Trotz hoher Inflation:Keine Zinserhöhung: EZB hält Leitzins konstant
Die Inflation bleibt deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent. Trotzdem macht die Europäische Zentralbank nach zwei Zinserhöhungen eine Pause.
Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main. (Archiv)
Quelle: ddp / Panama PicturesObwohl die Inflation hoch ist, verzichtet die Europäische Zentralbank (EZB) auf eine Zinserhöhung. Die Währungshüter in Frankfurt halten den Leitzins vorerst konstant. Sie beließ den zum Steuern der Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz am Donnerstag bei 2,50 Prozent.
Top-Gespräch im Vorfeld des Zinsentscheids war der vorzeitige Rückzug von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Die Französin hört im Februar 2027 auf. Darüber wurde seit Monaten spekuliert. Ihr Abgang macht den Weg für eine Paketlösung frei, die weitere Führungsposten umfasst - darunter die Nachfolge von EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds wechselt.
Christine Lagarde tritt am 7. Februar von ihrem Amt als Chefin zurück. Das teilte die Europäische Zentralbank mit.
29.10.2026 | 0:21 minNach zwei Zinserhöhungen folgt eine Pause
Die Hüter des Euro hatten im Juni erstmals seit fast drei Jahren den Leitzins angehoben und im September nachgelegt. Mit einer Inflationsrate von zuletzt 3,8 Prozent im Euroraum ist die Zentralbank jedoch noch weit von ihrem Ziel einer Teuerung von 2,0 Prozent entfernt.
Die EZB bleibt daher wachsam. So heißt es im Begleittext zum Zinsentscheid:
Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert.
EZB
Finanzmärkte erwarten Zinserhöhung im Dezember
An den Finanzmärkten wird eine weitere Zinserhöhung für Dezember erwartet, sollte die von gestiegenen Energiepreisen im Zuge des Krieges in Iran angefachte Inflation nicht abflauen.
Zwar haben die Währungshüter keinen Einfluss auf die Öl- und Gaspreise. Doch sie wollen verhindern, dass sich durch die teure Energie sogenannte Zweitrundeneffekte entwickeln. Damit ist gemeint, dass sich Löhne und Preise hochschaukeln und die Inflation verfestigen.
Die Preise steigen wieder - und mit ihnen wächst der politische Druck. EZB-Präsidentin Christine Lagarde über Inflation, Kaufkraft und die politische Dimension steigender Preise.
10.09.2026 | 13:18 minFrankreichs Schulden werden zum Problem
Auch die Schuldenkrise in Lagardes Heimatland Frankreich bereitet den Währungshütern immer größeres Kopfzerbrechen: Der Schuldenberg der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ist auf einen Nachkriegsrekord von 119 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Die Sorge der Anleger über die angespannte Haushaltslage hat die Renditen für französische Staatsanleihen nach oben getrieben, was die Kreditaufnahme des Staates spürbar verteuert.
Die EZB verfügt mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) über ein Programm, mit dem sie unbegrenzt Staatsanleihen eines in Bedrängnis geratenen Euro-Landes kaufen kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass die steigenden Kreditkosten nicht durch eigenes Verschulden des Landes entstanden sind und die Märkte unverhältnismäßig reagieren.
Mehr zur EZB und Christine Lagarde
Zentralbank-Chefin im Interview:Lagarde: EZB kann Hormus-Folgen nur abmildern
Video13:18Hinter den Kulissen:Der Kampf der EZB-Chefin gegen Inflation
Video9:37Wie Banken um Kunden werben:Höhere Zinsen: Das Comeback des Tagesgeldkontos
von Deborah Gettmannmit Video1:28Amtszeit endet regulär 2027:Spekulationen um Rückzug von EZB-Chefin Lagarde
Video1:03