Hantavirus-Schiff "Hondius": Evakuierung auf Teneriffa

Kreuzfahrtschiff evakuiert:Wie gefährlich ist das Hantavirus?

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Medizinisches Fachpersonal in Teneriffa während der Vorbereitungen zur Evakuierung der "Hondius".

Die Evakuierung der "Hondius" in Teneriffa läuft. Nach einem Hantavirus-Ausbruch warten die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs seit Tagen auf Entwarnung. Einordnung bei ZDFheute live.

Quarantäne für Kreuzfahrt-Passagiere, Tote nach Infektionen: Die Ereignisse nach dem Hantavirus-Ausbruch auf der "Hondius" wecken Erinnerungen an Corona - müssen wir uns also wegen einer neuen Pandemie sorgen? Und wie gefährlich ist das Hantavirus? Darüber hat ZDFheute live mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit gesprochen.

Schauen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Wie gefährlich ist dieses Hantavirus?

Es gebe viele unterschiedliche Hantaviren, auch in Deutschland kämen welche vor, erklärt Schmidt-Chanasit: "Nur diese südamerikanische Variante, das sogenannte Andes-Virus, geht mit einer hohen Fallsterblichkeit von bis zu 50 Prozent einher." Bei anderen Hantaviren seien es 20 bis 30 Prozent, an den einheimischen Varianten "stirbt fast niemand an einer Infektion".

Insofern ist es richtig, dass man diese Vorsichtsmaßnahmen ergreift.

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit

Wie wird das Hantavirus übertragen?

Normalerweise infiziere man sich, wenn man Staub mit Hantaviren einatmet, also über Kot, Speichel und Urin von Nagetieren. Das passiere zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Beim aktuellen Fall dürften die Passagiere beim Landgang von der Kreuzfahrt in Kontakt mit solchen Ausscheidungen gekommen sein, vermutet der Virologe. Das sei ein "verrückter Zufall":

Das sind Infektionen, die normalerweise im ländlichen Raum stattfinden. Bei Bauern, Förstern, Waldarbeitern, Soldaten. Nicht auf einem Kreuzfahrtschiff.

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit

Möglich wäre auch, "dass die Nagetiere zur Verunreinigung auf dem Schiff selbst beigetragen haben". Das müsse nun untersucht werden. Sollte das nicht der Fall sein, wäre eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung auf dem Schiff bei längeren Kontakten auch denkbar.

Droht nun die nächste Pandemie?

Eine zweite Corona-Pandemie ist unwahrscheinlich. Dafür gibt es laut Schmidt-Chanasit drei Gründe:

  1. Das Andes-Virus wird meistens nur von Erkrankten übertragen. Bei Corona haben auch Menschen ohne Symptome das Virus weitergegeben.
  2. Selbst bei Erkrankten sei die Übertragung "nicht so einfach und effektiv wie mit dem Coronavirus".
  3. Wenn man erkrankt, verläuft die Infektion sehr schwer. "Im Regelfall läuft man dann nicht noch tagelang durch eine Stadt und hat die Möglichkeit, viele Menschen anzustecken."

So schnelle Veränderungen des Virus wie bei Corona hält der Virologe aktuell für unwahrscheinlich.

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