Entlastungsprämie: Mittelstand fordert Stopp in offenem Brief

Exklusiv

Offener Brief an die Länderchefs:Entlastungsprämie: Mittelstand fordert Länder zum Stopp auf

Klaus Weber

von Klaus Weber

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1.000 Euro vom Arbeitgeber sollen laut Bundesregierung die Verbraucher entlasten. Der Bundesrat soll zustimmen - der Mittelstand will das verhindern.

Auf dem Bild sieht man auf der rechten Seite den Host Mirko Drotschmann. Links im Bild zu sehen ist eine Hand, die Geld auffängt.

Die Regierung verspricht Tankrabatt und Entlastungsprämien gegen steigende Preise: Mirko Drotschmann erklärt, wer profitiert und wer draufzahlt.

23.04.2026 | 10:20 min

Am Freitag dieser Woche steht im Bundesrat ein Termin an, der sich zu einer Art Showdown entwickeln könnte. Zumindest wenn es nach dem Willen des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) geht. Denn dann steht in der Ländervertretung die Abstimmung über die Entlastungsprämie an.

Der Bundestag hatte den Weg dafür bereits am 24. April frei gemacht. Doch vorher, am Dienstagabend, haben die Länderchefs bereits Post vom Mittelstand bekommen.

sgs leibinger entlastungsprämie

Die 1.000 Euro-Entlastungsprämie sei "nicht zu Ende gedacht", so BDI-Chef Leibinger. Viele Unternehmen seien unter wirtschaftlichem Stress und könnten keine Prämien bezahlen.

19.04.2026 | 6:27 min

Offener Brief an Landesregierungen

In einem offenen Brief, der ZDFheute exklusiv vorliegt, fordert der Bundesverband mittelständischer Unternehmer die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder auf, dem Gesetz die Zustimmung zu verweigern. Die Belastungsgrenze für Arbeitgeber und Beschäftigte sei erreicht.

Substanzielle Entlastungen seien nicht in Sicht. Die Stimmung in den Betrieben stehe an einem Kippunkt, so der offene Brief.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ist eine Lobbyvertretung der mittelständischen Wirtschaft mit Sitz in Berlin. In dem parteipolitisch unabhängigen Verband sind knapp 26.000 Unternehmerinnen und Unternehmer organisiert. Geschäftsführer ist der ehemalige CDU-Politiker Christoph Ahlhaus, der von August 2010 bis März 2011 kurzzeitig Erster Bürgermeister von Hamburg war.


Pleitewelle im Mittelstand

Der Mittelstand verweist vor allem auf die prekäre Situation vieler Unternehmen. Die Firmenpleiten in Deutschland befänden sich im ersten Quartal auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren.

Die Insolvenzwelle würde vor allem von den Pleiten kleiner und mittlerer Unternehmen getrieben. Bei den Beschäftigten würden "Erwartungen und Hoffnungen geweckt, die vielfach nicht erfüllt werden können."

Der eine hängende Ordnertab vor einer Computertastatur bei der Schuldeninkasso

2025 war ein hartes Jahr für die deutsche Wirtschaft: Alle 20 Minuten meldeten Unternehmen Insolvenz an. Besonders stark betroffen waren Verkehr, Logistik, Gastgewerbe und Bau.

13.03.2026 | 1:28 min

Denn eine Mehrheit der Betriebe wäre nicht in der Lage, die Entlastungsprämie auszuzahlen. Dafür sei maßgeblich eine Wirtschaftspolitik verantwortlich, die weite Teile des Mittelstands spalte und benachteilige, so der Geschäftsführer des BVMW, Christoph Ahlhaus, im offenen Brief. Dieser Spaltung müsse entgegengewirkt werden.




Wie unterschiedlich die Unternehmen in der Sache tatsächlich sind, zeigt eine Umfrage, die der Verband bereits Mitte April unter seinen Mitgliedern durchführte.

Das Ergebnis - ernüchternd: Etwa 50 Prozent der teilnehmenden Unternehmen gaben demnach an, die vorgeschlagene Prämie "auf keinen Fall auszuzahlen". Ein Fünftel kann es sich immerhin vorstellen, 30 Prozent zeigten sich unentschlossen.

Großteil von Mittelstand lehnt Auszahlung ab

ZDFheute Infografik

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Verband schlägt Nachverhandlungen vor

Statt dem Gesetz zuzustimmen, schlägt der Bundesverband deshalb vor, nachzuverhandeln und so eine aus seiner Sicht gerechtere Lösung für alle Beschäftigten zu finden:

Verweigern Sie dem Gesetz die Zustimmung im Bundesrat.

Offener Brief des BVMW

"Setzen Sie sich für eine Nachverhandlung im Vermittlungsausschuss ein, um eine gleichwertige Entlastung für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über die Steuern und Sozialabgaben sicherzustellen und den Betriebsfrieden zu wahren", schreibt der BVMW in dem offenen Brief.

Christoph Ahlhaus

Mit deutlichen Worten wendet sich der Mittelstandsverband in einem Brandbrief an Kanzler Merz und kritisiert die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung der vergangenen Monate.

07.02.2026 | 1:59 min

Wie schon bei der Vorstellung der Pläne durch die Regierung kritisiert der Mittelstandsverband nach wie vor das Verursacherprinzip. Die Bundesregierung würde Kosten für die Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf die Betriebe abwälzen.

Wenn die Bundesregierung eine Entlastung ankündigt, muss sie auch die Kosten tragen.

Offener Brief des BVMW

Der Mittelstand sei "nicht der Zahlmeister für substanzlose Versprechen der Bundesregierung".

Berlin: Der stellvertretende Vorsitzende der Union, Mathias Middelberg.

Der stellvertretende Vorsitzende der Union, Mathias Middelberg, hat den umstrittenen Vorschlag der Entlastungsprämie verteidigt. Er äußerte sich dazu im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

20.04.2026 | 0:39 min

Mittelstand sieht Notwendigkeit für Entlastungen bei Verbrauchern

Dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter den geopolitisch verursachten Preissteigerungen im Alltag leiden, stellt der Verband dabei nicht in Abrede.

Jenseits der Situation in den Betrieben seien daher auch solche Entlastungsmaßnahmen, die ausschließlich Verbraucherinnen und Verbrauchern zugutekommen, eine dringende Notwendigkeit, betont er in seinem offenen Brief.

Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Quelle: ZDF
Über die Entlastungsprämie berichtete das ZDFheute-Format "xplained" in dem Beitrag "Steigende Preise: Das sind die Pläne der Bundesregierung" am 23.04.2026 um 18:01 Uhr.

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