für eine weitere Finanzkrise."

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Steinbrück blickt kritisch auf Staatsverschuldung

Nur tue sich die deutsche Politik schwer, den Bürgern die Wahrheit zu offenbaren, findet Steinbrück.

Diese Staatsverschuldung, die ist ein Elefant im Raum, weil sowohl die Politik als auch die Öffentlichkeit in Deutschland zu wenig über die auf uns zukommenden Probleme im Bereich der öffentlichen Haushalte kommunizieren.

Peer Steinbrück, ehem. Bundesfinanzminister

Geprägt sei diese Staatsverschuldung, so Steinbrück, durch steigende Ansprüche der Bürger und durch unterlassene Einsparungen: "Die Bürger haben eine immer steigende Erwartung an die staatliche Leistungsbereitstellung und Politiker oder Politik insgesamt und Parteien tun sich sehr schwer, der Öffentlichkeit und den Bürgern und ihren Wählern zu sagen: 'Nein, machen wir nicht'. Das wäre eine starke Aussage, aber ist natürlich nicht sehr populär."

Und so geht die Verschuldung weiter. Gerade in den USA unter Präsident Donald Trump. Hinzu kommt der ungelöste Iran-Krieg und eine drohende Ölpreiskrise. Alles gute Aussichten für den Goldpreis. Ob es so kommt? Auch die Experten wollen sich nicht festlegen.

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Über dieses Thema berichtet ZDF frontal in dem Doku-Dreiteiler "Gold. Macht. Gier." - am 28.07.2026 ab 08:00 Uhr online und ab 21:00 Uhr im TV.

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