Netzagentur bewilligt Zuschläge:Milliarden für neue Kraftwerke
Die Bundesnetzagentur hat erstmals Milliardenhilfen für neue Kraftwerke vergeben. Vor allem RWE und LEAG profitieren. Die Kosten tragen letztlich die Stromkunden.
Zuschlag auch für LEAG-Standort in Jänschwalde: Hier sollen vier neue Gaskraftwerksblöcke gebaut werden.
Quelle: dpa | Frank Hammerschmidt/dpaDie Bundesnetzagentur hat erstmals Zuschläge über Milliardenhilfen für neue Kraftwerke vergeben. Davon profitieren vor allem die Energiekonzerne RWE und LEAG. Auf sie und ihre Tochtergesellschaften entfallen zehn der elf Zuschläge.
Unterm Strich summieren sich die zugesagten Vergütungen nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters für den gesamten Förderzeitraum ab 2031 auf rechnerisch rund zwölf Milliarden Euro. Die Kosten sollen letztlich die Stromkunden tragen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verwies auf die Bedeutung der geplanten neuen Gaskraftwerke. "Wir bringen die Kraftwerksstrategie aus der Planung in die Umsetzung und schaffen damit die Grundlage für eine sichere und bezahlbare Stromversorgung", sagte sie in Berlin.
Um die Stromversorgung im Zuge der Energiewende zu sichern sollen weitere Gaskraftwerke gebaut werden. Das sieht ein neuer Gesetzentwurf der Bundesregierung vor.
13.05.2026 | 1:52 minAnlagen sollen überbrücken, wenn Wind und Sonne nicht genug liefern
Hintergrund: Die Bundesregierung fördert den Bau neuer Kraftwerke und Speicher. Die Betreiber bekommen über 15 Jahre Geld dafür, dass ihre Anlagen Strom liefern können, wenn Wind- und Solaranlagen nicht genügend produzieren. Damit sollen sich Investitionen lohnen, die nur zeitweise gebraucht werden.
Mit den neuen Gaskraftwerken werde gesicherte Leistung geschaffen, die spätestens ab 2031 dann zur Verfügung stehe, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Strom lieferten, sagte Reiche.
Damit sichern wir den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und den Kohleausstieg ab.
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin
Die Ausschreibung ist Teil einer Kraftwerksstrategie, deren Kosten die EU-Kommission insgesamt auf bis zu 35,2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2045 schätzt. Damit soll die Stromversorgung in Deutschland langfristig abgesichert werden.
Deutschland erzeugt immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien. In den ersten neun Monaten 2026 deckten diese nach Branchenangaben knapp 61 Prozent des Stromverbrauchs. Den größten Beitrag leisteten Wind- und Solaranlagen. Doch bei längeren Phasen mit wenig Wind und Sonnenschein müssen andere Anlagen einspringen. Zugleich sollen die Kohlekraftwerke spätestens 2038 abgeschaltet werden. Die Bundesregierung will deshalb zusätzliche Kraftwerke fördern, die unabhängig vom Wetter Strom liefern können. Die neuen Kraftwerke sollen als Backups in sogenannten Dunkelflauten einspringen. Grundlage ist das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG), das im Juli von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde.
Die Bundesregierung fördert den Bau neuer Kraftwerke und Speicher. Betreiber erhalten dafür Geld, dass sie ihre Anlagen einsatzbereit halten, auch wenn sie gerade keinen Strom erzeugen. Damit sollen sich Investitionen in Anlagen lohnen, die nur zeitweise gebraucht werden. Geplant sind weitere Ausschreibungen. Anbieter werden dafür honoriert, dass sie Kapazitäten bereitstellen - auch wenn diese möglicherweise nur wenige Stunden im Jahr laufen.
In der ersten Runde setzten sich nur Erdgaskraftwerke durch. Rund zwei Gigawatt entfallen laut Wirtschaftsministerium auf Gas- und Dampfturbinenkraftwerke, rund drei Gigawatt auf andere Gaskraftwerkstechnologien wie Gasturbinen und Gasmotoren. Darunter sind auch Vorhaben, bei denen Braunkohle durch Gas ersetzt werden soll. Batteriespeicher hatten ebenfalls Gebote eingereicht, konnten sich nach Ministeriumsangaben aber im Preiswettbewerb nicht durchsetzen. Im Mai 2027 werden zusätzlich zwei Gigawatt neue Kraftwerks- und Speicherleistung ausgeschrieben. Dann entfällt die Zehn-Stunden-Regel. Das verbessert die Chancen von Batteriespeichern, die Strom nur für kürzere Zeit liefern können.
In der ersten Runde entfielen rund 53 Prozent der bezuschlagten Leistung auf den netztechnischen Norden und 47 Prozent auf den Süden. Die größte Leistung ging nach Nordrhein-Westfalen mit rund 2.118 Megawatt, gefolgt von Brandenburg mit 1.819 und Sachsen mit 910 Megawatt. Weitere Zuschläge gingen nach Bayern und Baden-Württemberg. Netzagentur-Präsident Klaus Müller erklärte, die regionale Verteilung trage künftig zu einem sicheren Netzbetrieb bei. RWE kündigte den Bau von drei wasserstofffähigen Gaskraftwerken in Voerde, Werne und Weisweiler an.
Bedingungen begünstigen Gaskraftwerke
Auch Gebote für Batteriespeicher wurden in der ersten Runde abgegeben, konnten sich preislich aber nicht durchsetzen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert: Das Ergebnis der ersten Auktion zeige, dass von fairem Wettbewerb verschiedener Technologien und Akteure keine Rede sein könne, kritisierte die Deutsche Umwelthilfe. "Batteriespeicher gehen leer aus, während fossile Großkonzerne gefördert werden", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenne. Es dominierten "die Geschäftsinteressen fossiler Megakonzerne".
In Hamm haben am Samstag tausende Menschen für das Klima protestiert. Etwa 2.000 Teilnehmer bildeten eine bewegliche Windrad-Choreografie als Zeichen gegen den Energie-Kurs der Bundesregierung.
31.05.2026 | 0:41 minVoraussetzung für die Förderung: Die Anlagen müssen mindestens zehn Stunden am Stück Strom mit mindestens 80 Prozent ihrer Leistung liefern können. Batteriespeicher müssen dies spätestens nach drei Stunden erneut leisten können. Diese Bedingungen begünstigen Gaskraftwerke, die längere Dunkelflauten überbrücken können.
Grundsätzlich kommen aber auch andere Technologien infrage. Neue Gaskraftwerke können zudem an Kohlekraftwerksstandorten entstehen und dort vorhandene Infrastruktur wie Stromnetzanschlüsse nutzen. Voraussetzung ist, dass zusätzliche Kraftwerksleistung geschaffen wird.
In Sachsen-Anhalt wurde heute der größte Batteriespeicher Deutschlands eröffnet. Er soll überschüssige Energie von erneuerbaren Energieformen speichern.
13.08.2026 | 1:29 minReiche zufrieden mit Ausschreibungen
Reiche nannte die erste Ausschreibung einen großen Erfolg. "41 Gebote über knapp zwölf Gigawatt zeigen, wie viel Investitionsbereitschaft wir mit den richtigen Rahmenbedingungen mobilisieren. Dieser Wettbewerb zahlt sich aus."
Der durchschnittliche Zuschlagspreis liege mit rund 155.000 Euro deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro. Das sei wichtig für die Stromkunden, da es Kosten senke - die sollen letztlich die Stromkunden tragen.
Ausschreibungen noch in diesem Jahr:Bundesregierung beschließt Bau neuer Gaskraftwerke
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von Luisa Houbenmit Video1:51