WM-Trikots für 100 Euro und mehr:Warum Fußballtrikots immer teurer werden
von Kaja Adchayan
Für das deutsche WM-Trikot verlangte Adidas 2006 noch rund 65 Euro, jetzt sind es 100 Euro. Nike hat seine Trikotpreise sogar auf 110 Euro erhöht. Warum Trikots immer mehr kosten.
Fußballtrikots stehen für Identität und Zusammenhalt - und das hat seinen Preis: Für das WM-Trikot der deutschen Nationalmannschaft müssen Fans stolze 100 Euro zahlen. Was macht das Trikot so teuer?
08.05.2026 | 17:01 minDie Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ist ein Turnier der Superlative: 48 Mannschaften, 104 Spiele, 16 verschiedene Stadien, eine Preisspanne von 3.500 bis 120.000 Euro fürs Final-Ticket.
Nike und Adidas haben Preise für WM-Trikots erhöht
Passend dazu hat der Sportartikelhersteller Nike seine Preise für die diesjährigen WM-Trikots auf 110 Euro erhöht. Der US-Konzern Nike stattet zwölf Teilnehmerländer aus, darunter die Gastgeber USA und Kanada.
Vintage ist im Trend, auch bei Fußball-Trikots. Bei Sammlerbörsen treffen sich Herzblut-Fans zum Austausch und in der Hoffnung auf ein Schnäppchen und das schönste Trikot des Lieblingsvereins.
01.04.2026 | 2:06 minMexiko arbeitet mit Adidas zusammen. Beim deutschen Hersteller sind die WM-Trikots der verschiedenen Nationalmannschaften - auch das der deutschen - mit 100 Euro nur geringfügig günstiger als bei Nike.
Zum Vergleich: Bei der Heim-WM 2006 hatten Fans noch etwa 65 Euro fürs Trikot der DFB-Elf zahlen müssen. Warum werden Trikots immer teurer?
Inzwischen verkaufen Hersteller die Trikots von vielen Mannschaften in zwei Versionen: das Fan-Trikot (Replica) und das Spieler-Trikot (Authentic). Letzteres ist in Material, Passform und Bestickung dem Original-Trikot nachempfunden, das Fan-Trikot ist weiter geschnitten, aus günstigerem Material und bedruckt statt bestickt. Die Trikots unterscheiden sich daher auch im Preis. Adidas und Puma verlangen für die Fan-Trikots 100 Euro und für die Authentic-Trikots 150 Euro, bei Nike sind es 110 Euro beziehungsweise 160 Euro.
Zwei Gründe für Preissteigerungen
Marketingexperte Peter Rohlmann sieht für die Preissteigerungen von Fußballtrikots, die man auch in der Fußball-Bundesliga beobachtet, zwei Gründe. Zum einen sei die Zahlungsbereitschaft der Fans sehr hoch. Fanprodukte oder Eintrittskarten würden gekauft, auch wenn sie teurer werden, erläutert Rohlmann. Infolgedessen seien die Preise für das Trikot des Deutschen Fußballbundes (DFB) viele Jahre deutlich stärker gestiegen als die durchschnittliche Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte regelmäßig kaufen.
Da wird ein bisschen die Liebe der Fans auch mit ausgenutzt, um gute Gewinne zu machen.
Dr. Peter Rohlmann, Experte für Marketing und Merchandising im Profi-Fußball
Ein weiterer Grund für die hohen Trikotpreise seien die gestiegenen Sponsoringzahlungen im Profi-Fußball, erklärt Rohlmann. Hersteller zahlten jedes Jahr Millionensummen an Vereine und Verbände, damit sie exklusive Ausrüster der Mannschaften sein dürfen.
Ein Beispiel: Der DFB ist aufgrund höherer Sponsoringeinnahmen nach 70-jähriger Partnerschaft von Adidas zu Nike gewechselt. Der US-Konzern soll dem DFB Medienberichten zufolge 100 Millionen Euro pro Jahr geboten haben und damit doppelt so viel wie Adidas. Einen Teil dieser Ausgaben versuchten Ausrüster durch teurere Trikots wieder reinzubekommen, erklärt Rohlmann.
Wer noch alles am Trikot mitverdient
Marketingexperte Jürgen Rohlmann hat den Preis eines Trikots für 100 Euro aufgeschlüsselt:
- Herstellung und Transport: 11,29 Euro
- Marketing: 2,92 Euro
- Lizenzgebühr: 6,49 Euro
- Vertrieb: 2,75 Euro
- Rohgewinn Hersteller: 19,82 Euro
- Deckungsbeitrag für Einzelhandelsfixkosten: 40,77 Euro
- Umsatzsteueranteil: 15,96 Euro
Die Angaben seien Schätzungen und könnten je nach Hersteller und Trikotart variieren, betont Rohlmann.
Was dem Marketingexperten zufolge aber deutlich wird: Der Deckungsbeitrag für den Einzelhandel macht den größten Posten aus. Mit diesem Betrag von rund 40 Euro muss der Einzelhandel aber Fixkosten wie Miete, Strom und Personal decken. Insofern bleibe abzüglich aller Kosten unterm Strich nicht viel übrig für den Einzelhandel, so Rohlmann. Schätzungen für den Reingewinn des mittelständischen Einzelhandels liegen bei vier Prozent des Preises eines Fußballtrikots, bei 100 Euro entspricht das vier Euro.
Auch der Rohgewinn für den Hersteller - im obigen Fall Adidas - wirke zunächst üppig, sagt Rohlmann. Das Geld fließe jedoch in Teilen in Forschung und Markenpflege - Kosten, die indirekt im Zusammenhang mit dem Trikot anfallen.
Countdown für das Fußball-Highlight des Jahres: die WM 2026. Die größte Weltmeisterschaft ever. Und obendrein noch nachhaltig. So die FIFA.
10.05.2026 | 43:52 minBeschaffungskosten und Innovationen treiben Preise
Adidas erklärt die hohen Trikotpreise auf ZDF-Anfrage mit in der Vergangenheit gestiegenen Beschaffungskosten, etwa durch erhöhte Rohstoff-, Lohn- und Transportkosten. "Gleichzeitig ist es unser Anspruch, ständig Innovationen und Verbesserungen vorzunehmen", so ein Sprecher des Konzerns in einer schriftlichen Antwort.
Zu diesen Innovationen gehörten etwa die Climacool+-Technologie sowie zusätzliche Belüftungszonen, die in den Trikots der Spieler verbaut seien. "Diese technisch aufwendigere Verarbeitung führt insgesamt zu höheren Herstellungskosten", erklärt der Adidas-Sprecher den höheren Preis fürs Authentic-Trikot.
Fanliebe, hohe Nachfrage und teure Sponsoringverträge - sie alle treiben die Trikotpreise für Fans in die Höhe.
… beobachtet und analysiert den Ausrüstermarkt im Profifußball seit mehreren Jahren. Er ist als ehemaliger Fußballer gut vernetzt in der Branche und berät mit seiner Marketingagentur Unternehmen aus Wirtschaft und Sport. Im Sportbereich führt seine Agentur auch eigene Marktforschungsprojekte durch.
Mehr zur Fußball-WM
Fußball-WM 2026:Mit Neuer und Karl - das ist der DFB-Kader für die WM
- Interview
ZDF-Expertin Kromp übers DFB-Team bei WM:"Wir haben eine außerordentliche Qualität"
mit Video1:57 Pause wird wohl ausgedehnt:WM-Finale: Wer tritt bei der großen Halbzeit-Show auf?
mit Video2:07- Interview
Ex-Präsident Sepp Blatter rechnet ab:"Die FIFA ist keine respektable Organisation mehr"
mit Video43:52